"Corona-Pandemie" steht auf dem Display eines Mobiltelefons. © dpa bildfunk Foto: Frank Rumpenhorst

Sprachforscher sammeln rund 1.000 neue Wörter rund um Corona

Stand: 07.12.2020 14:27 Uhr

Kein anderes Thema hat den Wortschatz 2020 so stark geprägt wie die Corona-Krise. Zu diesem Schluss kommt das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim.

Wie das IDS am Montag in Mannheim mitteilte, haben Forscher etwa 1.000 neue Wörter rund um das Thema Corona gesammelt. Die Wörter und Wortverbindungen reichen etwa von Abstandsgebot und AHA-Regel über Balkonklatscher, C-Wort, Coronials, Drive-in-Test, Superspreaderereignis und Wellenbrecherlockdown bis zu Zoomparty. Die Forscher führen auf einer Internetseite alle Corona-Begriffe mit Erklärung auf.

Neben der Pandemie fanden auch andere Begriffe aus der Politik Eingang in das Wortschatz-Verzeichnis der Sprachforscher. Brexiteer und Remainer finden sich dort nun ebenso wie Reichsbürger und der Pegidist.

Sprachwissenschaftlerin stellt politische Radikalisierung fest

Aus Sicht der Sprachwissenschaftlerin Heidrun Kämper vom IDS ist 2020 zwar aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen ein besonderes Jahr. Aber wie die Leiterin des Arbeitsbereichs Sprachliche Umbrüche im Institut weiterhin sagt, nehmen auch Themenfelder wie etwa die Bedrohung der Demokratie oder der Klimawandel einen besonderen Rang ein.

"Blickt man auf Begriffe, die das Jahr - aber auch schon die Vorjahre geprägt haben -, stellt man fest, dass es in politischer Hinsicht zu einer Radikalisierung gekommen ist", sagt die Professorin. Auf der anderen Seite deuteten etwa Wörter zum Klimawandel darauf hin, dass dieses Problem zunehmend in der Gesellschaft angekommen ist und als konkrete Bedrohung wahrgenommen wird.

Neue Begriffe vereinfachen komplizierte Sachverhalte

Begriffe zeigen aber nicht nur, dass sich die Gesellschaft mit bestimmten Phänomenen und Konflikten herumschlägt, sagt der Münchner Soziologe Armin Nassehi. "Es ist ja auch eine wichtige Funktion von Begriffen, dass sie komplizierte Sachverhalte auf einen Nenner bringen können", sagt er. Das funktioniere interessanterweise auch mit Ironie. So habe sich etwa der Begriff Aluhut für Menschen durchgesetzt, die Verschwörungstheorien anhängen.

Ein Handy wird von einer jungen Frau, die violetten Nagellack und sommerliche Kleidung trägt in den Handen gehalten. © criene Foto: criene
Auch die Wortschöpfung "digital entgiften" haben die Forscher ins Wörterbuch aufgenommen.

Ein anderes schönes Beispiel sei auch der Begriff "digital entgiften", der wegen möglicher schädlicher Folgen bei der Nutzung sozialer Medien erstmals vom IDS in das Wörterbuch aufgenommen wurde. Diese Bezeichnung werde von vielen Menschen sofort verstanden, so der Professor.

Auch Pop-up-Radwege und Autoposer haben ins Wörterbuch der Neologismen Einzug gefunden - genauso wie die Mobilitätsstation. Der Begriff bezeichnet Einrichtungen im öffentlichen Raum, an denen man von privaten auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder zum Beispiel auch E-Bikes oder Carsharing-Autos ausleihen kann.

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NDR Info | Nachrichten | 07.12.2020 | 13:00 Uhr