Stand: 18.04.2019 10:42 Uhr

Gameboy: Der Videospiel-Revolutionär wird 30

von Susanne Birkner

An der Haltestelle mal eben eine Runde zocken, bis der Bus kommt - in Zeiten von Smartphones nichts Besonderes. Vor 30 Jahren hingegen war es etwas sensationell Neues, als die japanische Firma Nintendo am 21. April 1989 einen grauen Elektroklotz auf den Markt brachte, mit dem man auch unterwegs spielen konnte: den Gameboy. Zu seinem Geburtstag haben Passanten von ihren Erinnerungen erzählt.

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Der erste Gameboy erschien mit einem Schwarz-Weiß-Bildschirm. Erst der Gameboy Color aus dem Jahr 1998 hatte eine Anzeige in Farbe.

Der Gameboy trennt Generationen. Für die einen war es ein Höhepunkt ihrer Kindheit, andere können mit seinem Namen nichts anfangen. Für einen Passanten war die tragbare Spielekonsole "ein riesen Ding damals in der Grundschule". Eine weitere erzählt, dass sie gerne einen gehabt hätte: "Weil alle ihn hatten und man im Auto hätte spielen können."

Nach dem Gameboy geboren

"Da bin ich leider ein bisschen zu jung für. Ich wurde erst 2000 geboren. Als der rausgekommen ist, war ich minus elf", räumt ein junger Mann ein. Ein Mädchen lacht und sagt: "Ich weiß nicht mal, was das ist." Als sie den grauen Klotz in den Händen hält, findet sie ihn cool.

Damals vor 30 Jahren war der Gameboy richtig cool, findet auch ein junger Mann auf der Straße: "Heute betrachtet ist er nicht so geil, weil er keine Farbe hatte und das Display winzig war." Aber damals sei er Revolution gewesen.

Nintendo entschied sich bewusst gegen Farbbildschirm

Nur acht Bit, ein Steuerkreuz, ein paar Knöpfe und ein Bildschirm ohne Hintergrundbeleuchtung: Selbst für damalige Verhältnisse war die Technik nicht revolutionär neu. Konkurrenten wie Atari oder Sega brachten kurz darauf technisch überlegenere Geräte mit besserer Grafik heraus. Aber das Entwicklerteam von Nintendo setzte bewusst auf Einfachheit und entschied sich gegen einen Farbbildschirm. Denn so lief der Gameboy mit nur einer Batterieladung mehr als 15 Stunden lang.

Das beliebteste Spiel: Tetris

Das Spiel "Donkey Kong", das 1994 entwickelt wurde, und "Pokémon" aus dem Jahr 1996 standen hoch im Kurs bei den befragten Menschen auf der Straße. Aber besonders beliebt war bei den Konsumenten "Tetris". Man habe es von morgens bis abends spielen können. Eine Frau hat keine guten Erinnerungen: "Ich hab nie gespielt, mein Bruder hat ganz viel gespielt und ich fand das immer schrecklich, weil er keine Zeit mehr hatte."

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Da man den ersten Gameboy nur in Verbindung mit Tetris kaufen konnte, wurde das Spiel zu einem der meistverkauften Computerspiele der Geschichte.

Das Prinzip des simplen Spiels: Bausteinblöcke fallen immer schneller vom oberen Rand des Bildschirms und müssen schnell gedreht und einsortiert werden. Tetris spielen - bis heute ein geflügeltes Wort beim Beladen eines Umzugswagens. Nintendo hatte alle Konkurrenten überboten und einem russischen Computeringenieur die Rechte an diesem so simplen wie süchtig machenden Spiel abgekauft.

Der Gameboy ist Kult bis heute

Vom ersten Gameboy an war Tetris standardmäßig dabei - einer der Gründe, warum der Gameboy im Gegensatz zu anderen Geräten nicht vergessen ist, sondern Kult.

Für die allerersten Gameboys zahlen Fans heute zum Teil ein Vielfaches mehr als die 169 Mark von damals. Nostalgiker und auch Musiker. Chiptune heißt die Szene, die mit dem kleinen grauen Plastikklotz Musik macht. Chiptune oder: 8-Bit-Musik.

Mehr als 100 Millionen Gameboys wurden nach Firmenangaben verkauft. Und während einige hochtechnisierte Smartphones von heute schon nach kurzer Zeit den Geist aufgeben, funktionieren einige der alten Taschenkonsolen auch noch nach 30 Jahren.

Dieses Thema im Programm:

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