Das "Jahr100Haus" des Freilichtmuseums Molfsee: Zwei langgestreckte Gebäude stehen nebeneinander. © imago images / penofoto

Freilichtmuseum Molfsee: Das "Jahr100Haus" ist fast fertig

Stand: 21.12.2020 13:26 Uhr

Das Freilichtmuseum Molfsee erhält einen spektakulären Neubau, der Ausstellungs-, Versammlungs-, und Eingangsgebäude in einem ist. Damit wird das Museum zum zentralen Ort für die Alltagskultur in Schleswig-Holstein.

von Frank Hajasch

Sie sind im Finish. Auch wenn draußen noch planiert, geharkt und gepflanzt wird: Im Gebäude ist alles angerichtet. Hier und da flitzt ein Fußbodenleger vorbei. Letzte Poliermaschinen sind eher zu sehen als zu hören. Guido Wendt, der Geschäftsführer der Landesmuseen, erzählt strahlend: "Wir haben gerade vor zwei Tagen die Endabnahme durchgeführt. Theoretisch wären wir in der Lage, das Gebäude am 15. Januar zu eröffnen."

Das "Jahr100Haus" des Freilichtmuseums Molfsee von innen: Zwei Männer unterhalten sich, über ihnen das Gebälk eines hohen, spitz zulaufenden Daches. © imago images / penofoto
Juli 2020: Wolfgang Rüther, Direktor des Freilichtmuseums Molfsee, mit Architekt Klaus-H. Petersen (rechts) im entstehenden "Jahr100Haus".

So schnell wird es dann aber doch nicht gehen. Wendt erzählt von der aktuellen Entscheidung, im Januar alle Häuser dicht zu lassen. Somit sind wir exklusiv in diesem Neubau unterwegs, der eigentlich aus zwei Häusern besteht. Es sind langgestreckte, 14 Meter hohe Gebäude im Stil einer Scheune, mit tiefen Untergeschossen. Dazwischen liegt ein Lichthof, der die Architektur schön zeigt: aus schlichtem Beton, mit hohen, weit heruntergezogenen Dächern wie beim niederdeutschen Fachhallenhaus und dem Haubarg im Freigelände.

Eine architektonische Herausforderung

"Das war eine Herausforderung, die die Architekten eingegangen sind, die sie aber auch hervorragend gemeistert haben", erzählt Wendt. "Denn wenn wir uns die historischen Gebäude im Freilichtmuseum anschauen, dann stellen wir fest, dass jedes einzelne eine Innovation darstellte, als es gebaut wurde - ob vor 150 oder 200 Jahren."

Unter einem Flächentragwerk aus hellem Holz geht es dann zur Ausstellung im unteren Bereich. Doch Guido Wendt stoppt, biegt nach rechts. In der Eingangshalle öffnet sich einladend ein Raum über die gesamte Breite des Hauses. So ein Museum sei für alle da, sagt er - weshalb Molfsee auch ein Versammlungsraum für die Region werden soll: "Wir haben hier die Möglichkeit, Gruppen von bis zu 100 Personen zu empfangen. Wenn die Feuerwehr Molfsee ihre nächste Jahreshauptversammlung durchführt, dann kann sie es im neuen 'Jahr100Haus' machen."

"Jahr100Haus": Das Freilichtmuseum Molfsee springt ins 21. Jahrhundert

"Jahr100Haus" also. Damit ist der Name des Neubaus endlich gefallen. Und Babette Tewes, Projektleiterin im Freilichtmuseum, kann ihn erklären: "Wir haben im Gelände Häuser aus dem 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Und mit diesem Gebäude und dieser Ausstellung schaffen wir im Grunde den Sprung ins 21. Jahrhundert."

Für ein Museum sind 100 Jahre eine Riesen-Zeitspanne. Und so liegt der Fokus bei der Alltagskultur, ohnehin eines der Forschungsgebiete in der Volkskunde. Für die neue Ausstellung hätte das Team nach grundsätzlichen Themen gesucht, erzählt Tewes. Fündig wurde man beim Rhythmus: "Hell und dunkel, Ebbe und Flut. Die Taufe, die Einschulung - das sind alles Rhythmen, die wie selbstverständlich mitschwingen, aber die für uns als Menschen durchaus eine große Bedeutung haben."

Exponate zeigen den Lebensrhythmus der Menschen

Und so folgen verschiedenste Objekte, die diesen Rhythmus bebildern: eine frühe Schultüte, eine Stechuhr, eine Lübecker Tanksäule aus den 60er-Jahren oder ein erster Apple iMac-Rechner aus den 90er-Jahren.

Als nächstes sieht man auf einem Bildschirm Menschen, die knutschen. "Wir befinden uns hier im Bereich Beziehung und Kommunikation", erklärt Tewes. "Und diesen Film haben wir im Sommer dieses Jahres im Freilichtmuseum aufgenommen. Und haben da Besucher und Besucherinnen gefragt, ob sie nicht Lust hätten, sich vor der Kamera zu küssen."

Doch auch dieses Exponat bleibt der Öffentlichkeit zunächst vorenthalten. Was einfach traurig sei, erzählt Guido Wendt. "Wenn man so viele Jahre mit so vielen Kolleginnen und Kollegen aus ganz Schleswig-Holstein dafür gearbeitet hat, dass es jetzt losgeht und dann eben doch nicht - dann ist das schon Mist, um es mit Franz Müntefering zu sagen", sagt er und fügt lachend hinzu: "Aber es ist, wie es ist."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 21.12.2020 | 15:20 Uhr