Sendedatum: 22.03.2019 06:40 Uhr

Ausstellung zu 100 Jahren Hamburgische Sezession

von Anette Schneider

Vor 100 Jahren gründeten Künstler und Künstlerinnen in Hamburg die Hamburgische Sezession. Gleich mehrere Ausstellungen werden sich im Laufe des Jahres diesem Thema widmen. Den Auftakt macht nun ein Projekt im Museum für Kunst und Gewerbe, das die enge Verbindung der Künstlervereinigung mit dem eigenen Haus aufzeigt.

Drei Bilder der Ausstellung 100 Jahre Hamburgischen Sezession

100 Jahre Hamburgische Sezession

Hamburg Journal -

Ob Malerei, Grafik, Skulptur, Schmuck oder Architektur - die Bandbreite ihres Schaffens nach dem Ersten Weltkrieg war groß. Zum 100. Geburtstag der Hamburger Sezession gibt es mehrere Ausstellungen.

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Die jüngsten Künstler waren knapp 20, die Ältesten Mitte 40 - und alle waren sich einig: So konnte es in Hamburg nicht weitergehen. Nach der Novemberrevolution von 1918/19 herrschte überall Aufbruchstimmung, in der Kunst wurde Neues ausprobiert - nur in der Hansestadt gab es keinerlei fortschrittliche Kunstszene.

So wie in Paris, Berlin, München

Also gründeten über 50 Kunstschaffende die Hamburgische Sezession. "Für sie stand fest", so Kuratorin Silke Reuther, "dass es auch darum geht, ein Klima zu schaffen, an dem Künstler sich reiben können. Das fand man in Paris, in Berlin, München, aber in Hamburg nicht." So etwas miteinander zu entwickeln, das sei die Idee der Kunstschaffenden gewesen - in Kooperation mit den großen Museen.

Gemälde und Grafiken, Plakate, Broschüren und Notizbücher erzählen jetzt die Geschichte der Künstlervereinigung: Arbeiten von Anita Ree, Gretchen Wohlwill, Heinrich Stegemann, Karl Kluth und anderen zeigen die künstlerische Vielfalt der Gruppe und wie sie sich neue Sachlichkeit, Abstraktion, expressiver Farbigkeit oder kubistische Formen aneigneten.

Vorträge sollten das Kulturleben beleben

Außerdem organisierten die Künstler damals Ausstellungen, in denen sie die konservativen Hanseaten mit den modernsten Künstlern der Zeit konfrontierten: mit Picasso, Kandinsky, Braque, de Chirico. "Sie haben sehr schnell angefangen, die Kunstmäzene ins Boot zu holen. Dann haben die Sezessionisten neben den jährlichen Ausstellungen auch Vorträge veranstaltet, um das Kulturleben zu beleben", erklärt Silke Reuther.

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Einen weiteren Mitstreiter fanden die Sezessionisten in Max Sauerlandt, dem neuen Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, so Caroline Schröder, die den Ausstellungsteil über den jüdischen Kunstwissenschaftler erarbeitete: "Er hat sich unglaublich intensiv in das Hamburgische Leben eingemischt." An seinen Taschenkalendern, die auch ausgestellt sind, sehe man immer wieder Notizen, mit wem er sich getroffen hat und worüber sie gesprochen haben. Max Sauerlandt sei ein Mann gewesen, "der irgendwie 48 Stunden am Tag gehabt haben muss", erzählt Schröder.

Sauerlandts noch heute aktuelle Ansichten

Gleich mehrere Künstler schufen Porträts von Sauerlandt, würdigten so seine noch heute aktuellen Ansichten, die davon ausgehen, dass alle Kulturen - islamische Kunst, ostasiatische Kunst, alte Kunst, antike Kunst, ganz zeitgenössische Kunst - zusammengehören. "Und auch die strikte Trennung zwischen Kunst und Kunstgewerbe lässt er so nicht gelten", sagt Caroline Schröder. "Er sieht das alles unter dem einen Dach einer Kunst, die das Gegenwärtige im Vergangenen spiegelt, und das Allgemeine und Besondere immer wieder in Beziehung setzt."

Selbstauflösung aus Solidarität

1933 machten die Nationalsozialisten all dem ein Ende: Im Mai jagten sie Max Sauerlandt wegen seines Engagements für die moderne Kunst aus seinem Amt, später wurde seine Museumssammlung beschlagnahmt und enteignet. Ebenfalls im Mai schlossen die Faschisten die Jahresausstellung der Sezession. Die Hamburgische Sezession sei vor die Wahl gestellt worden, verboten zu werden oder ihre künstlerischen Äußerungen dem "Zeitgeist" anzupassen und die jüdischen Mitglieder auszuschließen, so Silke Reuther: "Im Mai beschlossen alle Sezessionsmitglieder einstimmig, dass sie in die Selbstauflösung gehen, um sich solidarisch mit den jüdischen Mitgliedern zu zeigen."

Bilder der Ausstellung "Ein lebendiges Museum"

Ausstellung zu 100 Jahren Hamburgische Sezession

Die Hamburgische Sezession wollte Kunst sichtbar machen - in Kooperation mit Museen. Zum Jubiläum gibt es zahlreiche Ausstellungen. Das Museum für Kunst und Gewerbe macht den Auftakt.

Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099  Hamburg
Telefon:
040 428134 880
E-Mail:
service@mkg-hamburg.de
Preis:
8 - 12 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10- 18 Uhr
Donnerstag: 10- 21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10- 18 Uhr

Geschlossen am 1. Mai, Heiligabend und Silvester
Kartenverkauf:
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums
Hinweis:
Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg liegt direkt neben dem Hauptbahnhof Hamburg im Stadtzentrum.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.03.2019 | 06:40 Uhr

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