Stand: 10.10.2018 16:26 Uhr

Die kreative Macht der Maschinen

von Claudia Christophersen

Maschinen, Algorithmen, künstliche Intelligenz - längst haben sie auch die Verlagswelt erreicht, noch zaghaft, aber immerhin. Auf der Frankfurter Buchmesse wird weiter ausgelotet, welches Potenzial die Digitalisierung eröffnet. Zum dritten Mal wird das digitale Kulturfestival "The Arts+" veranstaltet. Begründet wurde es vom Vize-Präsidenten der Frankfurter Buchmesse, Holger Volland, der in diesem Jahr auch das Buch "Die kreative Macht der Maschinen" veröffentlicht hat.

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Bereits zum dritten Mal findet das digitale Kulturfestival "The Arts+" auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Musik, zu der parallel ein grafisches Bild entsteht: Bei lauten Tönen erscheinen grelle, bei sanften warme Farben. Der italienische Komponist Giacinto Scelsi ist hier Ideengeber für das künstlich generierte Videobild. Ein Exempel, mit dem sich die diesjährige "The Arts+" auf der Buchmesse präsentiert. Hier wird bereits zum dritten Mal ausprobiert, was passiert, wenn Digitalisierung und Kultur aufeinandertreffen.

Was bedeutet künstliche Intelligenz für den Literaturbetrieb?

Computer, Maschinen, die Kunst erzeugen, nicht nur mit Videos. Ebenso können renommierte Kunstwerke, Gemälde in hoher Qualität digital so nachproduziert werden, dass sie es schaffen, den Betrachter auch emotional zu berühren und intellektuell anzusprechen - womöglich mehr als das Original. Wilde elektronische Träume? Mitnichten. Wie steht es da um Sprache, Texte, um Literatur? Wir kennen Sprachroboter in Navigationssystemen, "Siri" auf unseren Handys. Und Google hat erst jüngst ein Sprachsystem so programmiert, dass ein persönlicher Anruf zur Terminvereinbarung beim Friseur überflüssig werden könnte: "Dann ruft Ihr digitaler Assistent den Friseursalon an und eine menschliche Stimme verhandelt mit dem Ansprechpartner auf Friseursalonebene einen Termin und macht aus, wann welche Haare genau geschnitten werden, was genau gemacht wird", erklärt Holger Volland. "Dieses System zeigt schon sehr gut, wie weit die Technologie ist, denn, wenn man sich das anhört, merkt man keinen Unterschied zwischen der menschlichen und der Computerstimme."

Buch-Info

Die kreative Macht der Maschinen
Warum Künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken

von Holger Volland
253 Seiten
Beltz Verlag
ISBN: 978-3407865090
Preis: 19,95 Euro

Seit Jahren treibt Holger Volland die Frage um, was künstliche Intelligenz (KI) für Menschen und insbesondere für den Literaturbetrieb bedeutet: "Vielleicht erst mal die gute Nachricht: Es gibt tatsächlich noch keinen erfolgreichen, gut lesbaren Roman auf dieser Welt. Aber: Es gibt erste Versuche eines ersten "Harry Potter"-Fortsetzungsbands, so etwas wie ein Shakespeare-Sonett: Es gibt einen drei Jahre alten Roman aus Japan, der aber wohl nicht so gut lesbar ist."

KI - eine günstige Ressource

Also: Fiktionale Texte sind noch weitgehend verschont von Sprachrobotern. Nicht aber sogenannte Gebrauchstexte, wie zum Beispiel Katalogeinträge, auch Wetterberichte. Trotzdem spielt künstliche Intelligenz bei der Erzeugung von Texten eine wichtige Rolle. Für die Verlage ist das eine Ressource, die relativ günstig verfügbar wäre. Stellt sich die Grundsatzfrage: Wie kann künstliche Intelligenz im literarischen Bereich produktiv genutzt werden? Holger Volland ist da keineswegs ein Schwarzmaler: "Am spannendsten wird aber sicherlich der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Bewertung und Beurteilung von menschlichen Texten sein. Damit zum Beispiel eine KI Ihnen Bücher empfehlen kann, die Sie mögen anhand der anderen Bücher, die Sie gelesen haben. Nicht nur anhand des Titels und des Genres, sondern anhand des Schreibstils oder anderer wirklich sehr intimer Dinge."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 10.10.2018 | 19:00 Uhr

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