Stand: 08.12.2018 12:00 Uhr

Dörte Hansen: Vom Alten Land an die Waterkant

von Lornz Lorenzen

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Sie ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen bundesweit: Dörte Hansen aus Nordfriesland.

Wenn sie auf ihrem Fahrrad bei Wind und Wetter, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, nach Husum (Kreis Nordfriesland) düst, erkennen wohl nur die Wenigsten, dass da eine von Deutschlands bekanntesten Buchautorinnen vorbeiradelt. Zum zweiten Mal hat Dörte Hansen es ganz nach oben auf die Bestsellerliste geschafft: Wieder überhäufen Kritiker und Leser sie quer durch alle Medien mit großem Lob. Allein ihr Erstlingswerk "Altes Land" ging mehr als 500.000 Mal über den Büchertresen. Mittlerweile gibt es in einer Husumer Buchhandlung sogar Kaffeebecher mit dem Titel ihres neuen Romans zu kaufen. "Mittagsstunde" steht da drauf, passt ja auch irgendwie zu den Gepflogenheiten Kaffee und Kuchen am Nachmittag.

Die bescheidene Nordfriesin

Angesprochen auf den Status als Bestsellerautorin, reagiert die sympathische Nordfriesin mit dem blonden Kurzhaarschnitt jedoch zurückhaltend. Jeglicher Hype um ihre Person scheint ihr unangenehm zu sein. Andererseits bringt die Bekanntheit natürlich auch Vorteile mit sich. So ermöglichte ihr der Erfolg des ersten Romans, ein eigenes kleines Büro über den Dächern Husums einzurichten, erzählt sie. Hier trifft sie sich mit Journalisten, hier findet sie Ruhe, um zu schreiben.

Dörte Hansen, Autorin des Buchs "Mittagsstunde" in Husum am Hafen © NDR Foto: Lornz Lorenzen

Klönschnack mit Dörte Hansen

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Reporter Lornz Lorenzen hat Bestsellerautorin Dörte Hansen in ihrem Büro in Husum besucht. Dort erzählt sie, worum es in ihrem neuen Buch geht und warum ihr Plattdeutsch am Herzen liegt.

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Büro mit Hafenblick

Wir treffen uns bei Dörte Hansen in dem schick renovierten Altbau unterm Dach. Blickt sie nach vorn, sieht sie den wunderschönen Husumer Hafen. Blickt sie nach hinten, lässt sich das alte Kaufmannshaus erahnen, in dem der große Schriftsteller Theodor Storm einst lebte, schrieb und dichtete. Literatur spielte im Leben von Dörte Hansen schon von Anfang an eine große Rolle. Lesehungrig war die Handwerkertochter schon als Kind. Noch heute schwärmt die 54-Jährige vom Bücherbus, der übers Land fuhr, direkt neben dem Haus ihrer Eltern im kleinen nordfriesischen Högel hielt und das aufgeweckte Mädchen mit immer neuem Lesestoff versorgte.

Vom Land in die Stadt - von der Stadt aufs Land

Schriftstellerin Dörte Hansen im Alten Land © dpa - Bildfunk Foto: Axel Heimken

Platt ernst nehmen mit Dörte Hansen

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Plattdeutsch zu sprechen, war in den 60er- und 70er-Jahren verpönt. Sie selbst hatte Glück, erzählt Bestsellerautorin Dörte Hansen. Sie schnackt mit ihrer Familie bis heute ausschließlich Plattdeutsch.

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Zu Hause wurde nur Platt gesprochen. Hochdeutsch war ihre erste Fremdsprache, erzählt sie gern. Abitur in Husum. Dann das Studium in Kiel und Hamburg, das sie mit einer Doktorarbeit im Bereich Linguistik krönte. Dann freie Autorin. Später Redakteurin beim NDR in Hamburg. Nebenbei verfasst sie auch Plattdeutsche Geschichten für die "Hör mal'n beten to"-Redaktion beim NDR in Kiel. Geschichten, in den schon damals ihr großes Talent zu erkennen war. Geschichten, die heute als literarische "Evergreens" gelten, die man immer wieder senden kann. Geschichten, in denen Hörer und Leser einen überaus feinen Humor spüren können, der sie als Autorin ausmacht, der sich mit einer ebenso feinen Beobachtungsgabe paart. So nahm sie bei "Hör mal'n beten to" den alljährlichen "Kürbisterror" auf den Kieker, kämpfte gegen "Unkruut" im Garten, amüsierte sich über ausufernde "Tupperparties" und nicht zuletzt über "dösige Touristen".

Geschichten brauchen Zeit

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"Hör mal'n beten to"-Kollegen: Dörte Hansen und NDR Redakteur Lornz Lorenzen.

Dörte Hansen wohnte zu NDR Zeiten im Szenestadtteil Hamburg-Ottensen. Als junge Mutter belauschte sie Gespräche auf dem Kinderspielplatz, dann zog sie mit Mann und Tochter ins Alte Land und nahm das alltägliche Leben der Menschen dort genau unter die Lupe. Heraus kam "Altes Land", der Überraschungserfolg des Buch-Jahres 2015. Um ihrer Familie näher zu sein, packte sie wieder die Koffer und zog in die Nähe der grauen Stadt am Meer zurück, ihrer Geburtsstadt. Hier in Husum ist sie, ergänzt sie, ihrem Ursprung näher.

In ihrem Heimatdorf rief man sie übrigens nicht Dörte Hansen, sondern Dörte "Schlosser", nach dem Beruf ihres Vaters. In der 460-Einwohner-Gemeinde erlebte sie selbst ganz nah mit, wie sich das Leben in seinen dörflichen und bäuerlichen Strukturen immer mehr veränderte. Doch da war die Idee zum heutigen Erfolgsbuch "Mittagsstunde", in dem es um genau diesen Prozess ging, noch nicht geboren. Da kam ihr "Altes Land" dazwischen und es dauerte dann noch einmal dreieinhalb Jahre, bis ihre Erfolgsgeschichte eine Fortsetzung fand. Dörte Hansen hat nun bewiesen, dass sie keine literarische "Eintagsfliege" ist. Sie hat wieder den richtigen Riecher gehabt, indem sie die teils schrulligen aber allesamt liebenswerten Bewohnern des fiktiven nordfriesischen Dorfes Brinkebüll mit allen ihren allzu menschlichen Macken in den Mittelpunkt rückte.

Was kommt nach "Mittagstunde"?

Nach ihrem ersten Werk war Dörte Hansen noch unsicher, ob sie sich selbst als "Schriftstellerin" bezeichnen würde. Das sei nun nicht mehr der Fall, sagt sie und schenkt ihrem Gast zum Ende des Interviews unterm Dach noch einen Kaffee ein.

Weitere Informationen

NDR Buch des Monats: "Mittagsstunde"

Ihr Roman "Altes Land" war Jahresbestseller 2015. Nun erscheint Dörte Hansens neues Buch "Mittagsstunde" - das NDR Buch des Monats. Schauplatz ist der fiktive friesische Ort Brinkebüll. mehr

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Hör mal 'n beten to - Die Übersicht

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Unsere plattdeutsche Sendereihe - Montag bis Sonnabend zwischen 10 und 12 Uhr und abends nochmal in der Sendung "Von Binnenland und Waterkant" zwischen 20 und 22 Uhr. mehr

Die besten Geschichten zur Mittagsstunde

Entdeckungstouren, Langeweile und Eieruhren: Was verbinden Sie mit der Mittagsstunde? Sie haben uns Ihre Geschichten geschickt - hier sind die drei besten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 24.10.2018 | 20:05 Uhr