Stand: 11.12.2018 15:52 Uhr

1938: Nazis eröffnen das KZ Neuengamme

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In diesem Klinkerwerk musste ein Teil der Häftlinge Zwangsarbeit verrichten.

Ende 1938 zunächst als Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen (Brandenburg) angelegt, wurde das KZ Neuengamme 1940 zu einem eigenständigen Lager. Mit 86 Außenstellen war es das größte in Nordwestdeutschland. So mussten Gefangene in Bremen und Wilhelmshaven für die Kriegsmarine Schiffe bauen. Auf dem Lagergelände selbst schufteten viele Häftlinge in der Klinkerproduktion Klinkerwerk. Andere mussten in der Innenstadt Trümmer von Bombenschäden wegräumen oder Panzerschutzgräben bauen.

Schwarz-weiß Foto von Häftlingen während der Zwangsarbeit.

1938 wurde das KZ Neuengamme errichtet

Hamburg Journal -

Im Herbst 1938 entstand im Südosten Hamburgs das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands. Fast die Hälfte der mehr als 100.000 Häftlinge überlebte die Zeit dort nicht.

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Mörderischer Einsatz an der Dove-Elbe

Die geringsten Überlebenschancen hatten Gefangene, die im sogenannten Kommando Elbe eingesetzt wurden. Um die Dove-Elbe schiffbar zu machen, mussten sie das Gewässer ausheben und einen Stichkanal zum Lager bauen. Ab 1941 kam die Mehrheit der Häftlinge aus den besetzten Ländern. Zunächst bildeten die polnischen, ab 1942 die sowjetischen Häftlinge die größte Gruppe. Mehr als die Hälfte der Gefangenen kam aus Osteuropa, große Gruppen aber auch aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Dänemark.

Im April 1945 räumte die SS das Lager in Neuengamme

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Die Briten finden das Lager leer vor

Um die Spuren der Gewalt zu verwischen, lässt die SS das KZ Hamburg-Neuengamme im April 1945 komplett räumen. mehr

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges begannen die Nazis, das Lager in Neuengamme zu räumen und die Spuren der NS-Verbrechen zu vertuschen. Die Häftlinge schickten sie teils auf Todesmärsche, teils wurden sie nach Neustadt in Holstein auf Schiffe gebracht. Am 2. Mai 1945 verließen die letzten Häftlinge und SS-Leute das Lager. Als britische Soldaten am 4. Mai das Gelände des KZ Neuengamme betraten, fanden sie es leer vor. Nur einen Tag davor, am 3. Mai 1945, starben rund 7.000 KZ-Häftlinge auf den Schiffen "Cap Arcona" und "Thielbek" in der Neustädter Bucht nach britischen Bombardements. Sie wurden Opfer eines tragischen Irrtums: Die Briten hatten auf den Schiffen deutsche Truppenverbände vermutet.

Ein Teil der Verantwortlichen des KZ Neuengamme musste sich 1946 vor einem britischen Militärgericht verantworten. Beim sogenannten Curiohaus-Prozess, der am 18. März 1946 in Hamburg begann, waren 14 SS-Männer angeklagt. Gegen elf von ihnen verhängte das Gericht die Todesstrafe. Die übrigen drei Verurteilten erhielten Gefängnisstrafen.

Langer Weg zur Gedenkstätte

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04:55
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Neuengamme gestern und heute

Hamburg Journal

Es dauerte viele Jahre , bis im ehemaligen KZ Neuengamme eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. Video (04:55 min)

Weil die Nazis das Lager noch geräumt hatten, gingen aus Neuengamme keine Gräuelbilder von ausgemergelten Gefangenen um die Welt. Der Name Neuengamme wurde so - anders als etwa Bergen-Belsen - international nicht zum Inbegriff des Nazi-Terrors. Nach Kriegsende internierten die Briten SS-Angehörige und deutsche Kriegsgefangene in dem intakt vorgefundenen Lager. Ab 1948 übergaben die Briten das Lager an die Stadt Hamburg, die auf dem Gelände eine Haftanstalt einrichtete. Die Erinnerungen an das KZ wurden verdrängt.

Statt eine Gedenkstätte zu errichten, riss die Stadt Hamburg immer mehr Zeugnisse des Schreckens wie Wachtürme, Zäune und das frühere Krematorium ab. Nach jahrelangen Diskussionen wurde das Gelände schließlich ab 2003 zur Gedenkstätte umgebaut und die Nachkriegsbauten abgetragen.

Drei weitere Erinnerungsstätten

KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Jean-Dolidier-Weg 75
21039 Hamburg

Öffnungszeiten der Ausstellungen
Mo - Fr 9.30 - 16 Uhr
Sa, So und an Feiertagen:
Oktober bis März 12-17 Uhr
April bis September 12-19 Uhr

Eintritt frei
Das Gelände ist auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich.

Anfahrt
S-Bahnhof Bergedorf (S2/S21), dann Bus 227 oder 327.
Mit dem Auto über A 25, Ausfahrt Curslack. Die Gedenkstätte ist ausgeschildert.

Weitere Informationen auf der Website der Gedenkstätte

Neben der zentralen Gedenkstätte in Neuengamme erinnern drei weitere in ehemaligen Außenstellen am Bullenhuser Damm, in Fuhlsbüttel und in Poppenbüttel an Opfer des NS-Regimes. Die Schule am Bullenhuser Damm ist ein Ort mit besonders tragischer Geschichte: Am 20. April 1945 erhängten SS-Leute 20 jüdische Kinder, an denen medizinische Experimente vorgenommen worden waren, in den Kellerräumen der Schule. Im ehemaligen Torhaus der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel können sich Besucher in einer Ausstellung über das Schicksal der Häftlinge des KZ und Gestapo-Gefängnisses informieren. Mehr als 250 Menschen kamen dort zwischen 1933 und 1945 zu Tode. Die Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel dokumentiert die Zerstörung jüdischen Lebens in der Hansestadt und die Verfolgung von Frauen im Nationalsozialismus.

Weitere Informationen

Die NS-Zeit: Krieg und Terror

1933 wird der Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Fortan setzt das NS-Regime seinen absoluten Führungsanspruch durch - mithilfe von Terror und Propaganda. mehr

Karte: Gedenkstätten des KZ Neuengamme

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 09.12.2018 | 19:30 Uhr

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