Alltagsszene auf dem Berliner Platz im Schweriner Plattenbauviertels Großer Dreesch © Konrad Biallas Foto: Konrad Biallas

Einst "Perle", heute Brennpunkt: 50 Jahre Großer Dreesch

Stand: 11.11.2021 12:45 Uhr

Am 11. November 1971 wurde auf einem Feld bei Schwerin der Grundstein gelegt - bis in die 1980er-Jahre entstanden auf dem Großen Dreesch Wohnungen für rund 60.000 Menschen. Ein Gedenkstein erinnert nun an den historischen Städtebau.

Ein Gedenkstein für den historischen Städtebau

Ab 1971 entstanden auf der grünen Wiese am Stadtrand Wohnungen für rund 60.000 Menschen - per Ministerratsbeschluss sollte die verschlafene Residenzstadt Schwerin Industriestandort werden. Die Entwicklung der letzten 50 Jahre sei zweigeteilt, sagte Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) bei der Enthüllung des Gedenksteins. 25 Jahre wuchsen die drei Stadtteile im Süden Schwerins, dann zogen 25 Jahre lang die Menschen weg. Heute heißen die drei Stadtteile Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz. Statt damals 60.000 Menschen leben heute nur noch rund 20.000 Menschen in den Plattenbaugebieten.

Soziale Entmischung nirgends größer als in Schwerin

In den Plattenbausiedlungen leben heute auch viele Menschen mit eher niedrigem Einkommen. Im vergangenen Jahr kam eine Studie im Auftrag des Infrastrukturministeriums zu dem Schluss, dass die Einwohner Schwerins bundesweit am stärksten nach Einkommen und sozialen Status getrennt voneinander leben.

Badenschier: Trend umdrehen

In den vergangenen Jahren sei versucht worden, die Entwicklung umzudrehen sagte Badenschier. Die Agentur für Arbeit und die Berufsschule für Gesundheit und Soziales sollen die Stadtteile neu beleben, Stück für Stück werden alte Blöcke saniert, leerstehende Gebäude abgerissen. Auf den entstehenden Flächen soll teilweise neuer und attraktiverer Wohnraum gebaut werden. Den ehemaligen Dreesch lebenswerter zu machen sei die Herausforderung für die kommenden 25 Jahre, so Badenschier weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.11.2021 | 14:00 Uhr

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