In der Außenweser steht der Leuchtturm Roter Sand. © dpa Foto: picture alliance/Sina Schuldt/dpa

Leuchtturm Roter Sand: Bollwerk in rauer See

Stand: 12.09.2021 05:00 Uhr

Seit 1885 trotzt der Leuchtturm Roter Sand zwischen Bremerhaven und Helgoland den Wellen der Nordsee. 1987 wurde das markante Seezeichen das erste offizielles Objekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Das Feuer des Leuchtturms Roter Sand in der Nordsee, nordöstlich von Wangerooge, auf halbem Weg zwischen Bremerhaven und Helgoland, strahlte erstmals am 1. November 1885 und leitete seitdem Tausende Schiffe an die Küste. Obwohl eine ganze Kette von Seezeichen die Untiefen der Deutschen Bucht markieren, ist kein anderes so bekannt geworden wie dieser Leuchtturm - ein Denkmal und Symbol für die Schifffahrt.

Ingenieurskunst der Extra-Klasse 

Spitze des Leuchtturms "Roter Sand" in der Nordsee © dpa - Report Foto: Ingo Wagner
Der Leuchtturm Roter Sand in der Nordsee war das erste Offshore-Bauwerk weltweit.

Der Turm gilt als erstes Offshore-Bauwerk der Welt. Ihn zu konstruieren, bedeutete im 19. Jahrhundert eine außerordentliche technologische Herausforderung. Das Fundament entstand mit der gleichen Technik, die noch heute für moderne Windkraftanlagen auf hoher See angewendet wird. Die Ingenieure ließen am Festland einen runden Kasten mit fast 30 Metern Durchmesser bauen. Diesen versenkten sie auf hoher See und füllten ihn mit mehr als 300 Kubikmeter Beton auf. Heute sichert eine Stahlmanschette dieses Fundament. Seinen Namen erhielt der Leuchtturm von einer mit rotem Muschelkalk besetzten Sandbank, auf der er steht.

Roter Sand als Wahrzeichen von Abschied und Heimat

Zunächst war das Leuchtfeuer vom Leuchttum Roter Sand eine Petroleumleuchte, später wurde es mit Gas betrieben und nach dem Zweiten Weltkrieg elektrifiziert. Das Hauptfeuer, das die Ein- und Ausfahrt in die Weser markierte, war etwa zehn Seemeilen weit zu sehen. © NDR/Radio Bremen/Werner Deich
Zunächst war das Leuchtfeuer eine Petroleumleuchte, später wurde es mit Gas betrieben und nach dem Zweiten Weltkrieg elektrifiziert.

Für Millionen Auswanderer, die die Alte Welt über Bremerhaven verließen, war der Leuchtturm Roter Sand ein letztes Lebewohl der Heimat - für Millionen Seeleute, die von großer Fahrt auf den Weltmeeren nach Hause kamen, der erste Willkommensgruß. Daher hat der markante Turm für viele Menschen als Wahrzeichen von Abschied und Heimkehr einen ähnlich emotionalen Symbolwert wie zum Beispiel die Freiheitsstatue von New York.

Vom drohenden Ende zum Nationaldenkmal auf hoher See

1964 drohte dem Turm das Ende: Als der Neubau "Alte Weser" wenige Seemeilen weiter seine maritimen Aufgaben übernahm, wurde der Leuchtturm Roter Sand außer Dienst gestellt. In den folgenden Jahrzehnten wollten Behörden und Politiker ihn abreißen, sprengen oder einfach in der Nordsee verrotten lassen. Die 1983 gegründete Bürgerinitiative "Rettet den Leuchtturm Roter Sand" setzte sich jedoch erfolgreich für den Erhalt des 52 Meter hohen Stahlturms mit den drei charakteristischen Erkern ein. So wurde Roter Sand 1987 erstes offizielles Objekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Deren Gründer Gottfried Kiesow bezeichnete den Leuchtturm einst als Nationaldenkmal und stellte ihn damit auf eine Stufe mit dem Brandenburger Tor oder dem Kölner Dom.

Nordsee-Denkmal Roter Sand soll saniert werden

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bietet im Sommer einige Fahrten mit einem ehemaligen Tonnenleger zum Roten Sand an. Er erreicht sein Ziel ab Bremerhaven in rund 2,5 Stunden. Die Stiftung plant außerdem die Sanierung des Wahrzeichens und erarbeitet ein Konzept zum langfristigen Erhalt des Bauwerks.

Karte: Leuchtturm Roter Sand

 

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Blick auf den Leuchtturm List Ost auf Sylt, die Dünen und das Meer. © fotolia.com Foto: rpeters86

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