Stand: 03.12.2013 09:49 Uhr  | Archiv

Durch Protest ans Ziel: 40 Jahre Uni Oldenburg

Ein Jahr lang soll an der Universität Oldenburg gefeiert werden - der 40. Geburtstag einer Hochschule, die in ihrer heutigen Form nur durch viele Protestaktionen der Vergangenheit besteht. Das Motto des Jubiläumsjahrs: "40 Jahre offen für neue Wege". Schon in den 60er-Jahren gibt es Bemühungen im Nordwesten Niedersachsens, vor allem in Oldenburg und Osnabrück, Universitäten ins Leben zu rufen. Mit dem Erlass der Landesregierung vom 1. März 1971 wird der Gründungsausschuss für die Errichtung einer Oldenburger Universität eingesetzt. Die Gründung, an der vor allem Ehrenamtliche beteiligt sind, nimmt drei Jahre in Anspruch.

Proteste verhindern schmerzhafte Sparmaßnahmen

Die Aufgaben sind enorm: Studiengänge müssen entwickelt und aufgebaut, Verwaltung, Technik, Labore, Bibliothek und mehr müssen geplant und errichtet werden. 15 Mitglieder, allesamt männlich, umfasst der Gründungsausschuss 1971. Erst zwei Jahre später werden auch zwei Frauen in das Gremium gewählt. Dessen Arbeit gestaltet sich schwierig - nicht zuletzt durch Kürzungsbeschlüsse der Landesregierung: Zugesagte Stellen werden gestrichen, Baumaßnahmen verschoben. Nach massiven Protesten werden die Einsparungen zurückgenommen.

Mit dem Fahrrad für den Ausbau

1973 wird der erste Übergangsdirektor eingesetzt, erster Kanzler wird Jürgen Lüthje. Am 5. Dezember wird die Universität dann offiziell gegründet. Rektor Rainer Krüger muss schon drei Jahre später verkünden, dass es für die Universität Oldenburg keine Neubauten geben wird. Bibliothek, Mensa und Sportanlagen stehen zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Universität leistet Widerstand: Mehr als 1.600 Studierende und Lehrende fahren mit dem Fahrrad nach Hannover, um vier Tage lang gegen den Ausbaustopp zu protestieren. Sie demonstrieren vor dem Landtag. Erst 1980 wird mit dem Bau des Zentralbereichs am Uhlhornsweg begonnen.

Porträt
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Streit um einen Namen

Massiven Ärger gibt es auch bei der Namensgebung der Universität. Der Name des Widerstandskämpfers Carl von Ossietzky hat viele Fürsprecher, doch die Landesregierung lehnt ihn ab. Ein monatelanges Hin und Her samt Anbringen und Entfernen des Schriftzugs beginnt, begleitet von massiven Protesten mit Polizeieinsatz. Der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) entschuldigt sich später bei der Tochter des Namensgebers. Die Universität heißt fortan Carl von Ossietzky Universität.

Heute: 95 Studiengänge

Die Zahl der Studiengänge und Studenten steigt. Startete der Betrieb im April 1974 noch mit 2.507 Studenten, sind heute rund 12.700 Männer und Frauen in 95 Studiengängen an der Universität eingeschrieben.

Das Hörsaalzentrum der Carl von Ossietzky Univeristät Oldenburg. © Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Heute bietet die Uni Oldenburg 95 Studiengänge an. (Archivbild)

Die Forschungsschwerpunkte liegen in der Informatik, der Akustik und in regenerativen Energiequellen. Seit dem Wintersemester 2012/2013 bietet die Universität Oldenburg auch erstmals ein Studium der Humanmedizin an. Die European Medical School arbeitet eng mit der Rijksuniversiteit im niederländischen Groningen zusammen. In zwölf Semestern soll hier der Abschluss eines Staatsexamens erreicht werden. Der niederländische Master of Science berechtigt zur Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit in allen Staaten der Europäischen Union.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 02.12.2013 | 17:00 Uhr

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