Historischer Holzschnitt mit Badekarren © Tourismus Marketing Service Büsum GmbH / Amtsarchiv Büsum

Wie Büsum zum Seebad wurde

Stand: 19.04.2022 11:35 Uhr

Seit 1. Juli 1837 ist Büsum offiziell Nordseebad, doch seine Geschichte ist viel älter. Einst war der heutige Ferienort eine Insel - und gewährte sogar einem Seeräuber Unterschlupf.

Ein lebendiger Hafen, ein Grün- und ein Sandstrand, seichtes Nordseewasser - und das alles bequem erreichbar per Bahn und Auto. Büsum gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen an der schleswig-holsteinischen Nordsee. Kaum vorstellbar, dass das Seebad einst nicht auf dem Festland lag, sondern eine Insel vor Dithmarschen war.

Sturmfluten im 14., 15. und 16. Jahrhundert veränderten den Ort für immer: Im Süden spülten die Fluten Inselland fort, im Norden dagegen schwemmten sie Schlick an. Auf diese Weise näherte sich die Insel Büsum dem Festland so weit an, dass es 1585 gelang, einen Damm dorthin zu bauen. Durch Eindeichungen in der Folgezeit verlor Büsum endgültig seinen Inselcharakter.

Ein Pirat schenkt Büsum ein Taufbecken

Aus der Zeit, in der Büsum noch eine Insel war, stammt die kleine Fischerkirche, die nach dem Schutzheiligen der Schiffer, Fischer und Küstenbewohner, dem heiligen Clemens, benannt ist. Die weiß gestrichene Kirche mit ihrem Dachreiter wurde 1552 erbaut. Das bronzene Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert soll der Seeräuber Cord Widderich im 15. Jahrhundert von der Insel Pellworm geraubt und den Büsumern geschenkt haben - als Dank dafür, dass die Bewohner ihm Unterschlupf gewährt hatten.

1818: Erste Badekarren im Fischerdorf

Über Jahrhunderte lebten die Büsumer hauptsächlich vom Fischfang und der Landwirtschaft. Im 19. Jahrhundert kam der Fremdenverkehr als neue Einnahmequelle hinzu: Der seichte Nordseestrand zog immer mehr Besucher an. Ab 1818 ließen die Büsumer erste Badekarren aufstellen. Später ersetzten sie die Karren durch stabilere Badehäuschen, die weniger flutgefährdet waren. Der Nordseetourismus kam in Schwung. Am 1. Juli 1837 erschien erstmals ein Bericht in der "Dithmarsischen Zeitung", der Büsum als Seebad würdigte. Dieses Datum gilt heute als Gründungsjahr des Seebades.

Büsum: Vom Seebad zum Heilbad

Die Eisenbahn kommt nach Büsum

Die Anreise war damals noch alles andere als bequem. Mit der Kutsche dauerte sie von Hamburg aus drei Tage. Im Jahr 1883 erhielt Büsum, als erstes Seebad Deutschlands, eine Bahnstation - ein gewaltiger Schritt für den Ferienort: Mit der verbesserten Verkehrsanbindung des Ortes nahm die Bedeutung des Fremdenverkehrs für Büsum stark zu. 1890 erschien ein erster Werbeprospekt für das Seebad, 1896 begann Büsum damit, eine Kurtaxe zu erheben. Ende des 19. Jahrhunderts zählte der Ort bereits 8.500 Übernachtungen pro Jahr. Zugleich boomte die Krabbenfischerei: Ab 1890 siedelte sich eine große Krabbenkutterflotte an. Büsumer Krabben wurden zum Markenzeichen.

Baden, Watt wandern, promenieren

Bis heute prägen die Krabbenkutter - neben Seenotkreuzern, Museums- und Ausflugsschiffen - das Hafenbild. Krabbenbrötchen essen, Wattwandern und Baden in der seichten Nordsee - diese Mischung zieht heute jedes Jahr Hunderttausende Gäste an. An die Zeit, als Büsum Piraten bei sich aufnahm, erinnert heute allerdings kaum noch etwas.

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Unsere Geschichte | 28.05.2022 | 12:00 Uhr

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