Stand: 03.08.2020 10:11 Uhr

Wie Büsum zum Seebad wurde

Historischer Holzschnitt mit Badekarren © Tourismus Marketing Service Büsum GmbH / Amtsarchiv Büsum
Bereits seit 1837 ist Büsum ein Seebad, doch schon davor zog es Gäste per Badekarren ins kalte Nass der Nordsee - wie hier auf einem Holzschnitt von 1818.

Ein lebendiger Hafen, ein Grün- und ein Sandstrand, seichtes Nordseewasser - und das alles bequem erreichbar per Bahn und Auto. Büsum gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen an der schleswig-holsteinischen Nordsee. Kaum vorstellbar, dass das Seebad einst nicht auf dem Festland lag, sondern eine Insel vor Dithmarschen war.

Sturmfluten im 14., 15. und 16. Jahrhundert veränderten den Ort für immer: Im Süden spülten die Fluten Inselland fort, im Norden dagegen schwemmten sie Schlick an. Auf diese Weise näherte sich die Insel Büsum dem Festland so weit an, dass es 1585 gelang, einen Damm dorthin zu bauen. Durch Eindeichungen in der Folgezeit verlor Büsum endgültig seinen Inselcharakter.

Ein Pirat schenkt Büsum ein Taufbecken

Aus der Zeit, in der Büsum noch eine Insel war, stammt die kleine Fischerkirche, die nach dem Schutzheiligen der Schiffer, Fischer und Küstenbewohner, dem heiligen Clemens, benannt ist. Die weiß gestrichene Kirche mit ihrem Dachreiter wurde 1552 erbaut. Das bronzene Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert soll der Seeräuber Cord Widderich im 15. Jahrhundert von der Insel Pellworm geraubt und den Büsumern geschenkt haben - als Dank dafür, dass die Bewohner ihm Unterschlupf gewährt hatten.

1818: Erste Badekarren im Fischerdorf

Vom Seebad zum Heilbad

1837 wurde Büsum zum Nordseebad, 1949 zum Nordseeheilbad.
Für die Titel gelten besondere Auflagen: So muss ein Seebad nicht nur am Meer oder in unmittelbarer Meeresnähe liegen, sondern auch eine gute Luft- und Badewasserqualität sowie mindestens einen Kurarzt und eine touristische Infrastruktur vorweisen können.
Noch strenger sind die Vorgaben für die Vergabe des Titels Seeheilbad. An diesen Orten müssen auch Heilmittel wie Meersalz oder Meeresschlick vorhanden sein.
Seebäder gibt es in Deutschland sowohl an der Ost- als auch an der Nordsee.

Über Jahrhunderte lebten die Büsumer hauptsächlich vom Fischfang und der Landwirtschaft. Im 19. Jahrhundert kam der Fremdenverkehr als neue Einnahmequelle hinzu: Der seichte Nordseestrand zog immer mehr Besucher an. Ab 1818 ließen die Büsumer erste Badekarren aufstellen. Später ersetzten sie die Karren durch stabilere Badehäuschen, die weniger flutgefährdet waren. Der Nordseetourismus kam in Schwung. Am 1. Juli 1837 erschien erstmals ein Bericht in der "Dithmarsischen Zeitung", der Büsum als Seebad würdigte. Dieses Datum gilt heute als Gründungsjahr des Seebades.

Die Eisenbahn kommt

Die Anreise war damals noch alles andere als bequem. Mit der Kutsche dauerte sie von Hamburg aus drei Tage. Im Jahr 1883 erhielt Büsum, als erstes Seebad Deutschlands, eine Bahnstation - ein gewaltiger Schritt für den Ferienort: Mit der verbesserten Verkehrsanbindung des Ortes nahm die Bedeutung des Fremdenverkehrs für Büsum stark zu. 1890 erschien ein erster Werbeprospekt für das Seebad, 1896 begann Büsum damit, eine Kurtaxe zu erheben. Ende des 19. Jahrhunderts zählte der Ort bereits 8.500 Übernachtungen pro Jahr. Zugleich boomte die Krabbenfischerei: Ab 1890 siedelte sich eine große Krabbenkutterflotte an. Büsumer Krabben wurden zum Markenzeichen.

Baden, Watt wandern, promenieren

Einige Strandkörbe stehen an der Promenade in Büsum. © NDR Foto: Katharina Kücke
Seit 1837 ist Büsum ein Nordseebad. Bis heute lockt der Ferienort jedes Jahr Hunderttausende Gäste an.

Bis heute prägen die Krabbenkutter - neben Seenotkreuzern, Museums- und Ausflugsschiffen - das Hafenbild. Krabbenbrötchen essen, Wattwandern und Baden in der seichten Nordsee - diese Mischung zieht heute jedes Jahr Hunderttausende Gäste an. An die Zeit, als Büsum Piraten bei sich aufnahm, erinnert heute höchstens noch der Name "Piraten Meer" des Erlebnisbades am Hauptstrand.

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Blick auf den Grünstrand mit Strandkörben in Büsum. © imago images/Jan Eifert

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Dieses Thema im Programm:

Unsere Geschichte | 08.08.2020 | 12:00 Uhr

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