Stand: 31.05.2016 11:29 Uhr  | Archiv

Gorch Fock - der Dichter der See

von Martina Bittermann
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Der Schriftsteller Johann Wilhelm Kinau, bekannt als Gorch Fock, kurz vor seinem Tod. Er starb an Bord der S.M.S. Wiesbaden.

Kaum ein Name ist so verbunden mit der Liebe zur Seefahrt und der Sehnsucht nach der Weite des Meeres wie Gorch Fock. Die meisten erinnert der Name vor allem an das Segelschulschiff. Die wenigsten aber kennen den Dichter Gorch Fock, der mit bürgerlichem Namen Johann Wilhelm Kinau hieß - geboren 1880 auf der Elbinsel Finkenwerder. Am 31. Mai 1916 starb er.

Zu seekrank für die See

Schon als Junge steht der Fischerssohn auf dem Deich und schaut voller Wehmut den Kuttern und Ewern nach, wenn sie auslaufen in Richtung Nordsee. Nach seiner Schulzeit wäre er gern Seemann geworden, aber für diesen Beruf war er zu schwächlich, und er wurde schnell seekrank. Das war eine schwere Enttäuschung für den 12-Jährigen.

Trotzdem bleibt Johann Wilhelm Kinau sein ganzes Leben lang dem Meer verbunden - am Schreibtisch. Tagsüber arbeitet er als Angestellter bei der Reederei Hapag an der Elbe und nachts als Gorch Fock beim Erdichten von Geschichten. In sein Tagebuch notiert er: "Ein Buch möchte ich schreiben für die Stillen im Lande. Ein köstliches Buch, das sie mit stiller Freude läsen. Vieles davon steht mir klar vor Augen, klarer und schöner, als mir je etwas vor Augen gestanden hat. In rücksichtsloser Schönheit soll Finkenwerder erscheinen."

Texte auf Hoch- und Plattdeutsch

Gorch Fock schreibt über seine Heimat Finkenwerder, die heute ein Stadtteil von Hamburg ist. Über die Seefahrt und das Leben der Fischer. Er schreibt Gedichte, Romane, Theaterstücke, auf Hoch- und auf Plattdeutsch.

Im Jahre 1913 landet Gorch Fock einen Bestseller: Sein Roman "Seefahrt ist not!" wird in viele Sprachen übersetzt und ist Pflichtlektüre in den Schulen. Zur Nazi-Zeit wird das Buch neu aufgelegt und als Propagandainstrument missbraucht. Dabei sind es seine zutiefst eigenen Wünsche, die Gorch Fock bewegen, wenn er seinen Helden Klaus Mewes die wildesten Abenteuer bestehen lässt.

"An Land ist er ein Kind, das gern mit Kindern spielt. Auf See aber ein verwegener Draufgänger, der sich vor keinem Wind verkriecht und lieber ein Segel in die See gehen lässt als dass er ein Reff einsteckt. Die Furcht, die schon der Junge nicht kannte, hat auch an der Seele des Mannes keinen Raum." aus "Seefahrt ist not!" von Gorch Fock

Ein Traum erfüllt sich - nur kurz

Im Jahre 1916, im Ersten Weltkrieg, erfüllt sich für Gorch Fock der Wunsch seines Lebens. Er darf zur See fahren. Auf der "SMS Wiesbaden" wird er Ausguck auf dem ersten Mast - nur für einen Monat. Am 30. Mai gerät das Schiff in das Artilleriefeuer britischer Schlachtschiffe und sinkt einen Tag später. Gorch Fock wird 36 Jahre alt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburger Hafenkonzert | 15.05.2016 | 06:00 Uhr

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