Stand: 18.08.2014 10:25 Uhr Archiv

NS-Zwangsarbeit in Rüstungsfirma der Welfen

Was sagen die Welfen zu den Orten des Grauens?

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Heinrich Prinz von Hannover hat dem NDR im Mai 2014 ein Interview gegeben.

Wissen die heutigen Welfen, was ihr Großvater in den unterirdischen Produktionsanlagen tat? Herzog Ernst August, das aktuelle Oberhaupt der Welfen, hat ein Interview mit dem NDR abgelehnt. Heinrich von Hannover hat sich jedoch vor der Kamera zur Verfügung gestellt. Der Bruder Ernst Augusts ist jedoch nicht der offizielle Sprecher der Welfen.

Zitat 1: "Gerade in der Endphase des Krieges war es so, dass man auf jeden Fall alle Mittel anwenden wollte, um die Niederlage zu verhindern", sagt Heinrich von Hannover im Interview mit dem NDR. "Da war die Moral weg und da hat man weggeguckt. Mein Großvater und mein Vater, die haben sicher diese Werke mal gesehen, aber die haben nicht gewusst, was genau da läuft. Dass da Zwangsarbeiter eingeliefert wurden, das kann sein - KZ-Mitglieder vermutlich auch. Ob sie das gewusst haben? Gehe ich mal von aus. Aber sie haben es gut geheißen. ... Ich weiß es gar nicht, ob sie es gut geheißen haben, aber ich vermute, hätte ich vielleicht auch in der damaligen Zeit, wo alles drunter und drüber ging, oder? Mein Vater war ja auch in Charkow, in der Ukraine, hatte einen Lungendurchschuss gehabt und hatte es ja miterlebt, diese ganze Schweinerei im Russland-Feldzug. Und die waren natürlich keine Nationalsozialisten, aber der Sieg, das stand oben auf." (Der Interview-Auszug als Video.)

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Die Korrespondenz mit dem Welfenhaus

Ein Interview mit dem Oberhaupt der Welfen für "Adel ohne Skrupel" ist nicht zustande gekommen. Wir dokumentieren hier die Korrespondenz zwischen den Autoren und dem Welfenhaus. mehr

Zitat 2: "Ich glaube schon, dass sie moralische Schuld hatten, inwieweit sie da in dem Betrieb Einblick hatten oder Entscheidungen, bin ich sicher, haben sie sicher nicht gehabt. Aber trotzdem ist das sicher, entschuldigt das sicher nichts. Mein Großvater hat sicher dort operative Geschäfte nicht getätigt und mein Vater auch nicht. Aber das entschuldigt nichts."

Aus der offiziellen Reaktion des Welfenhauses

Die Autoren haben dem Oberhaupt der Welfen, Ernst August Prinz von Hannover, eine Reihe von Fragen unter anderem zur "Arisierung" und zur Rüstungsfirma FMW geschickt. Sein Bevollmächtigter hat geantwortet, Ernst August habe "die geplante Aufarbeitung dieser Epoche krankheitsbedingt" nicht mehr umsetzen können. Für die wirtschaftlichen Belange ist jetzt sein 1983 geborener Sohn, Erbprinz Ernst August, zuständig. Dieser wolle und müsse, so das Schreiben der Welfen, "sich selbstverständlich auch dieses Themas annehmen". Da "zum jetzigen Zeitpunkt kein fundiertes Wissen über die Vorgänge dieser Zeit vorliegt, (...) sollte im Augenblick keine Stellungnahme (...) erfolgen." Auf unsere Anfrage hin kündigt Erbprinz Ernst August an, ein Historiker werde die Geschichte aufarbeiten. Das könne ein Jahr dauern.

Die Enkel des Herzogs tragen keine persönliche Schuld. Aber sie könnten helfen, die Vergangenheit aufzuklären. Doch sie tun es nicht.

Anmerkung der Redaktion (17.11.2016): Ernst August hat das Familienarchiv 2014 für Historiker geöffnet. Ein Zwischenbericht belegt nun die Verstrickungen seiner Vorfahren in der Nazi-Zeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Adel ohne Skrupel | 15.08.2015 | 12:50 Uhr

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