Sendedatum: 19.09.2010 18:45 Uhr  | Archiv

Der Schweinekrieg im Sachsenwald

Über den sogenannten Schweinekrieg haben sich Zeitgenossen schon damals lustig gemacht. Alles begann im Jahr 1420. Damals haben Lübecker und Hamburger Bürger Teile des Herzogtums Sachsen-Lauenburg von Erich V. erobert. So nahmen die Lübecker in einem Handstreich die Befestigungen Riepenburg und Kuddewörde ein. Letzteres wurde niedergebrannt. Als sich das Heer nach Ratzeburg wandte, der Residenz Erichs V., kapitulierte dieser und willigte in den Perleberger Friedensvertrag ein. Bergedorf, Riepenburg, Geesthacht, die Vierlande und Zollenspieker (ehemals Zollstätte zu Eßlingen) sowie der halbe Sachsenwald gingen an die Städte Hamburg und Lübeck.

Auszug aus der Urkunde aus dem Jahr 1420

Abtretungsurkunde von 1420
In der Abtretungsurkunde von 1420 wurde die Teilung des Sachsenwaldes von Herzog Erich V. besiegelt.

Wir Erich, Albrecht, Magnus, Bernhard und Otto, Brüder, von Gottes Gnaden Herzöge von Sachsen, Engern und Westfalen bekennen für uns und alle unsere Nachfolger, wegen der Schlösser Bergedorf und Riepenburg und dem Zoll von Eßlingen und der Fähre, die uns die Städte Lübeck und Hamburg in offener Fehde abgewonnen und eingenommen haben, dass sie diese behalten sollen in Befestigung und Besitzung, mit allem Zubehör, geistlich und weltlich, mit dem halben Wald, genannt Herzogswald und seinem Zubehör, und mit allen Rechten gebrauchen sollen, nichts ausgenommen. Doch haben wir die Jagd ausgenommen; die soll unser bleiben.

Nach der Urkunde war der Sachsenwald (Herzogswald) geteilt. Aber wem gehörte nun was? Die Herzöge zu Sachsen-Lauenburg hatten mal mehr und mal weniger Schwierigkeiten, die Ansprüche der Bürger Hamburgs und Lübecks anzuerkennen. Diese nutzten den Wald zum Holzschlag, was zur damaligen Zeit eine wichtige Einnahmequelle war, und zur Schweinemast. Damals war es üblich, Schweine oder auch Kühe in den Wald zu führen, um sie dort weiden zu lassen. Das Unterholz des Waldes war - mitsamt den Eicheln für die Schweine - wesentlich nahrhafter als das, was die Weideflächen damals hergaben.

 

Höhepunkt der Auseinandersetzungen

Es kam diverse Mal zu Auseinandersetzungen. Ein Höhepunkt war 1670/71, denn zu diesem Zeitpunkt hatte das Reichskammergericht in Speyer genau die Grenzen im Wald festgelegt. Der Herzog zu Sachsen-Lauenburg wollte das Urteil erst nicht anerkennen und auf die Hälfte des Sachsenwaldes verzichten. Also schickte er seine Soldaten in den Wald. Die vertrieben mit viel Lärm die Schweine. Nach einigen Angaben sollen die Soldaten sogar einige Schweine entführt haben.

Jetzt reichte es aber den Lübeckern und Hamburgern. Ihre Schweinehirten ließen sie daraufhin von Soldaten in den Wald eskortieren. Auf eine wirkliche militärische Auseinandersetzung wollte der Herzog es aber nicht ankommen lassen. So ließ er die Schweine und ihre Hirten von dem Zeitpunkt an in Frieden im Wald weiden.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 19.09.2010 | 18:45 Uhr

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