Stand: 15.05.2014 07:00 Uhr  | Archiv

1914: Altona lädt zur großen Gartenschau

von Dirk Hempel, NDR.de

Kaiser Wilhelm II. in weißen Hosen

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Im Juni 1914 besucht Kaiser Wilhelm II. die Gartenschau, die unter der Schirmherrschaft seiner Gattin Auguste Viktoria steht.

Die Altonaer Gartenschau ist eine Veranstaltung von nationaler Bedeutung - schließlich steht sie unter dem Protektorat der Kaiserin. Am 21. Juni erscheint Wilhelm II. höchstpersönlich an der Elbe, von den Honoratioren der Stadt ehrerbietig empfangen. Mit seinem Gefolge eilt er durch die Anlagen, in Admiralsuniform, weißen Hosen und weißer Mütze. Der Kaiser ernennt Ferdinand Tutenberg wegen seiner Verdienste um die Gartenbauausstellung zum königlich preußischen Gartendirektor.

Das Ausstellungorchester spielt patriotische Lieder

Eine Woche später erschießt ein serbischer Nationalist in Sarajevo den österreichischen Thronfolger. Am 28. Juli erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Überall im Deutschen Reich, das mit der Donaumonarchie verbündet ist, kommt es zu politischen Kundgebungen, in Cafés, auf öffentlichen Plätzen, so auch in Altona: Das Ausstellungsorchester spielt immer wieder die deutsche und die österreichische Nationalhymne, auch das patriotische Lied "Die Wacht am Rhein", auf Wunsch des Publikums, das begeistert mitsingt.

Anfang August führt  Wilhelm II. Deutschland in den Krieg. Soldaten rücken aus. In Altona übernimmt nun das Generalkommando des IX. Armeekorps die Befehlsgewalt. Bald werden bestimmte Lebensmittel knapp. Die anfängliche Begeisterung weicht der Ernüchterung.

Nach Kriegsbeginn bleiben die Besucher aus

Dennoch wird die Ausstellung in den Parks an der Elbe fortgesetzt, auch wenn immer weniger Besucher kommen - insgesamt werden es zwei Millionen sein - und sie zu einem finanziellen Misserfolg wird. Erst im Oktober 1914 schließt sie wie vorgesehen ihre Pforten. Da sind in den großen Schlachten, an der Marne, bei Tannenberg und Warschau, bereits Hunderttausende Soldaten gefangen oder verwundet worden, Zehntausende gefallen.

Das Gelände heute

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Das Verwaltungsgebäude der Gartenschau ist erhalten geblieben. Eine Plakette erinnert heute an die Ausstellung im Jahr 1914.

Erhalten geblieben sind bis heute Treppenanlagen am Nordwestrand des Donners Parks und das zum Wohnhaus umgebaute Verwaltungsgebäude der Ausstellung an der Elbchaussee. Das niederdeutsche Bauernhaus steht seit 1920 im Altonaer Volkspark.

Auf der Donner-Weide befindet sich nun der Fischers Park mit seinen Spiel- und Fußballplätzen. An die frühere Gestaltung erinnern hier nur noch die mächtigen Eichen und Linden.

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