Stand: 07.07.2009 16:10 Uhr  | Archiv

Die SAGA GWG

Die SAGA GWG ist Hamburgs größter Wohnungsbaukonzern. Fast jeder sechste Hamburger wohnt zur Miete in einer SAGA-Wohnung. Die Wohnungsbauten der SAGA GWG haben viele Stadtviertel der Hansestadt innerhalb der letzten 90 Jahre maßgeblich mitgeprägt. In ihnen spiegeln sich die bewegten Zeitläufe und die wechselnden architektonischen und städtebaulichen Leitbilder seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wider.

1922: Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona

Gegründet wurde die Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona, die SAGA, im Jahr 1922 als kommunales Unternehmen der Stadt Altona. Initiiert wurde die Gründung vom sozialdemokratischen 2. Bürgermeister Max Brauer. Primäre Aufgabe der SAGA war es, die akute Wohnungsnot im dicht besiedelten Altona zu lindern.

1924-1930: Das "Neue Altona" wird gebaut

SAGA-Zeilenbauten in der Hamburger Bunsenstraße von Gustav Oelsner, 1926/1927. © Akademie der Künste, aus dem Archiv des Altonaer Museums
SAGA-Zeilenbauten in der Hamburger Bunsenstraße von Gustav Oelsner, 1926/1927.

Ab 1924 wurde das Stadtmodernisierungsprogramm "Neues Altona" Schritt für Schritt realisiert. Mitstreiter von Max Brauer war der befreundete Architekt und Bausenator Gustav Oelsner.

In der Weimarer Republik entstanden in Altona einige SAGA-Siedlungen, die Musterbeispiele der Moderne wurden. In der Siedlung Bunsenstraße wurde die Blockrandbebauung erstmals in Hamburg zugunsten von Zeilenbauten mit Flachdächern aufgegeben. Die Bebauung folgte konsequent den Reformideen des Neuen Bauens und den diesbezüglichen Forderungen nach Licht, Luft und Sonne in der Architektur.

1930-1945: Gleichschaltung und Zerstörung

In der folgenden Weltwirtschaftskrise kam die Neubautätigkeit fast zum Erliegen. Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, wurde die SAGA gleichgeschaltet und das Neue Bauen diffamiert. Vorhandene moderne Siedlungen wurden an den nationalsozialistischen Geschmack angepasst und mit Spitzdächern versehen. Mit Ausnahme der Offizierswohnungen im Osdorfer Villenviertel entstanden in dieser Zeit kaum Neubauten der SAGA.

1937/38 wurde Altona nach Hamburg eingemeindet, die SAGA fusionierte mit der Baugesellschaft Hamburg und war von dem Zeitpunkt an in Hamburg präsent.

1945-1960: Wiederaufbau und Neubeginn

280.000 Wohnungen in Hamburg, knapp ein Sechstel der SAGA-Wohnungen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Zerstörte Gebäude in Hamburg-Eilbek nach den alliierten Luftangriffen im Sommer 1943. © dpa-Bildarchiv
Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile Hamburgs zerstört.

Nachdem die Trümmer beseitigt waren, nahm die SAGA in den 50er-Jahren ihre Bautätigkeit mit dem Wiederaufbau der Vorkriegs-Siedlungen auf. Die Neubauten der Wohnungsbau-Gesellschaft orientierten sich am vorherrschenden Leitbild der gegliederten und aufgelockerten Stadt.

Die SAGA konzentrierte ihre Bautätigkeit auf den Bereich westlich der Alster, zunächst im inneren Stadtgebiet, später auch in den Außenbezirken. Architekten wie Bernhard Hermkes, Ferdinand Streb, Fritz Trautwein und Rudolf Lodders waren die maßgeblichen Planer dieser Zeit.

Grindelhochhäuser in Hamburg (Archivbild 1998) © dpa
Die Grindel-Hochhäuser bieten 1.855 Wohnungen und stehen unter Denkmalschutz.

1946-56 entstanden die Grindel-Hochhäuser als Solitäre in einer Parklandschaft. Das alte jüdische Grindelviertel an dieser Stelle war im Weltkrieg völlig zerstört worden. Die Hochhäuser der SAGA wurden ursprünglich für die britische Militärregierung und ihre Familien konzipiert.

1954 begann die neue Bebauung des Eimsbütteler Marktplatzes unter Federführung des Architekten Bernhard Hermkes. Das kriegszerstörte Quartier wurde konsequent mit Zeilenbauten neu strukturiert. Die Siedlung Beerboomstücken in Groß-Borstel von Werner Kallmorgen und die Reihenhaussiedlung im "Flüsseviertel" in Lurup von Bernhard Hermkes sind weitere Beispiele von SAGA-Bauten der 50er-Jahre.

1960-1975: Großstrukturen und Fusionen

Groß-Siedlung Osdorfer Born. © dpa
Die Groß-Siedlung Osdorfer Born entstand Ende der 60er-Jahre.

Das städtebauliche Leitbild der Zeit war Urbanität durch Dichte. Auf dieser Basis entstanden ab 1967 Mega-Wohnstrukturen in den Hamburger Außenbezirken wie die Großsiedlung Steilshoop für 22.000 Menschen sowie die Siedlung Osdorfer Born. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet ist der städtebauliche und architektonische Ansatz dieser Wohngettos nur schwer nachvollziehbar. Die Groß-Siedlungen sind ein schweres Erbe für die SAGA.

1972 übernahm die SAGA die städtischen Wohnungsbau-Gesellschaften "Freie Stadt", "Neues Hamburg" und "Deutsche Wohnungsbaugesellschaft Harburg". Die SAGA ist seither Hamburgs größtes Wohnungsbauunternehmen.

1975-1999: Sanierung und Verdichtung der Altbauten

Mit der Energiekrise endete der Bauboom in Hamburg. Die SAGA konzentrierte sich in der Folgezeit auf die Modernisierung und Ergänzung ihrer gründerzeitlichen Altbauten in St. Pauli, Altstadt und Ottensen. Neues städtebauliches Leitbild wurde das Einfügen in das städtische Umfeld und das Schließen und Ergänzen der Blockrandbebauung - zeitweise auch mit postmodernen Anklängen. Der SAGA-Siedlungsbestand aus den 50er-Jahren wurde renoviert und in Bereichen verdichtet. SAGA-Neubauten entstanden unter Beachtung ökologischer Aspekte - ein Beispiel sind die Niedrigenergiehäuser in Bramfeld.

1999-2009: SAGA GWG und soziale Quartiersentwicklung

1999 haben sich die "GWG Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft" und die SAGA zum Wohnungsbaukonzern "SAGA GWG" zusammengeschlossen. Die GWG existiert seit 1988 und wurde als Auffanggesellschaft für die Bestände der "Neuen Heimat" gegründet.

Wichtige aktuelle Aufgabe des Konzerns ist das Engagement in den benachteiligten Siedlungen und Stadtteilen mit städtebaulichen und sozialen Defiziten. Ein Beispiel ist die Hangsiedlung in Heimfeld, die 1950 erbaut wurde und zum Sammelbecken für sozial Benachteiligte wurde. Die SAGA GWG begann, die Wohnungsstruktur zu verändern, Kleinwohnungen zusammenzulegen, die Fassaden zu renovieren, Balkone zu bauen und Spielplätze und Mietergärten anzulegen. Durch diese Maßnahmen hat sich die Siedlung in Heimfeld positiv gewandelt und ist zu eine Art Vorzeigeprojekt geworden. Die soziale Stadtteilentwicklung setzt die SAGA kontinuierlich in anderen Quartieren fort.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 29.12.2002 | 19:30 Uhr

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