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Chronologie: Der Fall "Dagobert"

von Helene Heise

1988: KaDeWe-Erpressung. Arno Funke fordert 500.000 DM vom Kaufhauskonzern Hertie, zu dem das legendäre Berliner Kaufhaus zu diesem Zeitpunkt gehört. Am 25. Mai explodiert nachts eine Bombe im KaDeWe, die Detonation verursacht einen Sachschaden von geschätzten 250.000 Mark. Daraufhin entschließt sich der Konzern, den geforderten Betrag zu zahlen. Das Geldpaket werfen Polizisten aus einer fahrenden S-Bahn, der Erpresser kann mit dem Geld fliehen - und lebt einige Jahre von der Beute.

13. Juni 1992: Karstadt erhält ein Erpresserschreiben. Eine Million Mark soll der Konzern einem Unbekannten zahlen, im März 1993 erhöht er die Forderung auf 1,4 Millionen. Der Erpresser droht mit Bomben in Kaufhäusern. In der Nacht explodiert in der Porzellanabteilung einer Hamburger Karstadt-Filiale eine Rohrbombe, Menschen werden nicht verletzt. Seine Zahlungsbereitschaft soll der Kaufhauskonzern mit einer Anzeige in der Lokalpresse signalisieren. Der verabredete Text: "Onkel Dagobert grüßt seine Neffen". Die Presse nennt den Erpresser von nun an "Dagobert".

15. Juli 1992: Der erste Versuch einer Geldübergabe in Mecklenburg-Vorpommern scheitert.

14. August 1992: Auch der zweite Versuch misslingt, diesmal in Reinbek bei Hamburg.

9. September 1992: Brandanschlag auf eine Karstadt-Filiale in Bremen. Der Wasserschaden durch die Sprinkleranlage beläuft sich auf mehrere Millionen Mark.

15. September 1992: Weiterer Anschlag, diesmal ist ein Kaufhaus in Hannover das Ziel. Anders als bei den vorherigen Anschlägen detoniert die Bombe während der Öffnungszeiten in einem Fahrstuhl. Zwei Personen werden leicht verletzt.

13. Oktober 1992: Polizisten werfen Lösegeld aus einem Zug, der Erpresser holt die Tasche nicht ab.

29. Oktober 1992: Weitere Geldübergabeversuche misslingen, beide Male in Berlin. Einem Polizisten gelingt es, den Flüchtenden an der Jacke zu packen, doch genau in diesem Moment rutscht er aus. Dagobert kann entkommen. Am nächsten Tag sprechen die Zeitungen fälschlicherweise von einem Haufen Hundekot, auf dem der verfolgende Polizist ausgerutscht sei. Die Episode geht als "Hundekot-Arie" in die Annalen des Falles ein.

5. Januar 1993: Bei der nächsten versuchten Geldübergabe in Berlin sind 2.000 Polizisten im Einsatz. "Dagobert" entkommt - allerdings ohne Geld.

19. April 1993: Spektakuläre versuchte Geldübergabe in Berlin-Britz: In einer präparierten Streusandkiste soll das Geld deponiert werden. Der Erpresser öffnet die Kiste von unten und entkommt mit der Tasche. Doch in dem Paket befinden sich nur wenige Scheine und reichlich Papierschnipsel.

19. Mai 1993: Anschlag auf ein Kaufhaus in Bielefeld.

8 Mai 1993: Fahnder lauern "Dagobert" in einem Elektroladen auf, in dem er bereits mehrfach Teile seiner selbst gebauten Geräte und der Bomben gekauft hat. Doch Arno Funke kann durch eine Hintertür entkommen.

1. September 1993: Wieder misslingt eine Übergabe in Berlin.

6. Dezember 1993: In einer Berliner Karstadt-Filiale explodiert eine Bombe.

17. Januar 1994: Dagobert entkommt erneut durch einen Abwasser-Gully.

22. Januar 1994: Übergabeversuch auf einem stillgelegten Gleis in Berlin-Charlottenburg: Mithilfe einer selbst gebauten Mini-Lore soll das Geld zum Erpresser gelangen. Die Bahnstrecke ist mit Stolperdrähten und selbst auslösenden Signalraketen präpariert, um die Verfolger zu behindern. 30 Meter vor dem Ziel kippt die Lore aus dem Gleis. Arno Funke traut sich nicht, die Tasche zu holen und entkommt ohne das Geld.

19. April 1994: Weitere gescheiterte Geldübergabe in Berlin-Kreuzberg. Dabei wird ein Mann beobachtet, auf den die Beschreibung des Täters passt. Die Polizei kann sein Auto-Kennzeichen feststellen und observiert den Verdächtigen.

22. April 1994: Arno Funke wird in einer Berliner Telefonzelle gefasst, als er einen neuen Übergabetermin vereinbaren will. Der Mann gibt sich sofort als "Dagobert" zu erkennen und wirkt erleichtert.

17. Januar 1995: Prozessauftakt in Berlin. Zwei Monate später wird Funke zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

14. Juni 1996: Nachdem der Bundesgerichtshof das erste Urteil aufgehoben hat, verurteilt das Berliner Landgericht Arno Funke im zweiten Prozess zu neun Jahren Haft. Während seiner Haftzeit werden bei Funke Schädigungen durch Lösungsmittel festgestellt, die er als Lackierer eingeatmet hat. Sie gelten als ein Grund für seine Depressionen. Im Gefängnis wird er therapiert. Darüber hinaus stellen die Gutachter einen sehr hohen Intelligenzquotienten fest. Funke liest viel, arbeitet an seiner Autobiografie und zeichnet Karikaturen für die Zeitschrift "Eulenspiegel".

1998: Arno Funke veröffentlicht seine Autobiografie: "Mein Leben als Dagobert".

13. August 2000: Arno Funke wird aus der Haft entlassen, nachdem er zwei Drittel seiner Strafe abgesessen hat.

2004: Arno Funke veröffentlicht ein Buch mit Karikaturen und Geschichten unter dem Titel "Ente kross", eine ironische Abrechnung mit der Comicfigur "Dagobert". Außerdem tritt er in der vom britischen Channel 4 produzierten Reality-Show "The Heist" ("Der Raubüberfall") in der Rolle des Erpressers auf.

2007: Unter dem Titel "Erbrechen lohnt sich nicht" tritt Funke mit einer satirischen Bühnenshow in Berlin auf.

2013: Funke nimmt als Kandidat an den Fernseh-Shows "Das Dschungelcamp" und "Das perfekte Promi-Dinner" teil.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.03.2014 | 19:30 Uhr

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