Stand: 09.04.2018 06:57 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

9. April 1998: Erste Tätersuche per Massen-Gentest

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Einige der Proben, die beim bis dahin größten Massen-Gentest 1998 genommen wurden.

Am 9. April 1998 endet mit dem ersten Massen-Gentest in der deutschen Geschichte ein schrecklicher Mordfall: Einige Wochen zuvor, am 16. März 1998, wird die elfjährige Christina aus Strücklingen im Landkreis Cloppenburg entführt und getötet. Die Ermittlungsbehörden entschließen sich zu einer neuen Methode. Sie fordern zehn Wochen später alle Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren auf, eine DNA-Probe abzugeben. Rund 16.400 Männer kommen freiwillig zum Speicheltest. Ende Mai die erlösende Nachricht: Der Täter ist gefasst. Die DNA der Probe Nummer 3889 ist identisch mit den Spuren, die der Täter am Tatort hinterließ. Es handelt sich um Ronny Rieken, bereits vorbestraft, selbst Vater dreier Kinder, festgenommen beim Rasenmähen.

Fahndungserfolg oder Fehler in der Polizeiarbeit?

Für die Ermittler ein großer Erfolg der umstrittenen Methode, doch schnell stellte sich die Frage, ob nicht auch herkömmliche Polizeiarbeit statt teurer Massen-DNA-Analyse zum Täter geführt hätte. Ronny Rieken war nicht nur wegen Eigentumsdelikten polizeibekannt. Er war auch im Jahr 1990 wegen Vergewaltigung seiner 17-jährigen Schwester zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Außerdem hatte es nach dem Mord an Christina Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, die den Familienvater belasteten. Für die Tatzeit hatte er kein Alibi.

Dass die Polizei nicht schon früher auf den Täter gekommen war, lag vor allem an einer Panne in der Polizeidienststelle Oldenburg. Die hatte die Daten von Rieken nicht in das Verzeichnis der Sexualstraftäter eingespeist. Die Ermittlungsbeamten wussten so nichts von seiner Vorstrafe, als sie den Familienvater nach seinem Alibi befragten. Da der Mann bereits seine Speichelprobe abgegeben hatte, verdächtigten die Beamten ihn zunächst nicht weiter.

Serientäter gesteht in weiteren Fällen

Noch am Tag seiner Verhaftung gestand Rieken den Missbrauch und Mord der elfjährigen Christina sowie den Missbrauch eines weiteren Mädchens. In beiden Fällen belasteten DNA-Spuren ihn schwer. Doch die Polizei vermutete in ihm den Täter in weiteren Fällen von Kindesmissbrauch in der Region. Auch ein anderer Mordfall ließ das gleiche Muster erkennen: Die 13-jährige Ulrike aus Jeddeloh war im Sommer 1996 mit ihrer Ponykutsche ausgefahren. Die Pferde kehrten allein zurück.

Rieken gilt als nicht therapierbar

Zwei Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter erhielten die Eltern von Ulrike traurige Gewissheit: Rieken gestand nach mehrwöchiger Untersuchungshaft auch den Mord an der 13-Jährigen und führte die Beamten zur Leiche des Mädchens. Am 27. November 1998 verurteilt das Landgericht Oldenburg Rieken wegen zweifachen Mordes sowie Missbrauchs von 14 weiteren Mädchen zu lebenslanger Haft. Die Richter stellten die besondere Schwere der Schuld fest. Rieken sitzt bis mindestens 2021 in der Justizvollzugsanstalt Celle. Dass er dann aus der Haft kommt, ist unwahrscheinlich. Er gilt als nicht therapierbar. Rieken hatte schon vor Jahren in der Haft gesagt: Es würde wohl keine 14 Tage dauern, bis er wieder rückfällig würde.

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Rund 16.400 Männer kamen damals zum Massen-Gentest.
DNA-Datenbank wird eingeführt

Eine weitere Folge des ersten Massen-Gentests: Die Behörden bauten eine bundesweite DNA-Datenbank auf. Mit ihrer Hilfe konnten seitdem zahlreiche Fälle gelöst werden. Einer der spektakulärsten: Der Mord an dem Münchner Modezar Rudolf Mooshammer im Jahr 2005 wurde innerhalb von zwei Tagen aufgeklärt, weil der Mörder in der Datenbank gespeichert war. In den vergangenen zehn Jahren wurden wiederholt großangelegte DNA-Reihenuntersuchungen durchgeführt, die jedoch meist nicht dazu beitragen konnten, den Verdächtigen zu finden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.04.2018 | 08:00 Uhr

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