Eine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel ist am im Nobel Museum zu sehen. © picture-alliance/Kay Nietfeld/dpa Foto: Kay Nietfeld

Ruhm, Ehre, Geld: Die Geschichte des Nobelpreises

Stand: 06.10.2020 09:19 Uhr

Der Nobelpreis als wichtigster Wissenschaftspreis der Welt wurde 1901 zum ersten Mal verliehen. Er geht aus einer Stiftung des schwedischen Erfinders Alfred Nobel hervor.

Jedes Jahr im Herbst warten Forschende, Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie Menschen, die sich aktiv für Frieden einsetzen, sehnsüchtig auf einen Telefonanruf aus Skandinavien: Dann nämlich gibt die Nobelstiftung die Träger der Nobelpreise bekannt. Der Preis geht aus einer Stiftung des schwedischen Erfinders und Unternehmers Alfred Nobel (1833 - 1896) hervor, der mit der Erfindung des Dynamits sehr reich wurde.

Preisvergabe war Nobels letzter Wille

Porträtaufnahme des schwedischen Chemikers Alfred Nobel um 1853. © picture alliance/Heritage Images
Alfred Nobel, hier eine Aufnahme von 1863, wurde mit der Erfindung des Dynamits reich.

Nobel hatte in seinem Testament vom 27. November 1895 verfügt, dass der größte Teil seines Reichtums in eine Stiftung fließen solle. Die Zinsen aus dem Stiftungskapital sollten als Preis jenen zukommen, die jeweils "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben", und zwar auf den Gebieten der Physik, der Chemie, der Medizin, der Literatur sowie "an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat."

Nobelpreise werden seit 1901 verliehen

Fünf Jahre später war es dann so weit: Seit 1901 werden alljährlich herausragende Leistungen auf den Gebieten der Physik, Chemie, Medizin, der Literatur und des Friedens gewürdigt. Seit 1969 wird auch der "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel" verliehen. Das Geld stammt aber nicht aus dem Stiftungsvermögen, sondern von der schwedischen Reichsbank. Ansonsten gelten für diese Auszeichnung dieselben Vergabekriterien. Die Mathematik hatte Alfred Nobel als rein theoretische Wissenschaft von den Vergaben ausgeschlossen.

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Vier Komitees wählen Preisträger aus

Vier Komitees wählen die Personen aus, die ausgezeichnet werden sollen: die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften (Physik, Chemie, Wirtschaftswissenschaften), die Nobelversammlung des Karolinska Instituts (Physiologie oder Medizin) und die Schwedische Akademie (Literatur). Der Träger oder die Trägerin des Friedensnobelpreises wird von einem Komitee des norwegischen Parlaments gekürt. 1968 erließ die Nobelstiftung ein Statut, das die Zahl der Preisträger auf maximal drei pro Fachrichtung beschränkt. Der Friedensnobelpreis kann auch an Institutionen vergeben werden. Der Preis selbst besteht aus einer Urkunde, einer Medaille und dem stattlichen Preisgeld, das derzeit pro Kategorie rund neun Millionen Schwedische Kronen (etwa 830.000 Euro) beträgt.

Verleihung in Stockholm und Oslo

Festakt der Übergabe der Nobelpreise in Stockholm am 10. Dezember 1929.  Foto: ALFRED EISENSTAEDT
Festakt zur Übergabe der Nobelpreise 1929 in Stockholm. Damals erhielt Thomas Mann (vorn rechts) den Literaturnobelpreis.

Offiziell verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Dabei überreicht der schwedische König die Auszeichnungen in den Kategorien Physik, Wirtschaft, Chemie, Medizin und Literatur im Stockholmer Konzerthaus. Der Friedensnobelpreis wird in der Universität der norwegischen Hauptstadt Oslo verliehen.

Warum Nobel in seinem testamentarischen Willen den Friedenspreis in Oslo verliehen sehen wollte, ist historisch nicht einwandfrei geklärt. Da zur damaligen Zeit eine Union zwischen Schweden und Norwegen bestand, deren Verhältnis gespannt war, brachte diese Verfügung Nobel von schwedischer Seite den Vorwurf ein, unpatriotisch gehandelt zu haben.

Röntgen und Behring: Erste deutsche Nobelpreisträger

Bei der ersten Verleihung der Nobelpreise 1901 waren zwei Deutsche dabei: Der erste Nobelpreis für Physik wurde 1901 an Wilhelm Conrad Röntgen verliehen. Der Rheinländer hatte 1895 die nach ihm benannten Röntgenstrahlen entdeckt. Emil von Behring erhielt für seine Entwicklung eines Serums gegen Diphtherie den ersten Nobelpreis für Medizin. Gewinnanteile aus der Serum-Produktion und das Geld für den Nobelpreis steckte Behring 1904 in ein eigenes Unternehmen, die Behringwerke. 1914 gelang ihm die Herstellung eines Tetanus-Serums.

Frauen sind unterrepräsentiert

Bis 2018 gab es einschließlich der Kategorie Wirtschaft 935 Preisträger, davon waren 27 Organisationen und 52 Frauen. Frauen sind damit bislang sehr unterrepräsentiert. Eine Forscherin bekam den Nobelpreis allerdings gleich in zwei Kategorien und gilt bis heute als absolute Ausnahme-Frau: Marie Curie wurde 1903 für Physik und 1911 für Chemie ausgezeichnet.

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NDR Info | 05.10.2020 | 15:38 Uhr

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