Stand: 05.05.2019 20:09 Uhr

Hamburg damals: 100 Jahre Universität Hamburg

Die Hamburger Universität ist mit fast 45.000 Studenten eine der drei größten Hochschulen Deutschlands. In diesem Jahr feiert sie ihren 100. Geburtstag und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Hamburger Universität

100 Jahre Universität Hamburg

Hamburg Journal -

Die im März 1919 gegründete Hamburger Universität hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Präsident Dieter Lenzen und der Historiker Rainer Nicolaysen blicken zurück.

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Es ist das sichtbare Zentrum der Hamburger Universität: Das Hauptgebäude mit seinem Kuppelbau wäre ohne eine Spende von Edmund Siemers wohl gar nicht gebaut worden. Der Reeder stiftete den Bau 1911 für Vorlesungen - übrigens gegen den Willen der mächtigen Kaufmannschaft, die lieber in Hafen und Handel investieren wollte, als in die Wissenschaft. Senator Werner von Melle machte sich dagegen für eine Universität stark.

Bürgerschaft beschließt Universitätsgründung

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Historiker Rainer Nicolaysen hat an der Universität Hamburg studiert, nun lehrt er dort Neue Geschichte.

"Er wollte ganz dezidiert eine Universität in der zweitgrößten Stadt gründen. Er hat dafür sehr viele Vorarbeiten geleistet, aber man muss auch sagen, er ist zwei Mal fulminant gescheitert", sagt Universitäts-Historiker Rainer Nicolaysen. Denn erst die neue, demokratische Bürgerschaft beschloss im März 1919 mit einer SPD-Mehrheit die Gründung einer Universität. "Jeder, der in der Lage ist und das möchte, soll studieren können, unabhängig von herkunft und Finanzen. Das war ein sehr moderner Bildungsanspruch der SPD", sagt Rainer Nicolaysen.

Professoren bekennen sich zu Hitler

Die Uni hatte in den 20er Jahren weltweit einen exzellenten Ruf. Herausragende Wissenschaftler lehrten hier, bis die Nazis die Macht übernahmen. Viele Hamburger Professoren bekannten sich 1933 öffentlich zu Hitler. Jüdische Gelehrte durften nicht mehr unterrichten und ihre Kollegen zeigten keine Solidarität. "Es waren nicht alle Professoren oder Rektoren in Deutschland plötzlich Nationalsozialisten geworden. Aber eine Mehrheit der deutschen Professoren hatte die Republik abgelehnt und beggrüßte das Ende der Weimarer Republik und wollte einen autoritäreren Staat", so Rainer Nicolaysen.

Keine Selbstkritik

Als 1959 das Audimax eröffnet wird, gibt es von den Ordinarien noch keinen selbstkritischen Rückblick auf die NS-Zeit. Die Professoren tragen altehrwürdig ihren Talar. Die Ordinarien haben das Machtmonopol. Für die Studenten ist das nicht mehr hinnehmbar. 1967 stellen Detlev Albers und Gerd Hinnerk Behlmer die Professoren beim Einmarsch mit einem Banner bloß. "Unsere Argumente für die Demokratisierung der Hochschule und für die Verbesserungen der Studienbedingungen wurden einfach nicht gehört. Deswegen war die Aktion sicher erforderlich und wie sich gezeigt hat, auch geeignet, um verkrustete Strukturen in der Universität und in der Gesellschaft aufzubrechen", sagt Gert Hinnerk Behlmer, der 1967 an der Uni Hamburg studierte.

Proteste im Hörsaal und auf dem Senatstisch

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Das Audimax der Universität Hamburg wurde 1959 eröffnet. Bald danach begannen die Studentenproteste.

Zwei Jahre später tritt das neue Universitätsgesetz in Kraft. Peter Fischer-Appelt wird der erste Präsident, der nicht aus der Professorenschaft kommt. Die Proteste gehen aber weiter. Überfüllte Hörsäle, die Uni in der Finanzkrise. "Damals gab es einen Tisch und diese Studenten des Asta, Damen und Herren, haben ihren Protest durch einen Tanz auf dem Senatstisch ausgedrückt. Das war neu, es war auch adrett, es war aber zugleich auch ernst", sagt Fischer-Appelt.

Wissenschaft als Standbein für die Zukunft

Heute investiert die Uni erfolgreich in Forschung und Wissenschaft - wie in den Bau des neuen Zentrums für Klimaforschung. "Wir sind sehr froh darüber, dass sowohl die Leistungen auf internationalem Spitzenniveau sich zeigen lassen, aber auch darüber, dass die Politik der Stadt sich der Wissenschaft zugewandt hat, was viele Jahrzehnte davor nicht der Fall war", sagt Uni-Präsident Dieter Lenzen. "Und jetzt ist ganz klar", fügt Nicolaysen hinzu, "Wissenschaft ist auch die Zukunft für Hamburg, Wissenschaft muss gestärkt werden und ist ein ganz wichtiges Standbein für die nächsten 100 Jahre".

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.05.2019 | 19:30 Uhr

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