Stand: 05.08.2016 11:56 Uhr  | Archiv

Als der Hamburger Stadtpark Bronze gewann

von Daniel Kaiser
Baron Pierre de Coubertin bei den Olympischen Spielen in Stockholm, Schweden. © picture-alliance / maxppp
Baron Pierre de Coubertin gilt als Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit - und auch als geistiger Vater der Kunstwettbewerbe.

Höher - schneller - weiter: In Rio de Janeiro finden in den nächsten Wochen die Olympischen Spiele statt. Dort messen sich Sportler im Wettkampf. Aber: Olympia war mal richtig kulturell.

Es gab auch Gold für ein Gedicht oder Silber für eine Sinfonie. Lange wurden nämlich auch Medaillen für Literatur, Musik, Malerei, Architektur, und Bildhauerei verliehen - 1912  zum ersten Mal. Diese Kulturwettbewerbe bei den Olympischen Spielen der Neuzeit waren eine Idee von deren Gründer: Pierre de Coubertin.

Der Tscheche Josef Suk gewann 1932 bei den Spielen in Los Angeles eine Silber-Medaille, für seinen Marsch "Into a new life" - "In ein neues Leben!"

Bedingung: Vom Sport inspiriert

Gold, Silber und Bronze gab es für Gedichte, Stadionentwürfe, Gemälde und Marschmusik. Einzige Bedingung: Die Kunst musste vom Sport inspiriert sein. Das war eine Idee Pierre de Coubertins. Und er nahm auch gleich selbst teil. Seine "Ode an den Sport" gewann Gold.

"O Sport, Du bist die Ehre! Von Dir gespendet hat Lob und Zeugnis vollen Wert, weil nur in wahrer Redlichkeit gewonnen. Unlauterer Wettbewerb und unerlaubter Kunstgriff sind streng verpönt." Zitat aus "Ode an den Sport"

So richtig lauter war er aber selber nicht. Denn Coubertin hatte das Gedicht unter einem deutschen Pseudonym verfasst. Es gab zwar eine Jury, eigentlich hat der IOC-Chef aber selbst entschieden und darauf gedrängt, diesen Text gewinnen zu lassen.

Rudolf Binding © picture alliance
So sehen Sieger aus: Der Schriftsteller Rudolf Binding holte sich die Goldmedaille in der Kategorie "Gedichte".

Die Kunst-Wettbewerbe siechten zuerst eher als dass sie blühten. Die Gastgeberländer stellten die Jury. Das nennt man dann Heimvorteil. Es gab auch nur wenige Einsendungen. Viele Medaillen konnten da gar nicht vergeben werden.

Erst 1928 in Amsterdam kam der Durchbruch. Plötzlich gab es ein richtig hohes Niveau: Einer der Gewinner war der Däne Rudolph Simonsen mit seiner 2. Sinfonie "Hellas".

Der Baseler Rudolf Binding gewann mit dem Gedicht "Reitvorschrift für eine Geliebte" Gold.

"Nimm Dich in acht: das Pferd errät Dich, Dich und Deine geheimsten Gedanken ....Wenn Du ihm nicht vertraust, wird es Dir nicht trauen" Gedichtzitat

Bronze für den Entwurf des Hamburger Stadtparks

Weitere Informationen
Die Liebesinsel im Hamburger Stadtpark auf einer historischen Postkartenansicht © Hamburg Museum Foto: Postkarte, Fotografie R.F. Schmiedt

1914: Hamburg bekommt einen Park fürs Volk

Ein Park für alle Hamburger, nicht zum Flanieren, sondern zum Spielen, Lagern und Tummeln. Am 1. Juli vor 100 Jahren wurde der Stadtpark eröffnet - nach jahrelangen Querelen. mehr

Der deutsche Architekt Max Laeuger bekam Bronze für seinen Entwurf für den Hamburger Stadtpark. Der war zwar nach den Plänen Fritz Schumachers entstanden. Aber so bekam Laeuger wenigstens bei Olympia Anerkennung.

1932 in Los Angeles gab es riesige Ausstellungen mit Gemälden, Plastiken und Grafiken. Jeden Tag kamen 15.000 Besucher - der Höhepunkt der olympischen Kunstwettbewerbe. Zwei Olympioniken in der Geschichte gewannen in Sport und Kunst: Der amerikanische Sportschütze Walter Winans als Bildhauer. Und der ungarische Schwimmer Alfréd Hajós als Architekt.

Gold für Hitlers Musikrat

Wer bei den Nazi-Spielen 1936 in Berlin die Kunstwettbewerbe gewann, entschied das Propagandaministerium unter Joseph Goebbels. Hitlers Vorzeigebildhauer Arno Breker bekam Silber, der spätere Präsident des Deutschen Musikrates, Werner Egk, Gold.

Der 17-jährige Mittelschüler Hans Helmut Stoiber bekam für sein Sonett "Diskus" eine Bronzemedaille.

"Ich wische über den Eisenrand, mit meiner Hand, die mir dabei ganz leise bebt" Zitat aus "Diskus"

Er musste sie aber vor leeren Rängen in Empfang nehmen. Niemand interessierte sich dafür.

Vom Dreispringer zum Dichter

London 1948: Der französische Dreisprung-Meister Gilbert Prouteau, hatte sich kurz vor den Spielen verletzt. Spontan reichte er ein Gedicht ein und gewann Bronze. Aber es waren die letzten Kunstwettbewerbe bei Olympia. Die gerechte Bewertung war schwierig. Außerdem waren Künstler ja keine Amateure wie die Sportler, sondern Profis. Die Kunst ging in begleitenden Ausstellungen auf und natürlich in den opulenten Eröffnungs-Shows.

Schade eigentlich: Martin Walser als Fahnenträger, Gerhard Richter mit Gold und der Filmkomponist Hans Zimmer auf dem Treppchen - das wäre doch was.

Weitere Informationen
Besucher  im Hamburger Stadtpark © Hamburg Museum Foto: Michael Zapf

Der Stadtpark - Hamburgs grünes Herz

Ein Ort zum Spielen, Lagern und Tummeln. Mit diesem Ziel wurde der Stadtpark 1914 errichtet. Noch heute nutzen die Hamburger ihn für Sport, als grüne Bühne oder zum Entspannen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 05.08.2016 | 19:00 Uhr

Mehr Geschichte

Die Fußballerinnen derr SSG Bergisch Gladbach nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1981. © picture alliance Foto: Roland Witschel

50 Jahre Frauenfußball - Geschichte einer Emanzipation

Am 31. Oktober 1970 ließ der Deutsche Fußball-Bund das Verbot für Frauenfußball fallen. Eine Erfolgsgeschichte begann. mehr

Eine Fernsehansagerin des NDR bei Aufnahmen 1957 im Studio. © NDR

NDR Retro: Der Norddeutsche Rundfunk öffnet sein Fernseh-Archiv

Ab dem 27. Oktober stellt der NDR Tausende historische Videos aus den 50ern und 60ern online. Hier gibt es einen Vorgeschmack. mehr

Helmut und Loki Schmidt 1972 in ihrem Haus am Brahmsee. © Friedrich-Ebert-Stiftung Foto: J.H. Darchinger

Loki Schmidt: Mehr als nur Kanzlergattin

Bekannt geworden als Ehefrau von Helmut Schmidt, war Hamburgs Ehrenbürgerin vor allem Naturschützerin. Vor zehn Jahren ist sie gestorben. mehr

Die Unglücksstelle der ICE-Katastrophe bei Eschede am 3. Juni 1998 aus der Vogelperspektive. © picture alliance/Ingo Wagner/dpa Foto: Ingo Wagner

ICE-Unglück in Eschede: Eine Katastrophe und ihre Folgen

101 Menschen sterben 1998 beim ICE-Unfall in Eschede. Die Rekonstruktion des Unglücks - und was die Verantwortlichen heute sagen. mehr

Norddeutsche Geschichte