Stand: 06.01.2018 22:04 Uhr  - Die Ernährungs-Docs  | Archiv

Zöliakie erkennen und behandeln

Diagnose

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Die dreifache Mutter Janne H. leidet an Zöliakie: Sie ist ständig müde, erschöpft und leidet unter Stimmungsschwankungen.

Beim Verdacht auf Zöliakie kann zunächst das Blut auf spezielle Autoantikörper untersucht werden. Eine endgültige Absicherung der Diagnose erfolgt durch eine endoskopische Dünndarmbiopsie. Dabei führt der Arzt eine Kamerasonde über Mund, Speiseröhre und Magen in den Dünndarm ein und entnimmt Proben der Dünndarmschleimhaut, die mikroskopisch untersucht werden. Auf diese Weise lässt sich feststellen, ob es zu Veränderungen der Dünndarmzotten gekommen ist, die für Zöliakie typisch sind. Die Untersuchung wird in der Regel ambulant durchgeführt und dauert meist nur 10 bis 15 Minuten.

Von Stuhltests auf bestimmte Antikörper oder anderen Schnelltests rät die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft ab, weil sie keine sichere Diagnose ermöglichten. Zudem sollte die Diagnostik unbedingt vor einer Ernährungsumstellung erfolgen, um einen sicheren Befund zu erhalten. 

Therapie

Zöliakie ist unheilbar. Die einzige Möglichkeit, eine Zöliakie zu behandeln, ist eine strikt glutenfreie Diät. Solange die Diät eingehalten wird, leben Zöliakie-Patienten in der Regel beschwerdefrei. Denn die glutenfreie Ernährung führt dazu, dass sich die entzündete und abgeflachte Dünndarmschleimhaut regeneriert und wieder ihre normale Form und Funktion einnimmt. Eine Besserung der Beschwerden tritt oft schon nach wenigen Tagen glutenfreier Ernährung auf. Die Veränderungen an der Dünndarmschleimhaut bilden sich innerhalb einiger Monate zurück. Schon bei winzigen Glutenmengen kommt es allerdings erneut zu einer Schädigung der Schleimhaut.

Glutenhaltige Getreidesorten

Diese Getreide müssen Zöliakie-Betroffene meiden:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Grünkern
  • Kamut (Khorasan)
  • Emmer
  • Einkorn
Auch herkömmlicher Hafer ist aufgrund glutenhaltiger Kontaminationen keine Alternative.

Ernährungsempfehlungen bei Zöliakie

Zöliakie-Patienten müssen daher ihre Ernährung und Lebensweise grundlegend umstellen und sämtliche Lebensmittel, die Gluten auch nur in Spuren enthalten, ihr Leben lang vermeiden. Glutenhaltige Getreidesorten sind Bestandteil vieler Lebensmittel wie Brot, Graupen, Nudeln, Bier, Malzkaffee, Kuchen, Schokolade, Ketchup und Müsli. Selbst viele "unverdächtige" industriell gefertigte Produkte und Fertiggerichte enthalten Gluten, etwa manche Wurstwaren. Das Klebereiweiß steckt auch in manchen Medikamenten. Auch Betroffene, die nur leichte oder gar keine Symptome haben, sollten sich strikt glutenfrei ernähren. Denn sonst besteht die Entzündung in der Dünndarmschleimhaut weiter, und es kann langfristig zu Komplikationen wie einem Nährstoffmangel kommen.

Viele glutenfreie Alternativen

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Glutenhaltige Getreidesorten sind Bestandteil vieler Lebensmittel und Fertigprodukte.

Für glutenfreie Beilagen, Müslis und Backwaren stehen zum Beispiel Amarant, Buchweizen, Hirse, Mais, Reis, Kartoffeln, Kichererbsen und nicht-kontaminierter Hafer zur Verfügung. Im Handel gibt es eine Reihe von Produkten, die mit einer durchgestrichenen Weizenähre als glutenfrei gekennzeichnet sind. Zudem muss laut Lebensmittelverordnung auf nahezu allen verpackten Lebensmitteln die Verwendung von Gluten ausgewiesen werden, auch wenn die Menge nur minimal ist. Bei loser Ware sollten Betroffene gezielt nachfragen.  

Weitere Informationen

Zöliakie-Patienten wird eine sehr nährstoffreiche, gemüsebasierte Ernährung empfohlen, mit gesundem Eiweiß, gesunden Fetten, Kartoffeln und Reis. Brot aus glutenfreien Getreidesorten kann nach Verträglichkeit gegessen werden. Zum Abbinden von Suppen und Soßen eignen sich Kartoffel- oder Maisstärke, Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl oder glutenfreie Soßenbinder. Zum Panieren gibt es glutenfreies Paniermehl oder Semmelbrösel aus glutenfreiem Brot. Beim Backen mit glutenfreien Mehlsorten lässt sich das fehlende Klebereiweiß beispielsweise durch Guarkernmehl ersetzten.  

Weitere Unverträglichkeiten beachten

Einige Betroffene können aufgrund der Schädigung der Dünndarmschleimhaut Fett und Milchzucker (Laktose) nur eingeschränkt vertragen. Sie sollten auf Fett und laktosehaltige Milchprodukte verzichten, bis sich die Darmschleimhaut unter der glutenfreien Diät komplett regeneriert hat.

Betroffene müssen strikt auf Küchenhygiene achten

Mit einer glutenfreien Nahrungsmittelauswahl allein ist es allerdings nicht getan: Betroffene müssen penibel darauf achten, dass ihre Speisen weder bei der Lagerung noch bei der Zubereitung mit glutenhaltigen Lebensmitteln kontaminiert werden. Sie sollten zum Beispiel zu Hause einen eigenen Toaster, eigene Kochlöffel und eigene Backformen nutzen und ein Auge darauf haben, dass Arbeitsplatten und Geschirrhandtücher frei von Mehlspuren sind. Glutenfreie Lebensmittel dürfen auch nicht im gleichen Frittierfett wie glutenhaltige Lebensmittel zubereitet werden. Empfehlenswert sind eine ausgiebige Diätberatung und eine Einweisung durch einen Spezialisten.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 08.01.2017 | 21:00 Uhr

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Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format

Glutenhaltig oder glutenfrei? Die wichtigsten Fakten und Lebensmittel im Überblick. Download (44 KB)

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