Sendedatum: 27.03.2018 12:00 Uhr  | Archiv

Pflege-Wegweiser mit Tipps und Links

Pflegebedürftig kann ein Mensch jederzeit werden, das hat nichts mit dem Alter zu tun. Je früher man sich mit dem Thema beschäftigt, desto gründlicher kann die Vorbereitung sein, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Karte der neun Hamburger Pflegestützpunkte in den einzelnen Bezirken. © NDR
In Hamburg gibt es insgesamt neun Pflegestützpunkte, die zum Thema Pflege beraten.
Rund-um-Beratung durch Pflegestützpunkte

Wichtig ist, sich möglichst frühzeitig zu informieren. Eine erste Anlaufstelle bieten die neun Pflegestützpunkte in Hamburg, bei denen sich hilfe- und pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen telefonisch oder persönlich zu allen Fragen rund um das Thema Pflege informieren können:

  • Möglichkeiten der Pflege in der eigenen Wohnung
  • Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Heimplatz
  • Unterstützung bei der Beantragung von Versicherungs- und Sozialleistungen 
  • Beratung bei Finanzierungsfragen der Pflege

Für privat Krankenversicherte bietet die "COMPASS Private Pflegeberatung" (Tochterunternehmen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V.) zudem eine bundesweit kostenfreie Telefonberatung unter der Telefonnummer (0800) 101 88 00 - erreichbar montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr.

Das "Pflege-Telefon" - schnelle Hilfe für Angehörige

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet mit dem "Pflege-Telefon" eine schnelle Hilfe und Orientierung für pflegende Angehörige. Die Expertinnen und Experten des Pflegetelefons beraten unter anderem in folgenden Fragen:

  • Wie wird Pflege organisiert?
  • Welche Einrichtungen und Dienste gibt es?
  • Welche Kosten entstehen? Wie funktioniert die Familienpflegezeit?
  • Wer hilft mir, wenn ich nicht mehr kann?

Das bundesweite Pflegetelefon ist von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr unter der Rufnummer (030) 20 17 91 31 und per E-Mail an info@wege-zur-pflege.de zu erreichen.

Buchcover "Der große Hamburger Pflegeratgeber" von Peter Wenig. © Funke Mediengruppe / Hamburger Abendblatt
"Der große Hamburger Pflegeratgeber" von Peter Wenig gibt auf 320 Seiten einen Überblick, über Leistungen und Beratungsstellen.

Soziale Einrichtungen und Institutionen (etwa AWO, Caritas, Diakonie, DRK, der Paritätische) bieten auf zentralen Internetplattformen Informationen zum Thema Pflege, ebenso helfen Kirchengemeinden mit Rat und Tat weiter.

Selbsthilfe-Netzwerke bieten außerdem regelmäßigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Eine zentrale Anlaufstelle ist die "NAKOS" - Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen. Dort findet man Adressen und Informationen auch speziell über Selbsthilfe und Pflege.

Anspruch für Angehörige auf Pflegezeit

Wird ein Familienmitglied pflegebedürftig und braucht akut Hilfe, haben Sie das Recht, sich kurzfristig zehn Tage von der Arbeit freistellen zu lassen, um grundlegende Anliegen der Pflege organisieren zu können.

Darüber hinaus gibt es noch längere Pflegezeiten, denn wenn zu Job und Kindererziehung die Pflege eines Familienmitgliedes kommt, dann müssen pflegende Angehörige dringend entlastet werden. Die Familienpflegezeit setzt hier an: Pflegende haben - je nach Arbeitsverhältnis - einen Anspruch darauf, bis zu 24 Monate ihre Arbeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche zu reduzieren, um Angehörige in häuslicher Umgebung zu pflegen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf dem Service-Portal des Familienministeriums "Wege zur Pflege".

Den Pflegebedarf klären

Ein Pflegefall in der Familie ist immer eine herausfordernde Situation, bei der wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Auch wenn es schwer fällt, sollten Sie zunächst für sich selbst folgende Fragen realistisch und offen beantworten:

  • Wie ist der Pflegebedarf Ihres Angehörigen aktuell und wie schnell wird er sich noch erhöhen?
  • Wohnen Sie in der Nähe des Pflegebedürftigen oder weit entfernt?
  • Gibt es andere Familienmitglieder und Freunde, die bei der Pflege mithelfen könnten?
  • Wie steht es finanziell um den Pflegebedürftigen? Und wie um Sie?
  • Wie stehen Sie selbst zu der Situation: Können Sie sich vorstellen, ihren Angehörigen selbst zu pflegen? Haben Sie die Kraft und die Möglichkeiten dazu?

Sprechen Sie zudem unbedingt mit ihrem Angehörigen, was er sich für seine Pflege wünscht, was er möchte oder eben nicht und was realistisch umsetzbar ist.

Antrag auf Pflegegeld

Pflegen kostet Geld. Für eine finanzielle Unterstützung sollten Sie einen Antrag bei der Pflegekasse stellen. Ein formloses Schreiben reicht hier erst einmal aus und: am besten zeitnah, sonst verschenken Sie Geld. Die Pflegekasse schickt Ihnen dann ein Antragsformular zu oder sie finden dieses auch im Internet.

Sobald Sie Pflegeleistungen beantragt haben, beauftragt die Pflegeversicherung den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Ein Vertreter des MDK erstellt ein Gutachten, ob und in welcher Höhe einem Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherungen zustehen. Bereiten sie sich und den Pflegebedürftigen gut auf den Termin vor und schildern sie die Umstände realistisch. Sind bereits Personen pflegerisch tätig, sollten auch die beim Termin mit dabei sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 27.03.2018 | 12:00 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Herdenimmunität: Auf einer grafischen Darstellung stehen drei Menschen immun gegen das Virus gegenüber einer Person, die nicht noch ansteckend ist. © Colourbox

Herdenimmunität: Ausweg aus der Corona-Pandemie

80 bis 85 Prozent der Deutschen müssten geimpft sein, um eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus zu erreichen. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr