Sendedatum: 10.03.2014 21:00 Uhr  | Archiv

Irrweg IGeL: Wem nutzen die Zusatzleistungen?

Manchmal geht es bei einem Arztbesuch wie bei einem Verkaufsgespräch zu. Einige Ärzte wollen ihren Kassenpatienten Leistungen schmackhaft machen, die die Krankenkasse nicht bezahlt, etwa eine Vorsorgeuntersuchung.

IGeL

Darunter versteht man alle Leistungen, die nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Dazu gehören Atteste und Reiseimpfungen, aber zum weitaus größeren Teil medizinische Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung und Therapie von Krankheiten.

Diese individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) verkauft ein Arzt etwa als Aufwertung der gesundheitlichen Versorgung. Allerdings sind viele der Leistungen, besonders bei der Früherkennung von Krankheiten, schlecht erforscht oder gar nutzlos.

Tipp: Informationen und Hilfe bekommen Patienten zum einen auf der Webseite "Der IGeL-Monitor", zum anderen bei der Unabhängigen Patientenberatungin Deutschland.

Beispiele für fragwürdige IGe-Leistungen:

Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung

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Nicht jede Ultraschalluntersuchung ist sinnvoll.

Sucht der Arzt mit Ultraschall nach auffälligen Befunden im Unterleib, kann er durchaus mal fündig werden. Doch gutartige Zysten und Krebs seien so gar nicht unterscheidbar, sagen Wissenschaftler. Nur durch eine Operation an den Eierstöcken könne man das herausfinden. Studien zufolge stießen Ärzte aber nur bei einer von 20 operierten Frauen tatsächlich auf Krebs.

Fazit: Als alleiniges Diagnosemittel nicht empfehlenswert. Und vor einer Operation eine zweite Meinung einholen.

PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

Der Test ist eine der am häufigsten angebotenen IGe-Leistungen für den Mann. Bei diesem Test suchen die Mediziner das "Prostata-spezifische Antigen" im Blut des Patienten. Ist besonders viel von diesem Molekül vorhanden, kann das ein Hinweis auf Prostatakrebs sein. Studien zeigen allerdings: Auch dieser Test löst viele Fehlalarme aus. Denn Fahrradfahren, Alkohol oder Sex beeinflussen den Test und können das Ergebnis falsch-positiv ausfallen lassen.

Fazit: Der Nutzen des Tests ist wissenschaftlich nicht geklärt. Und ein positives Ergebnis heißt noch lange nicht, dass man Krebs hat.

Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung des Grünen Star

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Augenärzte bieten die Messung des Augeninnendrucks als Zusatzleistung an.

Diese Art der Glaukom-Früherkennung bieten Augenärzte sehr häufig an. Dabei wird einfach nur der Augeninnendruck gemessen. Kostenpunkt: etwa 30 Euro pro Untersuchung. Doch um wirklich den Grünen Star zu erkennen, reicht die Augeninnendruck-Messung nicht aus, sondern dafür müsste auch der Sehnerv untersucht und eine Gesichtsfelduntersuchung gemacht werden. Damit ist diese Leistung kein seriöses Angebot.

Fazit: Besser kein Geld dafür ausgeben! Lieber zuerst eine Gesichtsfelduntersuchung durchführen lassen, die übrigens auch die gesetzliche Krankenkasse zahlt .

M2-PK-Stuhltest zur Früherkennung von Darmkrebs

Wissenswertes

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland.

Bei diesem Test gibt der Patient eine Stuhlprobe ab und im Labor wird dann ein ganz bestimmtes Enzym gesucht. Laut Hersteller des Tests können Spuren dieses Enzyms Darmkrebs oder dessen Vorstadien anzeigen. Dieser Test erkennt zwar 70 Prozent der Darmkrebsfälle, aber löst gleichzeitig sehr oft Fehlalarm aus und fällt damit auch positiv bei Personen aus, die keinen Darmkrebs haben.

Fazit: Besser das Geld sparen und gleich eine Darmspiegelung, die die zuverlässigste Methode zur Erkennung von Darmkrebs ist, machen lassen. Die bezahlt ab dem 55. Lebensjahr sogar die Krankenkasse.

Weitere Informationen

IGeL: Wenn der Arzt zur Kasse bittet

IGeL-Leistungen sind Angebote der Ärzte, die Patienten selbst bezahlen müssen.Visite hat Zusstzleitungen der Fachärzte unter die Lupe genommen. mehr

Dieses Thema im Programm:

plietsch. | 10.03.2014 | 21:00 Uhr

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