Stand: 27.02.2018 23:15 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Neuen Schlaganfall verhindern

Inge: Kann dauerhafter psychischer Stress zum Schlaganfall führen? Was passiert in einer solchen Situation im Körper?

Gerloff: Stress führt nicht direkt zu Schlaganfällen. Allerdings kann durch Stress und einen ungesunden Lebenswandel zum Beispiel eine Blutdruckerhöhung entstehen. Diese kann über längere Zeit das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Gast: Woher weiß ich, ob NOAKs oder Marcumar die richtige Therapie für mich sind? Der Facharzt und der Hausarzt sind sich da leider uneinig.

Gerloff: Ohne Sie persönlich zu kennen, kann man diese Frage nur sehr allgemein beantworten. Generell gilt, dass vor allem das Risiko einer Hirnblutung als Nebenwirkung der Blutverdünnung bei den NOAKs geringer ist als bei Marcumar. Wenn allerdings jemand über viele Jahre mit Marcumar ganz stabil eingestellt ist, kann man dies auch fortführen. Neueinstellungen erfolgen heutzutage in Gefäß-Zentren bevorzugt mit NOAKs.

Friedo: Muss man nicht Nebenwirkungen befürchten, wenn man Cholesterinsenker einnimmt?

Gerloff: Generell sind bedenkliche Nebenwirkungen von Cholesterinsenkern selten. Es können zum Beispiel Muskelschmerzen auftreten, dann sollte der Arzt aufgesucht werden, gegebenenfalls das Medikament pausiert oder abgesetzt werden. Es kommen dann alternative Präparate in Frage (Statine, Ezetimib). Bei schon guter Ernährung kann man das sogenannte LDL-Cholesterin nur um etwa zehn Prozent senken, daher sind oft Cholesterinsenker notwendig. Nach neueren Studien sind Nebenwirkungen auf das Denkvermögen (Kognition) sehr unwahrscheinlich.

Xylla: Ich bin 71 Jahre alt, weiblich, hatte vor einem Jahr eine Operation an der linken Leiste wegen Arterienverschluss. Ich nehme keine Blutverdünner oder Cholesterinsenker - aus Angst vor den starken Nebenwirkungen. Ich bin 176 Zentimeter groß und wiege 53 Kilogramm, Blutdruck niedrig. Ist meine Angst berechtigt?

Gerloff: Wenn die Ursache des Arterienverschlusses eine Arteriosklerose war, dann überwiegt typischerweise der Nutzen von Blutverdünnern und Cholesterinsenkern die möglichen Nebenwirkungen. Sie sollten nochmals mit Ihrem Hausarzt darüber reden.

1: Nach einem Infarkt vor vier Jahren bekam ich ASS, Delix, Beloc Zok mite und Simvastatin verschrieben. Es stellten sich in den nächsten Wochen sehr starke Rückenschmerzen über den gesamten Rücken ein. Mehrere Arztbesuche ergaben keine Lösung. Der Kardiologe meinte, die Statine gäben mir "Benefit", obwohl ich keine erhöhten Cholesterin- und Blutdruckwerte hatte. In meiner Betroffenheit ließ ich das Statin weg. Die Schmerzen verschwanden innerhalb weniger Tage. Ist das Weglassen zu vertreten?

Gerloff: Sie haben das zunächst mal ganz richtig gemacht. Wenn man Cholesterinsenker kurzfristig absetzt, um zu prüfen, ob bestimmte atypische Nebenwirkungen dann weg sind, ist das eine sinnvolle Maßnahme. Nun gibt es verschiedene Statine, die nicht alle dieselben Nebenwirkungen verursachen. Und es gibt alternativ auch Ezetimib, wo derartige Nebenwirkungen nicht zu erwarten sind. Sprechen Sie nochmals mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen.

Jutta: Ich bin 50, weiblich und habe seit 30 Jahren zu hohe Cholesterinwerte. Ich bin Vegetarier und esse wenig Fett. Blutdruck niedrig, viel Bewegung, keine familiäre Belastung. Cholesterin 295, HDL 56, LDL 162. Statine nehmen?

Gerloff: Die Empfehlung ist ganz klar: Gehen Sie einmal zu einem Lipidologen. Möglicherweise liegt eine genetische Hypercholesterinämie vor. Ich würde in dieser Situation zum Beispiel einmal die Halsschlagadern mit Ultraschall untersuchen. Wenn dort Arteriosklerose vorliegt, muss man behandeln.

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Visite | 27.02.2018 | 20:15 Uhr

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