Stand: 24.10.2017 22:32 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Schulterschmerzen

Mary: Ich heiße Maria und bin 26 Jahre alt. Ich spiele seit zehn Jahren Volleyball, habe seit fünf Jahren Schmerzen in der Schulter. Mir wurde erst vor fünf Monaten gesagt, dass ich das Impingement-Syndrom habe. Dies ist nun behoben, allerdings habe ich dann weitergespielt und nun habe ich ein Tossy, Grad 1 bis 2, in der Schulter. Ich trage nun einen Gilchristverband, habe aber höllische Schmerzen. Was soll ich weiter tun? Wie lange muss ich das tragen und wann tritt eine Besserung ein?

Wellmann: Auch bei Tossy-Verletzungen (des Schulter-Eckgelenks) sind Begleitverletzungen des Schulter-Hauptgelenks möglich und beschrieben. Um dies auszuschließen und die Ursache der Schmerzen herauszufinden, empfehle ich die Durchführung eines MRTs und die Vorstellung bei einem Schulterexperten. Sollte das Ablegen des Gilchristverbandes zu einer Schmerzlinderung führen, kann dieser bei einer Tossy 1- bis 2-Verletzung guten Gewissens weggelassen werden.

Karin: Ich habe eine ausgedehnte intratendinöse Rissbildung proximal des Ansatzes in der Supraspinatussehne. In erster Linie Tendinopathie der Subscapularissehne. Die übrigen Sehnen der Rotatorenmanschette sind intakt. Meine Fragen: Muss ich mich operieren lassen oder kann ich die defekte Sehne durch gezielte Übungen mit dem Thera-Band wieder aufbauen?

Wellmann: Intratendinöse Rissbildungen sind nur schwer operativ zu behandeln, sofern die Sehne noch am Knochen anheftet. In diesen Fällen kann die konservative Therapie ausgereizt werden: PRP-Injektionen, Pendelübungen und Rotatorenmanschetten-Training mit dem Thera-Band.

Sandra B.: Zehn Wochen nach einer Operation der Supraspinatussehne habe ich starke Schmerzen nach der Krankengymnastik. Ist das normal? Es lag ein Impingement-Syndrom und ein Kalkdorn sowie ein Abriss vor.

Wellmann: Schmerzen zehn Wochen nach der Operation können noch einem normalen Verlauf nach einer Sehnenoperation entsprechen, sollten aber ärztlich abgeklärt werden. Hier ist eine Ultraschalluntersuchung anzuraten und die Schulter sollte auf eine sogenannte Schultersteife hin untersucht werden.

Unbekannt: Bei mir wurde ein Impingement-Syndrom diagnostiziert. Physiotherapie hat bisher nicht viel genutzt. Ich habe ständige Schmerzen und Probleme mit der Rotation. Ich möchte mich aber ungern operieren lassen. Gibt es Alternativen? Habe von Injektionen mit kristallinem Kortison gehört. Bringt das etwas?

Wellmann: Sofern ein struktureller Schaden der Rotatorenmanschette (Sehnenriss) per MRT oder Ultraschall ausgeschlossen wurde, ist bei Vorliegen einer Bursitis eine Injektion von Kortison gerechtfertigt. Dies sollte aber maximal zweimal wiederholt werden.

Klaus: Ich hatte einen Muskelfaserriss im Oberarm, Oberseite. Mit sichtbarem Bluterguss. Das ist sechs Monate her. Ultraschall wurde gemacht. Ich habe heute immer noch Schmerzen, wenn der Arm nach hinten bewegt wird. Was raten Sie mir?

Wellmann: Ich würde ein MRT der Schulter inklusive des proximalen Oberarms empfehlen.

Unbekannt: Ich habe mir vor drei Wochen in der linken Schulter die Sehne außen angerissen. Wächst sie alleine wieder zusammen oder nicht? Ich bekomme seit zwei Wochen Krankengymnastik, aber es schmerzt dadurch noch mehr.

Wellmann: Spontane Heilungsverläufe bei Rotatorenmanschettenrissen sind nicht bekannt. Der zunehmende Schmerz spricht eher für eine operative Refixation der Sehne.

Reiner H.: Im September wurde ein Rotatorenmanschettenabriss diagnostiziert. Aus beruflichen Gründen wollte ich mich erst Anfang Dezember operieren lassen. Reicht das aus oder sollte ich die OP vorziehen?

Wellmann: Ein Zeitintervall von drei Monaten zwischen Unfall und OP ist medizinisch vertretbar. Es gibt allerdings einige Sehnenrisse (Beteiligung von zwei Sehnen und Beteiligung der Subscapularissehne), die ein noch schnelleres Vorgehen notwendig machen würden.

Sholder: Wie unterscheide ich zum Beispiel bei der Außenrotation zwischen einer Sehnenverletzung und einer sogenannten Schultersteife/-verklebung?

Wellmann: Sofern nur die aktive Außenrotation eingeschränkt ist, spricht dies für einen Sehnenriss. Sollten aktive und passive Außenrotation eingeschränkt sein, spricht das für die Schultersteife. In diesem Fall wären auch die Innenrotation und die Abduktion eingeschränkt.

Pritzwalk: Was tun, wenn ein mehrfacher Sehnenschaden (Ruptur Infra-, Supra-, und Subscapularissehne) und irreparable Ruptur des Tuberculum Majus, nach Humeruskopf-Luxation-Trümmerfraktur vorliegen? Welche Möglichkeiten habe ich überhaupt noch?

Wellmann: In diesem Fall ist sehr wahrscheinlich die Implantation einer sogenannten inversen Schulterprothese die beste Therapieoption, sofern der Leidensdruck entsprechend ausgeprägt und die Schulterfunktion stark eingeschränkt ist.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.10.2017 | 20:15 Uhr

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