Stand: 20.06.2017 22:54 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Hörsturz

Unbekannt: Ich hatte in den letzten zwei Monaten insgesamt sieben vom HNO diagnostizierten Hörstürze. Welche Ursache kann es hierfür geben?

Meyer: Sieben Hörstürze in zwei Monaten sind in der Tat ungewöhnlich. Mir fällt in erster Linie eine Menière-Erkrankung als wichtigste Differenzialdiagnose ein. Aber auch seltenere Erkrankungen, die den Hörnerv betreffen, oder rheumatische Erkrankungen kommen infrage. Ist bereits eine Kernspin-Untersuchung des Kopfes durchgeführt worden?

Hauke: Neben einer geringeren Hörfähigkeit macht vor allem ein Rauschen auf dem Ohr meiner Gesamthörfähigkeit zu schaffen, ist dies ein begleitendes Symptom?

Meyer: Das Rauschen ist häufig eine unmittelbare Folge des Hörverlustes. Gelingt es, den Hörverlust beispielsweise mit einem Hörgerät auszugleichen, tritt nicht selten auch eine Besserung des Ohrgeräusches ein.

Frank N.: Hilft hyperbarer Sauerstoff in einer Überdruckkammer gegen Hörsturz?

Meyer: Die Behandlung mit hyperbarem Sauerstoff ist aufwendig und der Effekt konnte bislang in keinen hochwertigen Studien nachgewiesen werden. Ich kann Ihnen daher weder zu- noch abraten.

Matthias: Nach einem Hörsturz vor wenigen Wochen leide ich unter einem Tinnitus. Welche Therapie würden Sie empfehlen?

Meyer: Tinnitus ist häufig eine Folge des Hörverlustes. Mit einer erfolgreichen Behandlung des Hörens verschwindet dieser meist von selbst. Bleibt ein Hörverlust zurück, kann eine Versorgung mit einem Hörgerät häufig auch den Tinnitus bessern.

Unbekannt: Ich hatte im Februar einen Hörsturz und ging sofort ins Krankenhaus, wo mir Kortisontabletten verschrieben wurden. Diese nahm ich fünf bis sechs Tage, es wurde besser. Vor circa einem Monat aber wurde es wieder schlimmer und diesmal auf beiden Ohren. Keine Schmerzen, eher ein Gefühl, als würde sich das Trommelfell zusammenziehen. Dazu sind oftmals Geräusche nicht dumpf, sondern vielmehr sehr intensiv. Was kann ich dagegen tun? Wird es für immer so bleiben? Haben Sie Erfahrungen mit solch einem Fall?

Meyer: Die Symptome, die Sie schildern, sind nicht leicht einzuordnen. Verschiedene Erkrankungen des Gehörs können zu einer sogenannten Hyperakusis führen (übermäßige Empfindlichkeit). Für eine Diagnose ist leider eine genaue Hörtestung erforderlich.

Daniel: Was halten Sie - im Anschluss an eine Kortison-Behandlung oder parallel dazu - von einer Behandlung mit Medikamenten mit dem Wirkstoff Pentoxifyllin (Trentral)?

Meyer: Trental ist ein Medikament, das seit vielen Jahren in der Hörsturztherapie verwendet wird, für das jedoch ebenfalls keine guten Studiendaten vorliegen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben daher die Erstattung des Medikaments eingestellt und auch wir verwenden das Medikament in unserer Klinik nicht mehr. Gegen eine begleitende Therapie neben dem Kortison ist jedoch eigentlich nichts einzuwenden.

Chris: Ich hatte im Jahr 2000 und 2001 Hörstürze (rechtes Ohr), bekam Infusionen. Ich höre nicht gut, manchmal auch mit Hall. Kann ich jetzt noch Kortisontabletten nehmen?

Meyer: Die Behandlung eines Hörsturzes, der so lange zurückliegt, erscheint mir nicht sinnvoll. Bei dem Symptom einer Hallhörigkeit kann dem Hörverlust jedoch auch eine Menière-Erkrankung zugrunde liegen. Diese wäre eventuell einer Therapie noch zugänglich. Eine genaue Hörtestung wird hier vielleicht Aufschluss geben.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.06.2017 | 20:15 Uhr

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