Stand: 18.02.2019 13:36 Uhr

Adipositas erkennen und behandeln

Diagnose

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Christoph F. hat einen Body-Mass-Index von 52 - ab 25 gilt man als übergewichtig.

Falls Ihre Werte beim Body Mass Index (BMI), Bauchumfang oder dem Taille-Hüft-Verhältnis auf Übergewicht hindeuten, sollten Sie einen Termin mit dem Hausarzt oder einem erfahrenen Ernährungsmediziner vereinbaren. Er erhebt eine umfassende Krankengeschichte und untersucht

Zudem erstellt der Arzt eine Familien-, Psycho- und Sozialanamnese sowie eine Suchtanamnese, das heißt: Er erfragt etwaige private oder berufliche Probleme. Nur so lassen sich die Ursachen wirklich eingrenzen.

Therapie

Gemeinsam mit einem Ernährungsmediziner erarbeiten Adipositas-Betroffene ein Konzept für eine sogenannte konservative Therapie - Krankenkassen unterstützen dies. Das bedeutet: Das Essverhalten wird analysiert, Ernährungsfehler dabei herausgefiltert und ein individueller Diätplan erstellt. Ein Plan, der möglichst viel Rücksicht auf persönliche Vorlieben nimmt.

Dennoch bedeutet die Ernährungstherapie für die meisten Betroffenen deutliche Umstellungen. Zukünftig wird hauptsächlich Gemüse auf den Teller kommen - darunter gern Hülsenfrüchte, die neben Ballaststoffen auch noch sättigendes Eiweiß mitbringen. Zweimal wöchentlich mageres Fleisch und Fisch sind ebenfalls gute Eiweißlieferanten. Täglich rund 1 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht wird empfohlen, möglichst auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilt.

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Beim Essen gilt die Devise: wenig Kohlenhydrate - viel Gemüße.

Kohlenhydrate sind stark einzuschränken - für Kinder gilt dies nicht ganz so strikt, aber "leere" Kohlenhydrate wie (versteckte) Zucker sollten auch sie weitgehend meiden. Das bedeutet: wenig Fertigprodukte, insbesondere möglichst wenig Fruchtsäfte, Knuspermüslis, Snacks und Backwaren.

Unter Umständen ist für den Anfang eine Formula-Diät nötig, die auch ärztlich verordnet werden kann. Manchen hilft Intervallfasten. Je nach Schwere der Krankheit kann sogar eine stationäre Therapie infrage kommen.

Ein spezielles sportliches Training unterstützt Betroffene dabei, wieder mobil zu werden und dadurch mehr Kalorien zu verbrennen. Dabei sollte eine Komponente gezieltes Krafttraining sein, weil Muskeln den Grundumsatz erhöhen - Muskeln verbrennen mehr Kalorien als Fettpolster, sogar wenn man mal in Ruhe auf dem Sofa sitzt.

Operation nur als allerletzter Ausweg

Ab einem BMI von über 40 genügt eine konservative Therapie manchmal nicht. Auch fallen Adipositas-Kranke zuweilen in ihre alten Verhaltensmuster zurück. In solchen Fällen kann eventuell eine operative Therapie helfen: Der Magen wird mit einem chirurgischen Eingriff verkleinert (Magen-Bypass oder Schlauchmagen), das Sättigungsgefühl stellt sich daraufhin schneller ein.

Allerdings ist die Operation kein Freifahrtschein, so weiterzumachen wie bisher: Sport zu treiben ist künftig ebenso unerlässlich wie auch weiterhin das Einhalten eines speziell erstellten Ernährungsplans. Denn durch den operativ verkürzten Verdauungsgang hat der Körper weniger Gelegenheit, wichtige Nährstoffe aus der Nahrung zu ziehen. Was viele nicht ahnen: Nach der Operation können Verdauungsprobleme die Lebensqualität beeinträchtigen.

Da die OP sich nicht rückgängig machen lässt, sollten zuerst alle nichtoperativen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion ausgeschöpft werden.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 18.02.2019 | 21:00 Uhr

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Zum Ausdrucken

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