Stand: 17.03.2015 13:18 Uhr  | Archiv

Zeitumstellung kann wie Mini-Jetlag wirken

Jedes Frühjahr werden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt. Die Gewöhnung an die neue Zeit fällt den meisten Menschen jedoch schwerer als gedacht. 23 Prozent der Deutschen klagen nach der Zeitumstellung über Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche oder sogar Depressionen. Ähnliche Symptome, unter denen auch Schichtarbeiter besonders häufig leiden.

Milliarden Uhren im Körper

Eigentlich ticken im menschlichen Körper Milliarden Uhren, denn jede Zelle hat ihren eigenen genetischen Zeitmesser. Ein zentrales Zeitzentrum im Gehirn gibt den Körperzellen mit regelmäßigen Impulsen den Takt vor und synchronisiert sie. Das Zeitzentrum sitzt in der Nähe der Sehnervenkreuzung. Hier befindet sich eine Ansammlung von Nervenzellen, der Suprachiasmatische Nucleus (SCN). Über die Augen misst er den Lichteinfall, erkennt die Tageszeit und stimmt die Abläufe der Zelluhren aufeinander ab.

Die innere Uhr steuert zahlreiche Körperfunktionen, darunter den Ausstoß bestimmter Hormone, die Pulsfrequenz und auch die geistige Leistungsfähigkeit. Mittags werden zum Beispiel besonders viele Verdauungsenzyme ausgeschüttet - der Hunger meldet sich. Und abends wenn es dunkel wird, sorgt das Schlafhormon Melatonin für Müdigkeit.

Verschiedene Chronotypen: Eule oder Lerche?

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Ein Leben gegen den Takt der inneren Uhr macht nicht nur dauermüde, sondern kann auch der Gesundheit schaden.

Wer Frühaufsteher und wer Langschläfer ist, ist bereits genetisch festgelegt und lässt sich auch nicht umprogrammieren. Wissenschaftler sprechen dabei von verschiedenen Chronotypen. Menschen, die zum Chronotyp "Eule" zählen und erst spät am Tag aktiv werden, leiden meist mehr unter der Sommerzeit als die "Lerchen", die morgens früh wach und abends früher müde sind.

Ein Leben gegen den Takt der inneren Uhr macht nicht nur dauermüde, sondern kann auf Dauer auch der Gesundheit schaden. Die Betroffenen fühlen sich ständig wie nach einem Langstreckenflug: Konzentrationsschwächen, Stimmungsschwankungen und Verdauungsstörungen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Schwächung des Immunsystems können die Folgen sein. Je größer der soziale Jetlag - so nennen Mediziner den Unterschied von innerer Uhr zur gesellschaftlich vereinbarten Uhrzeit - ist, desto größer ist wohl auch das Gesundheitsrisiko.

Mehr Herzinfarkte nach Umstellung auf Sommerzeit

Forscher aus Lübeck haben herausgefunden, dass der Stoffwechsel ihrer Probanden schon nach zwei Tagen Schlafentzug negativ beeinflusst wird. Das passt auch zu den Daten der DAK, die bei ihren Versicherten 25 Prozent mehr Herzinfarkte in den ersten drei Tagen der Sommerzeit zählt. Damit sich die Sommerzeit nicht wie ein Mini-Jetlag auswirkt, empfehlen die Chronobiologen vor allem eins: morgens so viel Sonne wie möglich tanken. Denn das Licht am Morgen ist der wichtigste Taktgeber für die innere Uhr.

Weitere Informationen

Es gilt wieder die Sommerzeit

Der Sommer liegt noch in weiter Ferne, aber die Sommerzeit gilt wieder: In der Nacht zu Sonntag wurden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Abends bleibt es damit länger hell. mehr

Interviewpartner im Beitrag

Prof. Dr. Till Roenneberg
Leiter der Human Chronobiologie
Am Institut für Medizinische Psychologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Goethestraße 31
80336 München
Internet: www.euclock.org/

Prof. Dr. med. Sebastian Schmid
Oberarzt
Medizinische Klinik I, Experimentelle und Klinische Endokrinologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

Prof. Dr. Henrik Oster
Gruppenleiter
AG Chronophysiologie
Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Internet: www.chronophysiologie.uni-luebeck.de/

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