Stand: 05.04.2016 12:53 Uhr  | Archiv

Zahl der Tuberkulose-Fälle steigt

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Das Tuberkulose-Bakterium ist sehr klein und kann so auch das menschliche Abwehrsystem überlisten.

Von allen Infektionskrankheiten sterben weltweit nach wie vor die meisten Menschen an Tuberkulose. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist daran erkrankt. Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO war es, dass Tuberkulose schon vor zwei Jahren bei uns ausgerottet sein sollte - doch nun nimmt die Zahl der Erkrankten wieder zu. Der Grund: Nach dem Ende der Sowjetunion und den politischen Veränderungen in den Ostblock-Staaten brachen die dortigen Gesundheitssysteme fast zusammen. Der Erreger konnte sich in diesen Regionen wieder vermehren. Zuwanderung, Flugverkehr und Reisen in ferne Länder tragen ebenfalls zum Anstieg der Erkrankungen bei.

Tuberkulose-Erreger können Immunsystem überlisten

Obwohl die Krankheit hierzulande bisher noch sehr selten vorkommt, sind Experten alarmiert: Denn einige Arten des Tuberkulose-Erregers haben mittlerweile Resistenzen gegen eine Vielzahl von Antibiotika entwickelt und sind daher nur sehr schwer zu behandeln. Auch für das Immunsystem stellt das Mycobacterium tuberculosis ein Problem dar. Die Bakterien sind so klein, dass sie sich sogar in den Fresszellen verstecken können und so das menschliche Abwehrsystem überlisten. Außerdem bricht die Krankheit meist nicht sofort aus - Infizierte tragen den Erreger daher wie eine tickende Zeitbombe in sich. Dies erschwert die Diagnose zusätzlich, denn die Betroffenen wissen meist selbst nicht, dass sie bereits die Bakterien in sich tragen.

Verbreitung über Tröpfcheninfektion

Die Krankheit verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion und gelangt dann durch Einatmen in die Lunge. Meist kann das körpereigene Abwehrsystem sie hier direkt unschädlich machen. Doch bei jedem zehnten Infizierten funktioniert das nicht. Dann vermehren sich die Bakterien, die Krankheit wird ansteckend und man spricht von einer "aktiven" Tuberkulose. Vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem, beispielsweise chronisch Kranke und ältere Menschen, sind dann gefährdet. Die Symptome sind Husten, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Die Erreger vermehren sich vor allem in der Lunge und zerstören dort das Gewebe. Auf Röntgenbildern zeigt sich dann eine typisch löchrige Lunge, weshalb zum Beispiel auch alle Flüchtlinge ab einem Alter von 15 Jahren geröntgt werden, die nach Deutschland kommen.

Patienten müssen in Quarantäne

Wird eine Tuberkulose diagnostiziert, werden Erkrankte sofort isoliert und behandelt. Dabei kann es Wochen bis sogar Monate dauern, bevor Patienten die Quarantäne wieder verlassen können. Der beste Schutz vor dem Erreger wäre eine Impfung, denn so könnte die Verbreitung der Krankheit vor allem auch in Entwicklungsländern rasch gestoppt werden. Mediziner arbeiten daher weltweit bereits an etwa zehn verschiedenen Impfstoffen - bisher noch ohne einen vielversprechenden Durchbruch.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Katharina Kranzer
Leiterin Nationales Referenzzentrum für Mykobakterien (NRZ)
Forschungszentrum Borstel - Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Parkallee 1-40
23845 Borstel
Tel. (04537) 188 21 10
Fax (04537) 188 31 10
E-Mail: nrz@fz-borstel.de
Internet: www.fz-borstel.de/cms/forschungszentrum/nationales-referenzzentrum-fuer-mykobakterien.html/

Dr. Jan Heyckendorf
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Klinische Infektologie
Forschungszentrum Borstel - Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Parkallee 1-40
23845 Borstel
Tel. (04537) 18 80
Fax. (04537) 188 31 30
Internet: www.fz-borstel.de/cms/forschungszentrum/programmbereich-infektionen/klinische-infektiologie.html/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.04.2016 | 20:15 Uhr

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