Stand: 07.07.2014 12:52 Uhr  | Archiv

Wenn Männer in die Wechseljahre kommen

Nicht nur Frauen, sondern auch Männer kommen in die Wechseljahre. Ursache ist ein sinkender Hormonspiegel. Die Wechseljahre des Mannes bezeichnet man als Testosteron-Mangel-Syndrom. Die Produktion des wichtigsten männlichen Geschlechtshormons steigt vom 25. bis 30. Lebensjahr stetig an und bleibt bis etwa zum 35. bis 40. Lebensjahr konstant. Danach sinkt der Testosteron-Spiegel pro Jahr um durchschnittlich 1,2 Prozent.

Auch das Gleichgewicht zwischen den Hormonen verschiebt sich. Dabei gibt es große individuelle Unterschiede: Ein Viertel der Männer hat auch im Alter Testosteron-Werte wie in jungen Jahren, während die Werte bei anderen kaum noch messbar sind.

Symptome wie Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen

Bei 30 Prozent der Betroffenen hat der veränderte Hormonspiegel genetische Ursachen. Andere Gründe können Alkohol, Medikamente, psychischer und körperlicher Stress sowie schwere Erkrankungen sein.

Der Testosteron-Mangel kann zu Antriebslosigkeit und Rückgang der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Schlafstörungen, Hitzewallungen, starkem nächtlichem Schwitzen oder Herzrasen führen. Die sexuelle Aktivität kann ebenso nachlassen wie die Muskelkraft. Außerdem nimmt das Osteoporoserisiko zu.

Sinken die Hormonwerte extrem - etwa bei jedem dritten Mann über 55 Jahre - spricht man von einem Hypogonadismus. Bei dieser Erkrankung produzieren die Hoden nicht mehr genug Testosteron.

Was passiert im Körper?

Gesteuert wird die Testosteron-Produktion von der Hormonzentrale im Zwischenhirn. Sie sendet Signale, die in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Hormon-Ausschüttung anregen. Eines dieser Hormone wirkt direkt auf die Hodenzwischenzellen, die sogenannten Leydig’schen Zellen. Sie produzieren vor allem das Testosteron. Mit zunehmendem Alter lassen die zentrale Steuerung und die Hodenfunktion nach. Hinzu kommt ein Anstieg des SHBG (Sexualhormon bindendes Globulin), welches das Testosteron an sich bindet und so neutralisiert.

Hormonersatztherapie kann helfen

Obwohl viele Männer schon ab dem 40. Lebensjahr unter den Symptomen des sinkenden Testosteronspiegels leiden, konsultieren die wenigsten einen Arzt.

Eine gezielte Hormonersatztherapie kann die physische und psychische Befindlichkeit verbessern und zu einer Zunahme von Kraft und Leistungsfähigkeit führen. Die Gabe von Hormonen kann außerdem einen positiven Einfluss auf die Libido und auf den Fettstoffwechsel haben.  

Allerdings kann zugeführtes Testosteron das Risiko für Prostatakrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und es können Nebenwirkungen wie etwa Brustschmerzen auftreten

Prostatakrebs-Patienten von Hormontherapie ausgeschlossen

Am Beginn der Behandlung steht eine Blutuntersuchung, die Aufschluss über den Hormonspiegel gibt. Bei einem Testosteron-Wert unter zwölf Nanomol pro Liter (nMol/l) kann eine Hormontherapie sinnvoll sein. Dafür kann der Mann ein Testosteron-Gel täglich selbst auf die Haut auftragen oder der Arzt verabreicht alle zwölf Monate eine lang wirkende Testosteron-Spritze. Da sich eine Testosteron-Gabe auf die Prostata auswirkt, sind Prostatakrebs-Patienten von einer Hormontherapie ausgeschlossen.

Mit regelmäßiger körperlicher und sexueller Aktivität sowie gesunder Ernährung können Männer einem sinkenden Testosteronspiegel vorbeugen.

Interviewpartner

Prof. Dr. Frank Sommer
Urologe, Univ. Prof. für Männergesundheit
Leiter Abteilung Männergesundheit
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 50 56
Fax (040) 741 05 47 34

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Visite / 03.09.2013 / 20:15

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