Stand: 30.03.2015 09:50 Uhr  | Archiv

Wenn Stress Sehstörungen auslöst

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Vor allem Männer sind von Retinopathia Centralis Serosa betroffen.

Ein grau-schwarzes Loch taucht im Blickfeld auf, Grauschleier trüben die Sicht, Gegenstände erscheinen plötzlich verzerrt oder doppelt: Das sind typische Symptome einer Retinopathia Centralis Serosa (RCS). Das unter Ärzten auch als "Managerkrankheit des Auges" bekannte Augenleiden trifft vor allem Männer zwischen 20 und 50 Jahren, inzwischen sind aber auch immer öfter Frauen betroffen.

Wichtigster Auslöser: Stress

Zu viel Stress gilt als wichtigster Auslöser dieser Krankheit. Wird vermehrt das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet, kann das auch die Blutgefäße in der Aderhaut unter der Netzhaut schädigen. Sie werden porös und sondern Flüssigkeit ins Gewebe ab, die die Netzhaut anhebt. Die Folge: Das Auge wird weitsichtig, sodass Betroffene eine Brille benötigen. In schweren Fällen kommt es auch zu winzigen Rissen in der Netzhaut und zum Austritt von Flüssigkeit in den Augapfel.

Die typischen Symptome und die Spiegelung des Augenhintergrundes bringen den Augenarzt auf die richtige Spur. Mit einer Fluoreszenzangiographie oder einer optischen Kohärenztomographie (OCT) lässt sich die Diagnose im Anschluss sichern. Oft heilt eine RCS innerhalb weniger Monate von allein ab, sobald der Stress nachlässt.

Was tun, wenn die Beschwerden nicht zurückgehen?

Wenn die Beschwerden nicht verschwinden oder immer wieder auftreten, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Die häufigste ist in der Regel die Lasertherapie: Dabei wird die undichte Stelle in der Aderhaut mit dem Laser verödet. Da dabei auch Sehzellen zerstört werden können, ist dieses Verfahren nur geeignet, wenn die Leckage nicht in der Nähe der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) liegt. Eine Schädigung an dieser Stelle würde die Sehfähigkeit noch stärker beeinträchtigen als die RCS.

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Eine schonende Alternative ist eine Spritzentherapie mit dem Wirkstoff Avastin, der sonst bei der Behandlung der Makuladegeneration verwendet wird. Avastin ist zwar nicht für die Behandlung der RCS zugelassen, hat sich aber bei diesem Krankheitsbild bewährt. Das Medikament sorgt dafür, dass der Flüssigkeitsaustritt aus dem Gefäß vermindert wird und sich das Loch verschließt. Die Wasseransammlung in der Netzhaut geht zurück, das Sehen verbessert sich.

Photodynamische Therapie eine Alternative

Eine anderes Verfahren ist die Photodynamische Therapie (PDT): Dabei wird ein lichtempfindliches Medikament in die Armvene gespritzt. Es verteilt sich innerhalb von 15 Minuten im ganzen Körper, auch in den Gefäßen der Aderhaut. Hier wird das Medikament durch Laserbestrahlung gezielt aktiviert und verschließt das undichte Blutgefäß durch ein Gerinnsel. Das Laserlicht sorgt auch dafür, dass die Netzhaut wieder an ihrem Untergrund haftet.

Um Rückfälle zu vermeiden, sollten Betroffene ihre Stressbelastung zurückfahren und Entspannungsverfahren erlernen und regelmäßig anwenden.

Interviewpartner

Dr. Burkhard Awe
Augenarzt
Augenärzte am Meer
Friedrich-Paffrath-Straße 98
26389 Wilhelmshaven
Tel. (04421) 955 00
Fax (04421) 95 50 55
Internet: www.augenaerzte-am-meer.de

Dr. Rüdiger Schwartz
Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken/augenklinik

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Visite | 31.03.2015 | 20:15 Uhr