Stand: 13.03.2018 11:36 Uhr

Vitamin D: Mangel in der dunklen Jahreszeit

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Mit einer Blutprobe lässt sich ein Vitamin-D-Mangel sicher nachweisen.

Im trüben, dunklen Winter haben wir nur selten Gelegenheit, Sonne zu tanken. Das ist nicht nur schlecht für unsere Stimmung, sondern auch für die Gesundheit, denn Sonnenlicht ist unsere wichtigste Vitamin-D-Quelle. Mindestens 60 Prozent der Deutschen haben in den Monaten Oktober bis April viel zu wenig Vitamin D im Blut, wie Studien zeigen.

Zwei Metallplatten nach einem Beinbruch im Computerprogramm dargestellt.

Abenteuer Diagnose: Vitamin-D-Mangel

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Mindestens 60 Prozent der Deutschen haben im Winterhalbjahr zu wenig Vitamin D im Blut. Zeichen für einen Vitaminmangel können Abgeschlagenheit und Gliederschwäche sein.

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Symptome: Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen

Typische Anzeichen für einen Vitamin-D-Mangel sind Abgeschlagenheit und verminderte Leistungsfähigkeit, aber auch morgendliche Schmerzen in Knochen und Gliedern. Weitere Symptome sind:

  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Depressivität, Stimmungsschwankungen
  • Haarausfall
  • Reduzierte Muskelspannung und -stärke
  • Wachstumsstörungen
  • Herzrhythmusstörungen

Sonnenlicht entscheidend für Vitamin-D-Produktion

Unter Einwirkung des Sonnenlichts wird vor allem in der Haut die Vitamin-D-Vorstufe Cholecalciferol produziert, die in der Leber zum 25OH-Vitamin-D3 (Calcidiol) umgewandelt und in Muskeln und Fettgewebe gespeichert wird. Bei Bedarf wird dieses in der Niere und in der Leber zu dem Hormon Calcitriol umgewandelt, das der Körper unter anderem benötigt, um Kalzium und Phosphat im Darm aufzunehmen und in die Knochen einzubauen.

Zahlreiche Vitamin-D-Rezeptoren im Körper

Kalzium ist wichtig für das Nervensystem, das Knochenwachstum und die Knochendichte. Es gibt aber in nahezu allen Organen und Geweben des Körpers Vitamin-D-Rezeptoren, sodass dieses Hormon an vielen Stellen Einfluss auf den Stoffwechsel nimmt.

Essenzielle Bedeutung für Knochen und Bewegungsapparat

Für die Knochengesundheit ist das Vitamin D von essenzieller und unbestrittener Bedeutung. Es wird für die Kalziumaufnahme im Darm und für den Knochenaufbau benötigt und fördert auch die Muskelfunktion. Fehlt Vitamin D, wird kein Kalzium in die Knochen eingelagert, sondern aus der Knochensubstanz freigesetzt, um den Kalziumspiegel im Blut konstant zu halten. Geschieht das über längere Zeit, kommt es zu einer Osteoporose. Experten schätzen, dass sich durch einen Ausgleich des Vitamin-D-Mangels bundesweit allein 27.000 Schenkelhalsfrakturen pro Jahr vermeiden ließen.

Wichtig fürs Immunsystem

Experten gehen davon aus, dass Vitamin D die Funktion und Aktivität der T-Lymphozyten entscheidend beeinflusst. T-Lymphozyten sind die Killerzellen des Immunsystems. Vitamin D scheint dafür verantwortlich zu sein, dass diese Zellen aktiviert und zur Teilung angeregt werden. Nach dem Kontakt mit einem Krankheitserreger bilden die Killerzellen sogenannte Vitamin-D-Erkennungsproteine an der Zelloberfläche. Durch den Kontakt mit dem Vitamin kommt es dann zu einer starken Vermehrung der Killerzellen, die sich gegen den Krankheitserreger wenden. Fehlt Vitamin D, bleibt die Aktivierungsreaktion aus und die Abwehr ist geschwächt. Laut Studien steigert ein Vitamin-D-Mangel das Erkältungsrisiko um 40 Prozent. Zudem treten bei einem Vitamin-D-Mangel vermehrt Autoimmunkrankheiten auf.

  • Multiple Sklerose (MS):

    Bei MS-Patienten mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel kommt es häufiger zu schweren Krankheitsschüben. Außerdem weiß man: In sonnigen Regionen erkranken weniger Menschen an MS.

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen:

    Studien zur Funktion des Immunsystems zeigen einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und entzündlichen Darmerkrankungen. Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sollten deshalb regelmäßig ihren Vitamin-D-Spiegel im Blut kontrollieren lassen und bei Bedarf Vitamin-D-Präparate einnehmen, um die Krankheitsaktivität zu lindern und das Osteoporoserisiko zu senken. Zudem können Darmerkrankungen die Aufnahme von Fett und fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin D beeinträchtigen.

  • Schuppenflechte (Psoriasis):

    In nördlichen Ländern tritt die Schuppenflechte deutlich häufiger auf als in sonnenreicheren Gefilden. Forscher vermuten, dass Vitamin D an der Steuerung von Entzündungs- und Immunreaktionen in der Haut beteiligt ist.

  • Lupus erythematodes (SLE)

    Lupus-Patienten stecken in einer Zwickmühle: Sie müssen intensives Sonnenlicht strikt meiden, weil UV-Licht Krankheitsschübe auslösen kann und durch bestimmte Medikamente wird ihre Haut noch lichtempfindlicher, sodass sie meist einen Vitamin-D-Mangel aufweisen. Der ist aber auf der anderen Seite mit einer höheren Krankheitsaktivität verbunden.

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Vitamin-D-Mangel könnte Krebserkrankungen verschlimmern

Es gibt Hinweise, dass ein Vitamin-D-Mangel den Verlauf einer Krebserkrankung ungünstig beeinflusst und die Sterblichkeit erhöht. Calcitriol, die aktive Form des Prohormons Vitamin D3, kann die Vermehrung von Krebszellen und das Tumorwachstum bremsen.

Positive Effekte von Vitamin D auf Haare und Psyche

Weiterhin kann Vitamin D einen krankheitsbedingten Haarausfall (Alopezie) positiv beeinflussen. Licht und Sonnenstrahlen wirken sich zudem positiv auf unsere Stimmung aus. Die graue Tristesse der kalten Jahreszeit sorgt bei vielen für Antriebslosigkeit, vor allem im Norden ist die sogenannte Winter- oder Lichtmangeldepression verbreitet. Sie wird auch als saisonal abhängige Depression (SAD) bezeichnet. Vitamin D hat positiven Einfluss auf unser Gedächtnis, unsere Aufmerksamkeit und Konzentration sowie auf Krankheiten wie das Fatigue-Syndrom (Erschöpfungssyndrom). Laut Studien erhöht ein Vitamin-D-Mangel sogar das Alzheimer-Risiko um 21 Prozent.

Vorsorge durch Vitamin-D-Präparate

80 bis 90 Prozent des benötigten Vitamin D produziert der Körper unter dem Einfluss des Sonnenlichts selbst, nur 10 bis 20 Prozent des Bedarfs lassen sich über die Nahrung decken - selbst mit Lebensmitteln, die besonders viel Vitamin D enthalten, wie Eiern, fettem Fisch, Milchprodukten, Pilzen und Avocados. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind 30 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut ideal. Bei unter 20 Nanogramm spricht man von einem Mangel. Experten empfehlen deshalb grundsätzlich die Einnahme von mindestens 800 IE (internationalen Einheiten) und mehr Vitamin D pro Tag. In der Regel reichen dafür Tabletten oder Tropfen mit 1.000 IE einmal täglich eingenommen aus, bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel werden höher dosierte Präparate mit 20.000 IE einmal wöchentlich oder häufiger eingesetzt. Nahrungsergänzungsmittel, die in Drogerien oder Lebensmittelläden angeboten werden, haben maximal 200 IE. Höher dosierte Präparate gibt es nur in Apotheken.

Dosierung stets nach Rücksprache mit dem Hausarzt

Auch wenn die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in der Regel nur bei sehr hohen Dosen zu Nebenwirkungen wie Kalziumablagerungen in Herz, Lunge, Nieren und Gefäßen führt, sollte zunächst eine Rücksprache mit dem Hausarzt und eine Bestimmung des Vitaminspiegels im Blut erfolgen. Wer seinen Vitamin-D-Spiegel messen lassen möchte, muss diesen Test allerdings meist selbst bezahlen. Erst wenn typische Beschwerden vorliegen, wird die Blutuntersuchung auf Vitamin D von den Krankenkassen übernommen.

So viel Vitamin D enthalten Lebensmittel

Wechselwirkungen und Warnhinweise

Bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Kortison, Diuretika, Schlafmittel und Antiepileptika können die Wirkung von Vitamin D verstärken oder beeinträchtigen. Wer dauerhaft Arzneimittel einnimmt, sollte den Einsatz von Vitamin-D-Präparaten deshalb unbedingt mit seinem Arzt besprechen. Auch wer an einer Neigung zur Bildung kalziumhaltiger Nierensteine, einer Nierenschwäche, einer Sarkoidose oder einer Nebenschilddrüsenerkrankung leidet, sollte Vitamin D nur unter ärztlicher Kontrolle einsetzen. In der Schwangerschaft dürfen Vitamin-D-Präparate nur bei einem nachgewiesenen Mangel und unter Kontrolle des Kalziumspiegels eingenommen werden, da eine erhöhte Kalziumkonzentration im Blut das Kind im Mutterleib schädigen kann.

Risikogruppen, die besonders häufig an einem Vitamin-D-Mangel leiden:

  • Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten, zum Beispiel chronisch Kranke und Pflegebedürftige
  • Dunkelhäutige Menschen, da der höhere Melatoningehalt ihrer Haut die UV-B-Strahlung stärker abschirmt
  • Ältere Menschen, da die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden, mit steigendem Alter abnimmt
  • Menschen, die aus kulturellen Gründen nur mit vollständig bedecktem Körper ins Freie gehen
  • Raucher

Weitere Informationen

Chat-Protokoll zum Thema Vitamin-D-Mangel

Anzeichen für einen Vitamin-D-Mangel sind neben Abgeschlagenheit auch Schmerzen in Knochen und Gliedern. Prof. Dr. Michael Amling hat Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

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Vitamin D: Knochenvitamin gut gegen Infekte

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Interviewpartner

Prof. Dr. med. Michael Amling
Institutsdirektor
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentrum für Experimentelle Medizin
Institut für Osteologie und Biomechanik
Lottestraße, 22529 Hamburg
Tel. (040) 741 05 60 83
E-Mail: amling@uke.de

Dieses Thema im Programm:

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