Stand: 22.01.2019 09:56 Uhr

Vitamin D: Mangel erkennen und behandeln

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Mit einem Bluttest lässt sich ein Vitamin-D-Mangel sicher nachweisen.

Im trüben, dunklen Winter haben wir nur selten Gelegenheit, Sonne zu tanken. Das ist nicht nur schlecht für unsere Stimmung, sondern auch für die Gesundheit, denn Sonnenlicht ist unsere wichtigste Vitamin-D-Quelle. Mindestens 30 Prozent der Deutschen haben in den Monaten Oktober bis April viel zu wenig Vitamin D im Blut. Wer in Norddeutschland lebt, hat durch die geringere Sonneneinstrahlung ein noch höheres Risiko.

Vitamin-D-Präparate.

Vitamin-D-Mangel im Winter erkennen und beheben

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Mindestens 30 Prozent der Deutschen haben im Winterhalbjahr zu wenig Vitamin D im Blut. Wer in Norddeutschland lebt, hat durch die geringere Sonneneinstrahlung ein noch höheres Risiko.

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Folgen des Vitamin-D-Mangels

Ein langfristiger Vitamin-D-Mangel kann schwerwiegende Folgen haben. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer einer Knochenerweichung (Osteomalazie) mit

  • Abnahme der Knochendichte
  • Knochenschmerzen
  • Störungen im Kalzium- und Phosphatstoffwechsel

Außerdem erhöht ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für

  • schlecht heilende Knochenbrüche
  • Atemwegsinfekte
  • Depressivität
  • Stimmungsschwankungen

Sonnenlicht entscheidend für Vitamin-D-Produktion

Nur 10 bis 20 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs lassen sich über die Nahrung decken - selbst mit Lebensmitteln, die besonders viel Vitamin D enthalten, wie Eiern, fettem Fisch, Milchprodukten, Pilzen und Avocados.

80 bis 90 Prozent des benötigten Vitamin D muss der Körper unter dem Einfluss des Sonnenlichts selbst produzieren. Unter Einwirkung des Sonnenlichts wird vor allem in der Haut die Vitamin-D-Vorstufe Cholecalciferol produziert, die in der Leber zum 25-OH-Vitamin-D3 (Calcidiol) umgewandelt und in Muskeln und Fettgewebe gespeichert wird. Bei Bedarf wird dieses in der Niere und in der Leber zu dem Hormon Calcitriol umgewandelt, das der Körper unter anderem benötigt, um Kalzium und Phosphat aus der Nahrung im Darm aufzunehmen und in die Knochen einzubauen.

Risikogruppen, die besonders häufig an einem Vitamin-D-Mangel leiden:

  • Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten, zum Beispiel chronisch Kranke und Pflegebedürftige
  • Dunkelhäutige Menschen, da der höhere Melaningehalt ihrer Haut die UV-B-Strahlung stärker abschirmt
  • Ältere Menschen, da die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden, mit steigendem Alter abnimmt
  • Menschen, die aus kulturellen Gründen nur mit vollständig bedecktem Körper ins Freie gehen
  • Raucher

Vitamin D: Wichtig für die Knochen

Für die Knochengesundheit ist das Vitamin D unbestritten von essenzieller Bedeutung. Es wird für die Kalziumaufnahme im Darm und für den Knochenaufbau benötigt und fördert auch die Muskelfunktion. Fehlt Vitamin D, wird kein Kalzium in die Knochen eingelagert, sondern aus der Knochensubstanz freigesetzt, um den Kalziumspiegel im Blut konstant zu halten. Geschieht das über längere Zeit, kommt es zu einer Abnahme der Knochendichte.

Wichtig fürs Immunsystem

In nahezu allen Organen und Geweben des Körpers gibt es Vitamin-D-Rezeptoren, sodass dieses Hormon an vielen Stellen Einfluss auf den Stoffwechsel nimmt. So konnten Wissenschaftler nachweisen, dass ausreichend Vitamin D auch vor Atemwegsinfektionen schützt.

Experten gehen davon aus, dass Vitamin D die Funktion und Aktivität von bestimmten Abwehrzellen entscheidend beeinflusst: Vitamin D scheint dafür verantwortlich zu sein, dass T-Lymphozyten aktiviert und zur Teilung angeregt werden. Nach dem Kontakt mit einem Krankheitserreger bilden sie Vitamin-D-Erkennungsproteine an der Zelloberfläche. Durch den Kontakt mit dem Vitamin kommt es dann zu einer starken Vermehrung der T-Lymphozyten, die helfen, den Körper gegen Krankheitserreger zu verteidigen.

Vitamin-D-Mangel mit Bluttest erkennen

Als ideal gelten Werte über 30 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut. Bei unter 20 Nanogramm spricht man von einem Mangel. Experten empfehlen dann die Einnahme von 1.000 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D pro Tag. Sie werden in Form von Tabletten oder Tropfen einmal täglich eingenommen. Höher dosierte Präparate mit 10.000 oder 20.000 IE zur wöchentlichen Einnahme werden nur in speziellen Ausnahmefällen verordnet.

Dosierung stets nach Rücksprache mit dem Hausarzt

Auch wenn die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in der Regel nur bei sehr hohen Dosen zu Nebenwirkungen wie Kalziumablagerungen in Herz, Lunge, Nieren und Gefäßen führt, sollte zunächst eine Rücksprache mit dem Hausarzt und gegebenenfalls eine Bestimmung des Vitaminspiegels im Blut erfolgen. Wer seinen Vitamin-D-Spiegel messen lassen möchte, muss diesen Test allerdings meist selbst bezahlen. Erst wenn typische Beschwerden vorliegen, wird die Blutuntersuchung auf Vitamin D von den Krankenkassen übernommen - zum Beispiel wenn ein Wirbel ohne vorangegangenen Sturz bricht.

Wechselwirkungen und Warnhinweise

Bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Kortison, Diuretika, Schlafmittel und Antiepileptika können die Wirkung von Vitamin D verstärken oder beeinträchtigen. Wer dauerhaft Arzneimittel einnimmt, sollte den Einsatz von Vitamin-D-Präparaten deshalb unbedingt mit seinem Arzt besprechen. Auch wer an einer Neigung zur Bildung kalziumhaltiger Nierensteine, einer Nierenschwäche, einer Sarkoidose oder einer Nebenschilddrüsenerkrankung leidet, sollte Vitamin D nur unter ärztlicher Kontrolle einsetzen. In der Schwangerschaft dürfen Vitamin-D-Präparate nur bei einem nachgewiesenen Mangel und unter Kontrolle des Kalziumspiegels eingenommen werden, da eine erhöhte Kalziumkonzentration im Blut das Kind im Mutterleib schädigen kann.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll zum Thema Vitamin-D-Mangel

Anzeichen für einen Vitamin-D-Mangel sind neben Abgeschlagenheit auch Schmerzen in Knochen und Gliedern. Prof. Dr. Michael Amling hat Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Vitamin-D-Mangel begünstigt Demenz

Es sind überraschende Studienergebnisse: Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel im Blut haben offenbar ein deutlich erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. mehr

Experten zum Thema

Prof. Dr. Michael Amling, Direktor
Institut für Osteologie und Biomechanik
Zentrum für Experimentelle Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Lottestraße 59, 22529 Hamburg
(040) 741 05 60 83
www.iobm.de

Priv.-Doz. Dr. Martin Nitschke, Stellv. Direktor, Bereichsleiter Nephrologie und Transplantation
Medizinische Klinik I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
www.uksh.de

Dr. Martin Willkomm, Ärztlicher Direktor
Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck - Geriatriezentrum
Marlistraße 10
23566 Lübeck
www.geriatrie-luebeck.de

Prof. Dr. rer. nat. Martin Smollich, Arbeitsgruppenleiter Pharmakonutrition
Institut für Ernährungsmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 31 01 84 01
www.uksh.de

Weitere Informationen
Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D
www.rki.de

Dieses Thema im Programm:

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