Stand: 27.06.2018 10:06 Uhr  - Mehr wissen - besser leben

Unterschätzte Gefahr: Legale und illegale Drogen

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Die Drogenbeauftragte Marlene Mortner warnt vor einer Verharmlosung von Cannabis.

Studien zufolge hat jeder vierte erwachsene Deutsche mindestens einmal in seinem Leben illegale Drogen konsumiert. Dabei ist Cannabis die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Anlässlich des Weltdrogentages am 26. Juni warnten die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) davor, die sogenannte weiche Droge zu verharmlosen: Das Cannabis von heute habe "mit der vergleichsweise schwachen Droge von vor 20 Jahren wenig gemein", betonte Mortler. Die Zahlen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Cannabis konsumieren, stieg einer neuen Erhebung zufolge in den vergangenen Jahren an.

Neue psychoaktive Stoffe kommen auf den Markt

Sorgen bereiten der Bundesdrogenbeauftragten auch neue psychoaktive, synthetische Stoffe, die auf den Markt kommen, zum Teil "Designerdrogen" oder "Legal Highs" genannt. Diese auf den ersten Blick harmlos wirkenden Stoffe enthalten meist Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Wirkstoffe. Sie stehen im Verdacht, Vergiftungen, Kreislaufversagen oder Psychosen auslösen zu können.

1.300 Drogentote pro Jahr

Laut BZgA sterben Jahr für Jahr rund 1.300 Menschen an illegalen Drogen wie Heroin, Kokain und Ecstasy. Dabei steigt die Zahl der Drogentoten nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) seit 2012 Jahr für Jahr an. Mehr als 300.000 Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren sind von illegalen Drogen abhängig. Doch nach wie vor sind nicht Heroin, LSD oder Kokain für die meisten Suchtprobleme in Deutschland verantwortlich, sondern die legalen Drogen wie Alkohol, Tabak und Medikamente.

Alkoholmissbrauch bleibt großes Problem

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Legale Drogen wie Alkohol, Tabak und Medikamente sind für die meisten Suchtfälle in Deutschland verantwortlich.

Auch wenn der Gesamtverbrauch leicht zurückgegangen ist: Mehr als drei Millionen Menschen trinken laut der DHS übermäßig viel Alkohol, jährlich sterben 74.000 Menschen durch Alkoholkonsum, oft in Kombination mit Rauchen. Unter dem Motto "Kenn Dein Limit" bietet die BZgA im Internet Informationen rund um das Thema Alkohol an. Dort gibt es Wissenswertes über die Wirkung von Alkohol auf den Körper, Tipps für Eltern und auch einen Selbsttest, bei dem der eigene Alkoholkonsum unter die Lupe genommen werden kann.

WissensCheck: Wissensrubrik auf tagesschau24

WissensCheck - das ist die Wissensrubrik auf tagesschau24. Tim Berendonk präsentiert alle 14 Tage dienstags ein aktuelles Thema aus Wissenschaft und Forschung. Die Folgen laufen um 9.05 Uhr, um 10.05 Uhr und stündlich zwischen 11.50 und 18.50 Uhr.

Zigarettenkonsum nimmt wieder zu

Der Konsum von Zigaretten stieg 2016 im Vergleich zu den Vorjahren wieder an: Laut DHS wurden 2016 fast 76 Milliarden Zigaretten geraucht. 35 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren rauchen, in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre sind es sogar 39 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen. Jeder achte Deutsche ab 14 Jahren hat schon einmal E-Zigaretten ausprobiert. Ob diese gefährlich sind, ist noch umstritten. Im Jahr 2013 starben laut DHS rund 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Hier finden Sie Hilfe bei Suchtproblemen

Die bundesweit einheitliche "Sucht & Drogen Hotline" ist unter der Telefonnummer (01805) 313 031 rund um die Uhr zu erreichen. Sie bietet telefonische Beratung, Hilfe und Informationen rund um Drogen und Sucht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat ein Infotelefon zur Suchtprävention geschaltet, das montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer (0221) 89 20 31 zu erreichen ist. Ein Verzeichnis der Suchtberatungsstellen in Deutschland bietet die BZgA im Internet.

Medikamentensucht wird unterschätzt

Kaum beachtet wird in der Öffentlichkeit das Thema Medikamentensucht. Die DHS schätzt, dass in Deutschland 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen abhängig von Tranquilizern und Schlafmitteln sind - vor allem ältere Menschen und darunter vor allem Frauen. Weitere 300.000 bis 400.000 Menschen sind den Angaben zufolge von anderen Arzneimitteln abhängig.

Auch harmlose Substanzen können süchtig machen

Süchtig können aber auch andere, eigentlich harmlose Substanzen und Beschäftigungen machen. Die meisten Menschen haben etwas, worauf sie nicht mehr verzichten können, wie Schokolade, Kaffee, Glücksspiel, Internet oder sogar Einkaufen. Diese Dinge führen zwar nicht zu einer körperlichen Abhängigkeit, lösen aber ein Verlangen nach mehr aus. Denn im Gehirn werden bestimmte Areale aktiviert, die als Belohnungssystem bezeichnet werden. Bei der Entstehung einer Sucht spielen körperliche, psychische und soziale Faktoren eine Rolle.

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Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 26.06.2018 | 09:20 Uhr