Sendedatum: 06.09.2016 20:15 Uhr  | Archiv

Tod nach Behandlung beim Heilpraktiker

Nach der Behandlung mit der Chemikalie 3-Bromopyruvat (3BP) bei einem Heilpraktiker sind in Nordrhein-Westfalen mindestens drei krebskranke Menschen gestorben. Rund 10.000 Euro haben die Menschen für die Infusionstherapie bezahlt - in der Hoffnung, ihr Leben zu retten. Vor allem aus dem Ausland waren sie gekommen, denn dort ist eine solche Behandlung verboten.

Infusionen mit unabsehbaren Folgen

Botenstoffe und Abwehrzellen im Blutkreislauf. (Grafik)
Botenstoffe und Abwehrzellen umkreisen einen Tumor. Versuche mit 3BP finden in der Schulmedizin derzeit unter strenger Überwachung statt.

Auch die Schulmedizin beschäftigt sich weltweit mit 3-Bromopyruvat. Forscher vermuten, dass die Chemikalie in den Zuckerstoffwechsel der Krebszellen eingreift. Krebszellen brauchen Zucker, um zu leben und sich zu vermehren. Die Substanz verhindert möglicherweise die Zuckeraufnahme, sodass die Krebszellen verhungern. Allerdings gibt es bisher keine Studien zu dem Mittel, ihre Wirksamkeit soll erst jetzt in einer internationalen klinischen Studie untersucht werden. Bisher haben Mediziner 3-Bromopyruvat nur bei wenigen krebskranken Menschen unter strengen Bedingungen eingesetzt. Dabei wurde 3BP direkt an den Tumor gespritzt. Die Patienten des Heilpraktikers haben Infusionen bekommen. Ihr Körper wurde mit der Chemikalie überschwemmt - mit unabsehbaren Folgen für die gesunden Zellen im Körper. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung.

Forderungen, die Vorschriften für Heilpraktiker zu verschärfen, werden lauter. Heilpraktiker dürfen in Deutschland fast so viel wie ein Arzt - zum Beispiel Spritzen setzen, offene Wunden versorgen und schwere Krankheiten wie Krebs behandeln. In der Wahl der Therapie sind sie frei. Es gibt allerdings gesetzliche Einschränkungen: Sie dürfen beispielsweise keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen oder meldepflichtige Infektionskrankheiten behandeln. Wie gut ein Heilpraktiker behandelt, ist schwer einzuschätzen und es gibt keine Überprüfung.

Interviewpartner im Beitrag:

Jörg Heynemann, Rechtsanwalt
Fachanwalt für Medizinrecht
Kanzlei für Medizinrecht
Jörg F. Heynemann
Fasanenstraße 77, 10623 Berlin
Tel. (030) 88 71 50 88, Fax: (030) 88 71 50 89
 E-Mail: Kanzlei@medizinrecht-heynemann.de
Internet: www.medizinrecht-heynemann.de

PD Dr. Jutta Hübner
Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Kuno-Fischer-Straße 8, 14057 Berlin
Tel. (030) 32 29 32 90, Fax: (030) 322 93 29 66
Internet: www.krebsgesellschaft.de

Christian Wilms, Heilpraktiker
Naturheilpraxis Christian Wilms
Teichtor 22, 24226 Heikendorf
Tel. (0431) 249 29, Fax: (0431) 24 10 14
Internet: www.fdh-sh-members.de/wilms

Prof. Thomas J. Vogl, Direktor
Institut für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Theodor-​Stern-​Kai 7, 60590 Frankfurt am Main
Tel. (069) 63 01 ​72 77, Fax: (069) 63 01 ​72 59
Internet: http://radiologie-uni-frankfurt.de/content

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Visite | 06.09.2016 | 20:15 Uhr

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