Rückenschmerzen: Was hilft beim Engpass-Syndrom?

Stand: 12.10.2020 16:28 Uhr

Mit zunehmendem Alter kommt es häufiger zu Verengungen des Wirbelkanals. Gegen eine Spinalkanalstenose können Übungen helfen. In einigen Fällen ist eine OP unvermeidlich.

Die wichtigsten Symptome einer Spinalkanalstenose sind belastungsabhängige Rückenschmerzen und Beinschmerzen hauptsächlich beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen.

Im Spinalkanal der Wirbelsäule verläuft das Rückenmark vom Gehirn bis in den oberen Lendenbereich. Durch altersbedingten Verschleiß werden die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern flacher und breiter. Dadurch sind die Bänder, die die kleinen Gelenke der einzelnen Wirbel stützen, nicht mehr so straff gespannt.

Durch die größere Beweglichkeit der Wirbelkörper entstehen in den kleinen Gelenken Knochenwucherungen, die den Spinalkanal immer weiter einengen und Druck auf die Nervenfasern im Spinalkanal ausüben. Wird der Druck zu groß, kann das zu teilweise heftigen Schmerzen führen.

Im Gespräch
Vera Cordes im Gespräch mit Dr. Jörg Ohnsorge.
6 Min

Rückenschmerzen: Übungen beim Engpass-Syndrom

Welche Therapien beim Engpass-Syndrom helfen können, erklärt der Orthopäde Dr. Jörg Ohnsorge. 6 Min

Frühe Symptome: Kribbeln und Taubheitsgefühle

Neben den typischen Schmerzen beim Gehen und Stehen treten bei einer Spinalkanalstenose oft weitere Symptome auf:

  • im Frühstadium der Erkrankung vor allem Kribbeln, Schwäche- und Taubheitsgefühle in den Beinen
  • in späteren Phasen auch Harn- und Stuhlinkontinenz und Erektionsstörungen.

Ein typisches Phänomen ist, dass Schmerzen beim Zurückbeugen auftreten und die Symptome nachlassen, sobald der Rumpf nach vorn kippt und so die Wirbelsäule gedehnt wird.

Bildgebende Verfahren bei der Diagnose

Zur Darstellung des Rückenmarks in der Wirbelsäule wird in der Regel eine Kernspintomografie (MRT) durchgeführt. Sie macht die Spinalkanalstenose, die Bandscheiben und die Nervenwurzeln direkt sichtbar. Doch nicht jede erkennbare Verengung des Spinalkanals muss Beschwerden verursachen. Eine radiologisch nachgewiesene Spinalkanalstenose kann auch ohne Symptome bleiben.

Konservative Therapie: Gymnastik und Medikamente

In der Regel werden zunächst konservative Therapien eingesetzt, vor allem Krankengymnastik (Physiotherapie) und Schmerzmedikamente.

  • Ziel der Physiotherapie ist, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren, denn starke Muskeln stabilisieren den Rücken und können die Lendenwirbelsäule entlasten. Das soll die Hohlkreuz-Position der Lendenwirbelsäule minimieren, damit sich der Spinalkanal weitet.
  • Medikamente unterstützen die Krankengymnastik, indem sie Schmerzen lindern und das Verkrampfen der Muskulatur verhindern. Bei sehr starken Schmerzen kann eine Spritze mit einem Betäubungsmittel und entzündungshemmendem Kortison direkt an der betroffenen Nervenwurzel Linderung bringen.
  • Zusätzliche Entlastung können Entspannungsverfahren bringen.

Die Ursache der Beschwerden, nämlich die fortschreitende knöcherne Einengung des Spinalkanals lässt sich durch die Physiotherapie nicht rückgängig machen. Ein regelmäßiges Training kann trotzdem dazu führen, dass sich die Beschwerden nachhaltig reduzieren.

Wann eine Operation nötig ist

Die operative Therapie besteht in einer Erweiterung (Dekompression) des Spinalkanals. Eine Operation wird erst empfohlen, wenn sich die Schmerzen mit konservativen Maßnahmen nicht mehr lindern lassen.

Dabei sollte der Arzt nicht allein nach Röntgenaufnahmen entscheiden, sondern nach den tatsächlichen Beschwerden. Nicht selten sehen die Röntgenbilder schlimm aus, aber die Betroffenen haben kaum Beschwerden. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie groß der Leidensdruck des Erkrankten ist und ob Nerven gefährdet sind.

Alltagstipps für Betroffene

  • Fahren Sie Fahrrad, das verschafft Ihren Nerven wieder mehr Platz.
  • Setzen Sie sich hin und beugen Sie sich nach vorn, wenn unterwegs der Rücken schmerzt und die Beine nicht mehr weiterwollen.
  • Ziehen Sie den Nabel in Richtung Wirbelsäule und kippen Sie das Becken nach hinten. Nun kommt die WIrbelsäule in eine Biegung, sodass die Knochenablagerungen nicht mehr auf den Nervenkanal drücken.
  • Bleiben Sie sportlich aktiv, denn die Bauch- und Rückenmuskeln stützen Ihre Wirbelsäule. Untrainierte Muskeln führen dagegen zu Verspannungen und neuen Rückenschmerzen, die mit der Stenose gar nichts zu tun haben.

Weitere Informationen
Physiotherapeutin Svea Köhlmoos steht und hält mit beiden Armen einen Schwingstab seitlich vor sich. © NDR

Übungen gegen Schmerzen bei Spinalkanalstenose

Das Ziel ist, Stabilität um die Wirbelsäule aufzubauen - durch Training der Tiefenmuskulatur, der sogenannten Musculi Multifidii. Vibrations- und Kraftübungen helfen dabei. mehr

Experten zum Thema

Prof. Dr. Uwe Kehler
Chefarzt der Neurochirurgie
Wirbelsäulenzentrum 
Asklepios Klinikum Altona
Paul-Ehrlich-Str. 1
22763 Hamburg
Neurochirurgische Sprechstunde: (040) 18 18 81 1923
https://www.asklepios.com

Prof. Dr. Jörg Ohnsorge, Orthopäde und Unfallchirurg
ohnsorge spine service
Orthopädie an der Alster
Eppendorfer Landstraße 77
20249 Hamburg
(040) 46 06 36 60
www.ohnsoreg-spine.com

Martina Wiese, Physiotherapeutin
www.martina-wiese.de

Nicolai Antonowitsch, Physiotherapeut       
Physiotherapie med to move
Eppendorfer Landstraße 77
20249 Hamburg
(040) 460 636 650
www.medtomove.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 13.10.2020 | 20:15 Uhr

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