Sendedatum: 11.02.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Schlankheitsmittel: Wirkungslos bis gefährlich

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Abnehmen, ohne dafür hungern zu müssen - das versprechen die unterschiedlichsten Mittel.

 "Essen ohne Reue", "Fett verbrennen von allein", "Abnehmen ohne Anstrengung" - mit solchen Versprechungen werben immer mehr Produkte in Drogeriemärkten und Apotheken um die Gunst übergewichtiger Verbraucher.

Fettstuhl und Durchfall drohen

So sollen zum Beispiel Fettbinder das Fett aus der Nahrung unverdaut durch den Körper schleusen, damit die Fettkalorien so gar nicht erst auf den Hüften landen. Das klingt logisch, funktioniert nur leider nicht: Wer weiter fett isst und diese Medikamente nimmt, riskiert Fettstühle und Durchfall. Abnehmen kann man mit den teuren Pillen dauerhaft nicht.

Kohlehydratblocker versprechen reuelosen Konsum von Nudeln, Zucker und Kuchen ohne verwertbare Kalorien, doch nicht einmal die Hersteller können erklären, wie diese Produkte funktionieren sollen - es gibt keine einzige Wirksamkeitsstudie in dieser Produktgruppe.

Fatburner wirkungslos

Andere Pillen sollen den Hunger ausschalten, indem sie im Magen aufquellen und die Verdauung verlangsamen. Bei Menschen, die zu viel wiegen, ist aber meist nicht der Hunger das Problem, sondern eher der Appetit - und der wird von Quellmaterial nicht beeinflusst. Den Einstieg in eine echte Diät kann so eine Kapsel eventuell tatsächlich erleichtern, aber Flohsamen aus dem Reformhaus haben den gleichen Effekt für einen Bruchteil der Kosten.

Ebenfalls in Drogerien erhältliche Fatburner auf pflanzlicher Basis mit Zitrusextrakt, Koffein und Guarana sollen den Stoffwechsel ankurbeln und so dazu führen, dass man schneller abnimmt. Diese Produkte sind zwar harmlos, aber auch wirkungslos.

Vorsicht vor Produkten aus dem Internet

Richtig gefährlich wird es dagegen, wenn man Appetithemmer und Fatburner im Internet bestellt. Denn hier gibt es unter ständig wechselnden Produktnamen unzählige Pillen, die neben den angegeben Inhaltsstoffen häufig die Chemikalie Sibutramin enthalten. Die kann tatsächlich zu Gewichtsverlust verhelfen, ist aber so gefährlich, dass sie in Deutschland seit 2010 sogar in Medikamenten verboten ist. Sibutramin verursacht Herzrasen, Bluthochdruck, Übelkeit und  Schlaflosigkeit, kann sogar zum Tod führen.

Wer im Internet Abnehmpräparate kauft, erfährt häufig nicht einmal, welche Chemikalien sie enthalten, denn auf den Inhaltsangaben stehen oft nur Kräuter. Immer wieder fischt der Zoll neue, gefährliche Abnehmprodukte aus den Containern. Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz aktualisiert im Internet ständig eine Liste mit aktuellen Produktnamen.

Bewegung und Ernährungsumstellung

Pfunde loszuwerden kostet Disziplin und Anstrengung. Auf Pillen und Pulver kann und sollte man dabei verzichten. Wer dauerhaft abnehmen will, muss stattdessen seine Ernährung umstellen und sich ausreichend bewegen.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
Tel. (040) 807 97 90
Fax (040) 807 97 93 00

Dr. Björn Paschen
Internist und Diabetologe
Diabetologische Schwerpunktpraxis Harburg
Am Wall 1
21073 Hamburg-Harburg
Tel. (040) 557 75 33 00
Fax (040) 557 75 33 01

Oec. troph. Karin Riemann-Lorenz
Ernährungsberaterin
Verbraucherzentrale Hamburg
Tel. (040) 24 83 22 40
Fax (040) 24 83 22 90

Dieses Thema im Programm:

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