Stand: 27.01.2020 16:13 Uhr  - Visite

Krankenkasse: Widerspruch gegen Bescheid einlegen

Bild vergrößern
Die Gesundheitskarte deckt nicht alle Leistungen ab - in einigen Fällen müssen Versicherte einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.

Immer wieder kommt es vor, dass gesetzliche Krankenkassen Anträge auf Kostenübernahme ablehnen, zum Beispiel für die Versorgung mit Hilfsmitteln, die Bezahlung von Krankengeld oder eine Reha. Ob die Ablehnung rechtmäßig ist und sich eine Widerspruch lohnt, können Betroffene bei zahlreichen Beratungstellen herausfinden.

Krankenkasse: Widerspruch gegen Bescheid einlegen

Visite -

Wenn gesetzliche Krankenkassen eine beantragte Leistung ablehnen, können Versicherte Widerspruch einlegen. Hilfe erhalten Betroffene bei zahlreichen unabhängigen Beratungsstellen.

4,71 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Wichtige Angaben beim Antrag

Bei jedem Antrag an die Krankenkasse ist es wichtig, dass Verordnungen und Atteste des Arztes aussagekräftig sind:

  • Warum ist das Hilfsmittel oder die Behandlung wichtig?

  • Was droht, wenn die Unterstützung ausbleibt?

Innerhalb von drei Wochen müssen Krankenkassen schriftlich auf einen Antrag auf Zuschüsse oder Übernahme von Kosten reagieren. Passiert dies nicht, gilt der Antrag als genehmigt.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll: Krankenkassen-Ärger

Was tun, wenn die Entscheidung der Krankenkasse nicht im Sinne des Patienten ist? Joanna Batista von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat im Visite Chat Fragen beantwortet. mehr

03:45
Visite

Krankenkassen-Ärger: Wo gibt es Hilfe?

Visite

Wenn gesetzliche Krankenkassen eine beantragte Leistung ablehnen, können Versicherte Widerspruch einlegen. Tipps gibt Joanna Batista von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Video (03:45 min)

Antrag abgelehnt: Wer hilft beim Widerspruch?

Wird der Antrag abgelehnt, gibt es eine vierwöchige Widerspruchsfrist. Liegt der Ablehnung keine Rechtsbelehrung bei, verlängert sich das Widerspruchsrecht auf ein Jahr. Der Widerspruch muss per Post eingereicht oder persönlich in einer Krankenkassen-Filiale vorgetragen werden.

Während der Widerspruchsfrist können sich Betroffene sachkundige Hilfe holen, zum Beispiel bei diesen Stellen:

Medizinischer Dienst: Gutachten nicht bindend

Beim Ablehnungsbescheid berufen sich die Krankenkassen häufig auf Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Doch daran sind die Krankenkassen nicht gebunden. Betroffene können das MDK-Gutachten anfordern und von Experten prüfen lassen.

Beschwerden beim Bundesversicherungsamt oder Bürgertelefon

Beim Bundesversicherungsamt können Versicherte Beschwerde einlegen, wenn sie den Eindruck haben, dass die Krankenkasse das Widerspruchsverfahren in die Länge zieht. Dauert das Verfahren mehr als drei Monate, können Betroffene zudem eine Untätigkeitsklage beim Sozialgericht erheben. Auch an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung können sich Betroffene wenden. Das Bürgertelefon ist eine weitere Anlaufstelle.

Bleibt die Krankenversicherung bei ihrer Ablehnung, entscheidet ein Widerspruchsausschuss, der sich aus ehrenamtlichen Versicherten- und Arbeitgeber­vertretern zusammensetzt. Spätestens nach drei Monaten muss der Ausschuss eine Entscheidung mitgeteilt haben. Sonst können Betroffene eine Untätigkeitsklage beim Sozialgericht erheben.

Klage beim Sozialgericht

Wenn auch das Widerspruchsverfahren erfolglos ist, besteht die Möglichkeit, innerhalb eines Monats Klage beim Sozialgericht einzureichen. Hier empfiehlt es sich, einen Anwalt hinzuziehen, denn das Sozialrecht ist sehr komplex. Geht die Klage verloren, muss der Kläger nur die eigenen Anwaltskosten übernehmen. Die Anwaltshonorare sind gesetzlich begrenzt, Gerichtsgebühren fallen nicht an.

Nach einer abgewiesenen Klage können Betroffene beim Landessozialgericht Berufung einlegen. Letzte Instanz ist das Bundessozialgericht.

Weitere Informationen

Pflegefall in der Familie: Hilfe für Angehörige

Ein Pflegefall in der Familie stellt Angehörige vor Herausforderungen und führt oft zu großen Belastungen. Worauf sollten sie achten? Ein Wegweiser für Betroffene. mehr

Experten zum Thema

Clemens Duyster, Facharzt für Anästhesiologie
Narkose im Norden - Facharztpraxis Anästhesie, Schmerztherapie, Intensiv- und Notfallmedizin in Kiel
Königsweg 8
24103 Kiel
(0431) 388 22 02
www.narkose-im-norden.de

Dr. med. Daniel Alvarez-Fischer, Leiter
ZIP Ambulanzzentrum Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee
23538 Lübeck
(0451) 50 09 87 01
www.uksh.de

Joanna Batista, Juristin
Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein
Hopfenstraße 29
24103 Kiel
(0431) 59 09 90
www.verbraucherzentrale.sh

Weitere Informationen
Bundesversicherungsamt
Friedrich-Ebert-Allee 38
53113 Bonn
www.bundesversicherungsamt.de

Patientenbeauftrager der Bundesregierung
Friedrichstraße 108
10117 Berlin
(030) 184 41 44 91
patientenbeauftragte.de

Bürgertelefon zur Krankenversicherung
(030) 340 60 66 01

Unabhängige Patientenberatung Deutschland
Tempelhofer Weg 62
12347 Berlin
0800 011 77 22 (Beratung in deutscher, arabischer, russischer und türkischer Sprache)
patientenberatung.de

Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
Rudi-Dutschke-Straße 17
10969 Berlin
(030) 25 80 00
www.vzbv.de
Liste der Verbraucherzentralen

Sozialverband VdK Deutschland e.V.
Linienstraße 131
10115 Berlin
(030) 92 10 58 00
www.vdk.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 28.01.2020 | 20:15 Uhr