Stand: 12.11.2019 17:35 Uhr  | Archiv

Kontrastmittel im MRT: Wie schädlich ist Gadolinium?

Ergebnisse der MRT-Untersuchung sind auf dem Computerbildschirm zu sehen. © NDR
Eine MRT-Aufnahme kann Organe und anderes Gewebe detailliert dargestellen.

Bei bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomografie (MRT) werden Kontrastmittel benötigt, um schwer sichtbare Organstrukturen und anderes Körpergewebe sichtbar zu machen. Kontrastmittel sind daher häufig unerlässlich bei der Diagnosefindung.

Gadoliniumhaltige Kontrastmittel gibt es seit etwa 30 Jahren. Sie werden vor einer MRT-Aufnahme gespritzt, um krankhafte Veränderungen im Gewebe oder an Knochen sichtbar zu machen. Auch versteckte Entzündungsherde, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, oder Metastasen bei einer Krebserkrankung lassen sich mit ihrer Hilfe besser entdecken.

Gadolinium noch Monate im Körper nachweisbar

Das Schwermetall Gadolinium ist ähnlich giftig wie Blei oder Quecksilber. Im Kontrastmittel liegt das Gadolinum chemisch gebunden vor, in sogenannten Chelaten. Mediziner gingen davon aus, dass Gadolinium innerhalb weniger Stunden nach der Aufnahme unverändert über die Nieren ausgeschieden wird. Doch tatsächlich kann Gadolinium noch bis zu anderthalb Jahre nach Verabreichung im Körper nachgewiesen werden - in der Haut, in Knochen und auch im Gehirn.

Bestimmte Kontrastmittel mit Gadolinium sind verboten

Es existieren zwei Gruppen von gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln:

  • Die Anwendung von linearen Kontrastmitteln mit Gadolinium ist seit Anfang 2018 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland verboten.

  • Weiterhin zugelassen sind die sogenannten makrozyklischen Kontrastmittel. In ihnen soll das Gadolinium besser gebunden sein als in linearen Mitteln. Allerdings lassen sich nach der Anwendung makrozyklischer Kontrastmittel ebenfalls Rückstände von Gadolinium im Gehirn nachweisen.

Kritik an Zulassungsverfahren für Kontrastmittel

Bevor medizinische Substanzen zur Anwendung am Menschen zugelassen werden, durchlaufen sie aufwendige und langwierige Genehmigungsverfahren. Kritiker weisen darauf hin, dass die Zulassung der Kontrastmittel nur unter Prüfung einer einmaligen Gabe erfolgt sei, nicht jedoch für mehrmalige Anwendungen an einer Person. Gerade aber Menschen mit Krebserkrankungen oder Multipler Sklerose werden oft in engen zeitlichen Abständen mit Kontrastmitteln untersucht, um ein mögliches Fortschreiten der Erkrankung zu kontrollieren.

Gesundheitsschäden durch Gadolinum nicht anerkannt

Gesundheitsschäden durch abgelagertes Gadolinium bei gesunden Menschen sind bislang nicht gesichert. Doch immer wieder berichten Betroffene nach gadoliniumhaltigen Kontrastmittelgaben über:

  • Nierenprobleme
  • Hautveränderungen
  • neurologische Störungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Gefühlsstörungen
  • Muskelschmerzen

Bekannt ist, dass Kontrastmittel mit Gadolinium bei Nierenkranken Gewebevernarbungen (Fibrosen) auslösen können.

Anwendung nur nach sorgfältiger Abwägung

Ob eine kontrastmittelgestützte MRT-Untersuchung notwendig ist, kann nur ein Arzt individuell entscheiden. Die Leitlinien der Fachgesellschaften sehen vor, dass die Gabe von Kontrastmitteln nur dann zu rechtfertigen ist, wenn eine kontrastmittelfreie Bildgebung nicht ausreichend ist. Sollte Kontrastmittel angewendet werden, dann immer in einer so geringen Dosis wie möglich.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Olav Jansen
Direktor der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie
UKSH Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
www.uksh.de

Prof. Dr. Matthias Taupitz
Radiologe
Charité Universitätsmedizin Berlin
Hindenburgdamm 30
12203 Berlin
radiologie.charite.de

Dr. Susanne Wagner
Kontrastmittelforscherin

Dieses Thema im Programm:

Visite | 12.11.2019 | 20:15 Uhr

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