Katzen- und Hundebiss: Gefährliche Infektionen verhindern

Stand: 17.07.2023 09:51 Uhr

Hunde- oder Katzenbisse können zu einer Blutvergiftung und Amputation führen. Betroffene sollten unbedingt zum Arzt oder zur Ärztin gehen, um Spätfolgen zu vermeiden. Oft kann eine OP schwere Infektionen verhindern.

Viele Menschen kraulen gern Nachbars Hund oder streicheln eine zutrauliche Katze. Doch das kann böse Folgen haben: In Deutschland verzeichnen die Krankenkassen bis zu 50.000 Tierbisse pro Jahr. Meist sind die Hände betroffen. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch höher, denn viele gehen mit einer Bisswunde nicht zum Arzt oder zur Ärztin. Dabei können Tierbisse zu einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) und zu einer Amputation von Gliedmaßen führen.

Hundebiss: Gewebe wird häufig gequetscht

Hunde zerreißen und quetschen mit einem Biss häufig das komplette Gewebe. Zusätzlich kann sich die Wunde durch eingebrachte Keime infizieren. Katzenbisse sind tiefer und damit tückischer.

Katzenbisse besonders gefährlich

Nach Katzenbissen an der Hand kommt es bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen zu schweren Infektionen. Das Problem: Katzen haben Zähne wie Injektionsnadeln, die bei einem Biss tief eindringen. Die obere Hautschicht verheilt schnell, aber in tiefen Schichten kann unbemerkt eine Entzündung entstehen, zum Beispiel mit dem gefährlichen Keim Pasteurella multocida.

Tierbiss: Antibiotika wirken oft nicht schnell genug

Im Gewebe können sich die Keime stark vermehren. Das Besondere an Katzenbissen ist, dass die Infektion sehr schnell auftritt, manchmal innerhalb von wenigen Stunden und sich der Zustand der Wunde schnell verschlechtert. Oft wirken Antibiotika nicht schnell genug - die Entzündung gerät außer Kontrolle. Ist es durch die Bakterien bereits zu einem Gewebeschaden gekommen und Gewebe abgestorben, kann die Infektion nur ausheilen, wenn das abgestorbene Gewebe zuvor operativ entfernt wird. Denn in abgestorbenes Gewebe können keine Antibiotika eindringen, die Bakterien breiten sich weiter ungehemmt aus.

OP kann schwere Folgeschäden abwenden

Immer wieder kommt es vor, dass Ärzte und Ärztinnen Tierbisse unterschätzen und die Wunden nicht richtig versorgen. In diesen Fällen landen viele Betroffene später mit einer bereits ausgebreiteten Infektion in der Klinik. Bei Bissen an der Hand oder typischen Symptomen wie heißen Schwellungen, blauen oder roten Streifen auf der Haut ist sofort eine OP nötig:

  • Chirurgen öffnen die Haut mit einem großen Schnitt, schälen die Wunde aus und entfernen das von Keimen befallene Gewebe. Anschließend bekommt der Patient oder die Patientin einige Tage Antibiotika über einen Tropf. So lässt sich die Entzündung in der Regel zurückdrängen.
  • In der Hand liegen wichtige Sehnen und Gelenke direkt unter der Haut. Tiefe Katzenbisse führen hier schnell zu Schäden, die repariert werden müssen.
  • Hat das Tier auch Nerven verletzt, müssen diese in einer komplizierten OP wieder zusammengenäht werden.
  • In ganz schweren Fällen müssen die Ärzte Gliedmaßen - zum Beispiel den ganzen Unterarm - amputieren, um eine Blutvergiftung (Sepsis) zu verhindern.

Sepsis nach Tierbiss: Das sind die Symptome

Eine Blutvergiftung (Sepsis) entsteht laut Sepsis Stiftung stets durch eine Infektion. Folgende Symptome sind typisch, müssen aber nicht auftreten:

  • Fieber, manchmal auch Schüttelfrost
  • ungewöhnlich schweres Krankheitsgefühl
  • Müdigkeit, Apathie
  • plötzlich auftretende Verwirrtheit
  • schnelle, schwere Atmung
  • erhöhter Puls
  • stark gesunkener beziehungsweise niedriger Blutdruck
  • kalte, fleckige Haut an Armen/Beinen

Spätfolgen vermeiden: Nach Hunde- oder Katzenbiss sofort ins Krankenhaus

Häufig bleiben nach einem Tierbiss dauerhafte Schäden, etwa Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Solche schweren Spätfolgen lassen sich durch eine sofortige Behandlung nach dem Biss vermeiden. Nach einem Biss von Hund oder Katze sollten Betroffene sofort ins Krankenhaus gehen - am besten in eine Klinik mit einer Handchirurgie.

Chirurgische Abteilung aufsuchen

Chirurginnen und Chirurgen können am besten beurteilen, ob die Wunde an einer gefährlichen Stelle liegt und wie hoch das Risiko einer schweren Infektion ist. Davon hängt es ab, ob die Wunde erst mal nur gründlich desinfiziert werden muss oder ob eine Operation erforderlich ist, um sie tief zu spülen und zu reinigen und so Schlimmeres zu verhindern.

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