Herzstillstand: Herzdruckmassage rettet Leben

Stand: 27.07.2021 09:29 Uhr

Einen Herzstillstand überleben nur zehn Prozent der Betroffenen. Es könnten mehr sein, wenn sich mehr Menschen die Herzdruckmassage zutrauen würden. Wie funktioniert die Reanimation?

Bei einem Herzstillstand kann nur eine Herzdruckmassage die Überlebenschance erhöhen und bleibende Schäden am Gehirn verhindern. Mediziner befürchten, dass derzeit noch weniger Menschen als sonst helfen könnten - aus Angst, sich bei der Wiederbelebung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 anzustecken.

Gehirnzellen sterben nach drei Minuten Herzstillstand ab

Eine Frau leistet Erste Hilfe bei einem Mann mit Herzinfarkt auf der Straße.
Bei einem Herzstillstand kann Erste Hilfe über Leben und Tod entscheiden.

Wenn das Herz stehen bleibt, sterben Gehirnzellen ab. Schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff kann es zu bleibenden Schäden am Gehirn kommen. Bis ein Notarzt am Einsatzort eintrifft, dauert es im Durchschnitt rund acht Minuten. Deshalb ist es wichtig, die Herzdruckmassage sofort zu beginnen und so lange durchzuführen, bis der Notarzt kommt.

Herzdruckmassage richtig anwenden

Prüfen, rufen, drücken lautet die Erste-Hilfe-Regel bei einem Herzstillstand:

  • Prüfen: Reagiert die bewusstlos gewordene Person noch? Atmet sie? Um dabei kein unnötiges Infektionsrisiko einzugehen, beobachtet oder fühlt der Helfer, ob sich der Brustkorb des Betroffenen hebt und senkt. Ein Kontakt mit Mund und Nase des Betroffenen ist dabei nicht erforderlich.

  • Rufen: Wählen Sie den Notruf 112 oder bitten Sie jemanden, das zu tun.

  • Drücken: Legen Sie eine Hand auf die Mitte des Brustkorbs zwischen die Brustwarzen. Legen Sie die andere Hand darüber und verschränken Sie beide Hände. Dann fangen Sie an zu drücken - mindestens fünf Zentimeter tief, kräftig und mindestens 100 Mal pro Minute in einem gleichmäßigen Rhythmus, etwa im Takt des Disco-Songs "Stayin' Alive" von den Bee Gees.

Ein Beatmung ist zweitrangig

Eine Beatmung ist bei der Wiederbelebung zweitrangig und wird während der Corona-Pandemie nicht empfohlen. Wichtig ist, dass der im Blut vorhandene Sauerstoff durch eine Herzdruckmassage ins Gehirn gelangt, um dieses bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Sauerstoff zu versorgen. Dabei ist keine Entstehung infektiöser Aerosole zu erwarten, die zu einer Ansteckungsgefahr führen könnten. Wer sich optimal schützen möchte, kann während der Wiederbelebung eine Maske tragen und dem Bewusstlosen ein leichtes Tuch über den Mund legen.

Keine Angst vor der Herzdruckmassage

Eine Herzdruckmassage gelingt auch Ungeübten: Wer zu fest drückt, kann dem Betroffenen zwar die Rippen brechen, doch die heilen wieder. Wichtig ist es, nicht aufzuhören, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wer unsicher ist, erhält direkt beim Notruf telefonische Unterstützung bei der Ersten Hilfe.

Erste Hilfe: Kenntnisse in Kursen auffrischen

Bei den meisten Menschen liegt ein Erste-Hilfe-Kurs schon lange zurück. Empfohlen wird jedoch eine Auffrischung alle fünf Jahre. Zahlreiche Anbieter wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, der Malteser Hilfsdienst und der Arbeiter-Samariter-Bund bieten Wiederholungskurse an. Ein Erste-Hilfe-Kurs dauert in der Regel einen Tag.

Freiwillige unterstützen den Rettungsdienst

Im Landkreis Stade werden bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auch Freiwillige der örtlichen Feuerwehr alarmiert, die oft viel schneller am Ort des Geschehens sein können als der Rettungsdienst. Die Freiwilligen der sogenannten AED-Gruppen werden regelmäßig in Erster Hilfe geschult und können Menschen in Not unterstützen, bis der Rettungsdienst vor Ort ist.

Elektroschock wird automatisch ausgelöst

Der Name der AED-Gruppen steht für den Automatisierten Externen Defibrillator, kurz AED, den die Freiwilligen mitbringen. Das einfach zu bedienende Gerät unterstützt die Wiederbelebung, indem es über die aufgeklebten Elektroden zunächst den Herzrhythmus des Patienten analysiert. Erkennt es dabei eine Herzrhythmusstörung wie ein Herzflimmern, die sich durch einen Elektroschock beenden lässt, löst es selbständig einen solchen Schock aus. Dieser bringt das Herz komplett zum Stillstand, worauf es in den meisten Fällen wieder von sich aus anfängt, regulär zu schlagen.

Ersthelfer-Apps in vielen deutschen Städten

In vielen deutschen Städten arbeiten die Rettungsdienste zusätzlich mit Apps, die Ersthelfer möglichst schnell zu Menschen in Not leiten sollen. Registrieren können sich Menschen mit medizinischer Ausbildung. Geht in der Leitstelle ein Notruf ein und handelt es sich vermutlich um einen Herzstillstand, werden registrierte Ersthelfer in der Nähe alarmiert. Diese sind im Idealfall vor dem Rettungswagen zur Stelle und können mit der Herzdruckmassage beginnen. Das System befindet sich noch im Aufbau.

 

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