Stand: 17.06.2019 13:15 Uhr

OP bei grauem Star: Besser sehen, länger leben

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Beim grauen Star verbessert eine Operation die Sehkraft und die Lebenserwartung.

Beim grauen Star, auch Katarakt genannt, trübt sich die Augenlinse. Dadurch wird die Sicht allmählich schlechter, oft reagieren die Augen empfindlich auf scheinbar helles Licht. Die weltweit häufigste Augenerkrankung schreitet langsam voran und wird häufig erst bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Abhilfe schafft nur eine Operation: Dabei wird die trübe Linse per Ultraschall oder Laser zertrümmert und durch eine Kunstlinse ersetzt. Eine mehrjährige US-Studie mit 74.000 Frauen zeigt: Wer sich wegen eines Katarakts operieren ließ, lebte deutlich länger als diejenigen, die sich nicht operieren ließen.

schematische Zeichnung von einem Auge

Grauer-Star-OP: Welche Linse ist die richtige?

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Beim grauen Star wird die getrübte Augenlinse in einer Operation durch eine künstliche Linse ersetzt. Doch welche Linse ist für wen geeignet?

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Symptome des grauen Stars

Die Symptome des grauen Stars sind eindeutig:

  • Die Betroffenen sehen alles dunkler, Konturen verschwimmen, im Dunklen blenden Lichter unerträglich. So ist zum Beispiel Autofahren in der Dämmerung oder bei Nacht kaum noch möglich.
  • In höherem Lebensalter ist der graue Star oft Ursache für Stürze, die nicht selten tödlich enden.
  • Wer nicht mehr sehen und lesen kann, hat laut Studien ein höheres Risiko, an Demenz und Depression zu erkranken.

Grauen Star rechtzeitig operieren

Um die Folgen eines unbehandelten grauen Stars zu verhindern, raten Augenärzte und Altersmediziner (Geriater) zur Operation. Die Patienten sehen meist schon am nächsten Tag wieder gut und es kommt nur sehr selten zu Komplikationen. Die verbesserte Sehkraft kommt häufig auch den kognitiven Fähigkeiten zugute, weil das Gehirn wieder Informationen von den Augen bekommt. Auch das Depressionsrisiko nimmt nach der Operation ab. Und weil die Betroffenen wieder gut sehen, stürzen sie weniger und haben somit ein niedrigeres Sterberisiko.

Operation mit Ultraschall

Die Operation des Katarakts gilt als risikoarm. In der Regel wird der Eingriff ambulant durchgeführt und dauert weniger als zehn Minuten. Das Auge wird mit Tropfen betäubt, bevor der Operateur mit einer Nadel die Linsenkapsel über eine Länge von etwa drei Millimetern aufschneidet und so einen Zugang zur Linse schafft. Durch die Öffnung wird die trübe Linse per Ultraschall zertrümmert und abgesaugt. Anschließend wird eine Kunstlinse mit zwei winzigen Haken im Auge platziert.

Im Gespräch
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Welche Ersatzlinse beim grauen Star?

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Der graue Star ist die weltweit häufigste Augenerkrankung. Augenärztin Dr. Andrea Hassenstein erklärt, was bei der Wahl der Ersatzlinse beachtet werden sollte. Video (04:16 min)

Operation mit Laser

Von einem neuen, schonenderen Operationsverfahren profitieren vor allem Erkrankte mit einer Hornhautverkrümmung. Dabei setzt der Arzt mit einem sogenannten Femtosekundenlaser Speziallinsen ein, die Sehschwächen und Hornhautverkrümmung ausgleichen. Der Laser schneidet einen exakten, immer gleichen Kreis in die Kapsel und zertrümmert blitzschnell die getrübte Linse. Anschließend wird die alte Linse wie bei der Ultraschallmethode abgesaugt und durch die Speziallinse ersetzt. Die Kosten der Lasermethode von rund 1.500 Euro pro Auge müssen Erkrankte selbst tragen.

Unterschiede bei künstlichen Linsen

  • Monofokallinsen (Standardlinsen):  Damit kann man entweder in der Nähe oder in der Ferne scharf sehen. Nach der Operation ist eine Brille nötig. Wer in der Ferne ohne Brille scharf sehen möchte, braucht nach der OP eine Lesebrille. Wer eine scharfe Nahsicht wählt, weil er gern liest oder viel am Computer arbeitet, braucht eine Brille für die Ferne. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Standardlinsen.
  • Multifokallinsen (Premiumlinsen):  Ähnlich wie eine Gleitsichtbrille ermöglichen diese Linsen scharfes Sehen in mehreren Entfernungsbereichen. Sie können nur bei Betroffenen ohne gravierende Augenerkrankungen oder Hornhautverkrümmung eingesetzt werden. Multifokallinsen funktionieren nicht in allen Bereichen gleich gut. Wie die Sehkraft nach dem Eingriff sein wird, lässt sich im Vorfeld nicht exakt berechnen. Die Schwankungen betragen mindestens 0,5 Dioptrien, deshalb müssen die Betroffenen das Sehen neu erlernen. In einer Entfernung von einem halben bis einen Meter kann Streulicht die Sicht stören. Träger von Multifokallinsen können bei Dunkelheit empfindlicher auf Licht reagieren. Lichtkreise sehen sie fast immer, das liegt an der Art, wie die Linsen das Licht brechen. Für Piloten oder Lkw-Fahrer kommen Multifokallinsen daher nicht infrage. Die Zuzahlung für eine Premiumlinse beginnt bei 600 Euro pro Linse.
  • EDoF-Linsen (Extended Depth of Focus): Diese relativ neuen Linsen ermöglichen ein scharfes Sehen in mittlerer und weiter Entfernung. Für den Nahbereich ist weiterhin eine Brille nötig. EDoF-Linsen sind im Grunde abgeschwächte Multifokallinsen, die im Bereich von 80 bis 100 Zentimeter ein besonders scharfes Sehen ermöglichen.  Dadurch ist das Risiko von Nebenwirkungen wie Lichtkreisen geringer. Insbesondere für Menschen, die viel am PC arbeiten, ist die Schärfe dieser Linsen von Vorteil. Sie benötigen nur noch zum Lesen bei geringeren Abständen eine Brille. Allerdings fehlen bisher Langzeitdaten, da EDoF-Linsen erst seit etwa fünf Jahren erhältlich sind.
  • Torische Linsen: Sie eignen sich unabhängig vom grauen Star für Menschen mit angeborener Hornhautverkrümmung. Torische Linsen gibt es in Mono- und Multifokalausführung. Sie kosten bis zu 2.000 Euro pro Linse.
  • Sonderlinsen mit Blaufilter: Sie enthalten zusätzlich zum UV-Filter gegen Sonnenstrahlen eine Blautönung, die die Netzhaut schützen soll. Der Nutzen ist umstritten, ein wissenschaftlicher Nachweis fehlt.
  • Bei den sogenannten akkomodativen Intraokularlinsen handelt es sich um elastische Gel-Linsen, die mithilfe der Augenmuskulatur nach vorn verlagert und verformt werden können und so stufenlos von der Fernsicht auf nähergelegene Objekte fokussieren sollen. Für kurze Distanzen, etwa zum Lesen, wird weiter eine Lesebrille benötigt. Wirklich durchgesetzt haben sich diese Linsen aber noch nicht.

Für wen sind Multifokallinsen geeignet?

Wer vor dem Eingriff nicht blendempfindlich war, bisher gut mit Gleitsichtbrille oder multifokalen Kontaktlinsen zurechtkam und eine gewisse Unschärfe in Kauf nehmen würde, kann von Multifokallinsen profitieren. Die Mehrkosten von etwa 600 Euro pro Auge muss er aber selbst tragen. Sollten Betroffene mit den neuen Linsen gar nicht zurechtkommen, lässt sie sich innerhalb von vier Wochen noch gegen eine Standardlinse austauschen. Als Alternative zur Gleitsichtbrille bei Alterssichtigkeit ohne grauen Star werden Multifokallinsen nicht empfohlen, denn ein Eingriff in das ansonsten gesunde Auge ist immer ein Risiko. Multifokale Kontaktlinsen erfordern dagegen keine Operation und sind eine mindestens gleichwertige Alternative.

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Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. Andrea Hassenstein, Oberärztin
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
https://www.uke.de/

Dr. Erik Domeier, Augenarzt
Praxis Lübeck MGZ
Augen Praxisklinik Lübeck
Paul-Ehrlich-Straße 1-3
23562 Lübeck
(0451) 31 70 08 00
www.augenpraxisklinikluebeck.de

Dr. Thomas Kern, Oberarzt
Klinik für Augenheilkunde
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 3
30625 Hannover
www.mh-hannover.de/

Weitere Informationen:
Informationen des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands
www.augeninfo.de

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V.
www.dog.org

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.06.2019 | 20:15 Uhr

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