Stand: 27.01.2015 14:31 Uhr  | Archiv

Gefährliche Keime: Acinetobacter baumannii

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Für gesunde Menschen ist das Bakterium Acinetobacter baumannii weitestgehend ungefährlich.

Resistente Bakterien sind Erreger, die eine Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika entwickelt haben. Richtet sich diese Widerstandsfähigkeit gegen mehrere Antibiotika, spricht man von multiresistenten Keimen. Seit einigen Jahren entwickelt sich Acinetobacter baumannii in verschiedenen europäischen Ländern sowie in den USA zu einem Problemkeim. Auch in Deutschland haben Krankhausinfektionen mit diesem multiresistenten Keim zugenommen. Die Ursache dafür liegt in dem verbreiteten, oft unüberlegten Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika.

Gegen die meisten Antibiotika resistent

Der Keim gehört zur Gruppe der MRGN-Erreger (MultiResistenz von GramNegativen Stäbchen), einer neue Generation von Krankenhauskeimen. Sie sind gegen die meisten der zur Verfügung stehenden Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Fluorchinolone und Carbapeneme) resistent. Das macht eine Therapie schwierig. In aller Regel lassen sich Keim-Ausbrüche im Krankenhaus auf sogenannte Indexpatienten zurückführen: In vielen Fällen werden die Keime durch Patienten eingeschleppt, die zuvor im Ausland in einem Krankenhaus behandelt worden sind. In anderen Fällen lassen sich die Keime auf Patienten zurückführen, die an chronischen Atemwegserkrankungen leiden und bereits mit dem Keim besiedelt sind.

Für gesunde Menschen ist das Bakterium Acinetobacter baumannii weitestgehend ungefährlich. Bei schwerkranken, alten und abwehrgeschwächten Personen dagegen kann der Keim schwere Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen (Sepsis) mit tödlichen Verläufen verursachen. Betroffen sind vor allem abwehrgeschwächte, künstlich beatmete Patienten auf Intensivstationen.

Acinetobacter-Bakterien weit verbreitet

Acinetobacter-Bakterien sind weit verbreitet und kommen in der Erde, im Trinkwasser, in Oberflächengewässern und Abwässern sowie in einigen Nahrungsmitteln vor. Als Teil der natürlichen Bakterienflora tragen schätzungsweise bis zu 25 Prozent der Bevölkerung  den Keim auf der Haut. Er ist gegenüber Umwelteinflüssen sehr unempfindlich. Die Erreger können lange zum Beispiel auf Tastaturen medizinischer Geräte, Stationstelefonen oder Lampen nachgewiesen werden. Sogar in der Raumluft von Zimmern mit besiedelten Patienten halten sich die Keime lange. Daher besteht die Möglichkeit, dass sie sich nicht nur über direkten Kontakt, sondern auch über indirekten Kontakt verbreiten.

Hygiene wichtig

Einen hohen Stellenwert in der Bekämpfung und Eindämmung der Infektionen haben daher Reinigungs-, Desinfektions- und Isolationsmaßnahmen. Wichtig ist dabei das Händewaschen. Das gilt sowohl für Patienten und Besucher - aber vor allem auch für Ärzte und Pflegepersonal. Sie müssen sich vor, während und nach dem Patientenkontakt sorgfältig die Hände waschen und desinfizieren. Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde oder bei denen der Verdacht eine Besiedelung besteht, werden isoliert. Sie werden erst dann entlassen, wenn der Keim in zwei verschiedenen Testungen nicht mehr nachgewiesen werden kann. 

Weltweit werden derzeit durchschnittlich etwa neun Prozent aller bakteriellen Infektionen auf Intensivstationen mit Acinetobacter in Zusammenhang gebracht. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. Die Spanne reicht von etwa vier Prozent in Nordamerika bis zu mehr als 19 Prozent in Asien. Für Westeuropa beträgt die Häufigkeit etwa sechs Prozent, während sie in Osteuropa mit etwa 17 Prozent deutlich höher liegt. Auf deutschen Intensivstationen ist der Acinetobacter für etwa zwei Prozent aller Lungenentzündungen verantwortlich.

Weitere Informationen

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Unbemerkt können wir multiresistente Keime in uns tragen. Welche Folgen hat das für die medizinische Versorgung und den Alltag? Antworten gibt Medizinjournalistin Antje Büll. mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Werner Solbach
Direktor 
und                                                                                 
Prof. Dr. Johannes Knobloch
stellvertretender Direktor und leitender Oberarzt
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Internet: www.uk-sh.de

Joachim Kurzbach
Facharzt für Innere Medizin
Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin & hausärztliche Versorgung
Rahlstedter Bahnhofstraße 25
22143 Hamburg
Tel. (040) 677 32 29
Fax: (040) 677 27 26
E-Mail: anmeldung@praxis-rahlstedt.de
Internet: www.praxis-rahlstedt.de

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Visite | 27.01.2015 | 20:15 Uhr

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