Stand: 27.06.2018 12:16 Uhr

Muskeln durch Strom: Genial oder schädlich?

Schlank, stark, fit - in nur 20 Minuten pro Woche: Das soll das Elektro-Myo-Stimulationstraining bewirken. Zwar fühlen sich die allermeisten Menschen nach dem Training gut und sind begeistert von den Effekten, in Einzelfällen kann es bei übermäßiger Nutzung aber auch schädlich sein. Grundsätzlich könne ein übermäßiges Training sogar zu einem Nierenversagen führen, warnen Experten.

Montage aus Erste-Hilfe-Koffer und Radio © fotolia.com Foto: frank peters, Artem Shcherbakov

AUDIO: Unter Strom: Wie effektiv ist EMS-Training? (6 Min)

Trainer steuert Stärke des Stroms

Der Einsatz von Strom zum Aufbau von Muskeln ist seit Langem etabliert: Physiotherapeuten setzen Strom seit 50 Jahren ein, um gezielt einzelne Muskeln aufzubauen. So lässt sich damit zum Beispiel nach einer Knie-OP die schwache Muskulatur wieder stärken und der Patient kommt schneller wieder auf die Beine.

In EMS-Studios kommen dagegen Geräte zum Einsatz, die alle Muskeln im Körper stimulieren. Dafür zieht der Trainierende eine spezielle Wäsche an, die Elektroden enthält. Der Trainer steuert die Stärke des Stroms passend zum Fitnessgrad. Für Brust, Bauch, Beine und Arme gibt es dabei jeweils eigene Regler. Der Trainierende muss nacheinander Halteübungen für einzelne Muskelgruppen durchführen, zugleich werden diese Muskeln über die Elektroden durch die Haut mit einem niederfrequenten Strom stimuliert.

Durch diese Kombination wird eine hundertprozentige Auslastung des Muskels erreicht und er wird so zum Wachsen angeregt. Für Gesunde ist es prinzipiell unbedenklich, wenn das Training nicht übertrieben wird.

Gefahr einer Überlastung durch EMS-Training

Zu einem Übertraining kommt es beim EMS viel schneller als bei anderen Sportarten, da der Impuls von außen kommt, vom Trainer beeinflusst wird und sich der Trainierende weniger anstrengt. Ganz wichtig sind ausreichende Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten.

Ein sehr intensives Muskeltraining führt zu einer erhöhten Ausschüttung der sogenannten Creatin-Kinase (CK). Dieses Enzym versorgt die Muskelzellen mit Energie und ist zum Beispiel bei einem starken Muskelkater vermehrt im Blut nachweisbar. Bei untrainierten Menschen und einer Belastung untrainierter Muskelgruppen erhöhen sich die CK-Werte im Blut besonders deutlich. Bei einem Muskelaufbautraining werden die Muskeln absichtlich beschädigt, um ihr Wachstum anzuregen. Sportwissenschaftler nutzen deshalb die CK-Messung im Blut für die Trainingssteuerung.

Auf Dauer Nierenschäden möglich

Eine Studie der Sporthochschule Köln zeigt, dass die CK-Werte beim EMS-Training bis zu 18 Mal höher ansteigen als bei einem konventionellen Training. Das spricht zwar für die Effektivität des Trainings beim Muskelaufbau - aber da der Körper den Stoff über die Nieren abbaut, kann es bei so stark erhöhten CK-Werten auf Dauer zu Nierenschäden kommen, wenn man nicht ausreichend trinkt.

Wer sich nach dem Training dauerhaft schlapp fühlt oder Herzrasen bekommt, sollte unbedingt kürzertreten und einen Arzt aufsuchen. Ein bis maximal zwei Mal pro Woche mit guter Anleitung ist ein EMS-Training für Gesunde unbedenklich, hilft beim Abnehmen und Muskelaufbau. Das Training kostet einmal in der Woche mindestens 20 Euro.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 10.07.2018 | 20:15 Uhr

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