Stand: 04.04.2017 10:41 Uhr

Darmkrebs: Neuer Test verbessert Früherkennung

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Darmkrebs ist in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar, wenn er früh erkannt wird.

Darmkrebs ist bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Allein in Deutschland erkranken pro Jahr 75.000 Menschen an einem bösartigen Darmtumor, rund 27.000 Betroffene sterben daran. Dabei ist Darmkrebs in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar, wenn er früh erkannt wird. Ein neues Testverfahren soll die Früherkennung deutlich verbessern: Studien haben gezeigt, dass die neuen immunologischen fäkalen Okkultbluttests (iFOBT) nicht sichtbares Blut im Stuhl mit einer höheren Genauigkeit und Sicherheit nachweisen als der bislang verwendete sogenannte Guajak-Test, zum Beispiel Haemocult. Seit 1. April 2017 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den immunologischen Test.

Testbehälter.

Darmkrebs: Neuer Test verbessert Früherkennung

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Ein neues Testverfahren soll die Früherkennung von Darmkrebs verbessern. Für Menschen ab 50 Jahren ist der immunologische Test eine Kassenleistung.

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Warum Früherkennung so wichtig ist

Darmkrebs verursacht lange Zeit keine Schmerzen und kaum Symptome. Deshalb wird die Erkrankung oft erst spät erkannt und die Sterberate ist dann sehr hoch. Erst im späteren Verlauf treten Verstopfungen, Darmkrämpfe und Blut oder Schleim im Stuhl auf.

Vorsorge mit Stuhltest und Darmspiegelung

Bereits der Einsatz des Guajak-Tests in der Früherkennung hat dazu geführt, dass weniger Menschen an Darmkrebs sterben. Inzwischen haben zahlreiche Studien gezeigt, dass immunologische Tests Darmkrebs und dessen Vorstufen noch häufiger entdecken können als der Guajak-Test. Trotz der Fortschritte in der Labordiagnostik bleibt die Darmspiegelung (Koloskopie) ab 55 Jahren der Goldstandard in der Früherkennung von Darmkrebs. Sie muss auch durchgeführt werden, wenn der immunologische Test anschlägt, um die Ursache der Blutung herauszufinden. Außerdem kann der Arzt bei einer Darmspiegelung auch andere Erkrankungen erkennen und Vorläufer oder frühe Formen von Darmkrebs entfernen.

Vorteile des immunologischen Tests

Immunologische Tests suchen mit speziellen Antikörpern nach Blutbestandteilen, dem Eiweißmolekül Haptoglobin. Dagegen weisen Guajak-Tests den roten Blutfarbstoff Hämoglobin nach. Vorteil der immunologischen Tests: Sie können auch dann winzige Spuren von Blut nachweisen, wenn die roten Blutkörperchen während der Darmpassage bereits zersetzt wurden. Sie müssen nur alle zwei Jahre wiederholt werden und erfordern lediglich eine einmalige Stuhlprobe.

Findet der Test eine größere Menge Haptoglobin im Stuhl, ist das Risiko erhöht, dass ein blutender Polyp oder Darmkrebs im oberen Darmabschnitt die Ursache ist. In diesem Fall schließt sich eine genauere Untersuchung per Darmspiegelung an.

Immunologischer Test ist Kassenleistung

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (GBA) hat am 1. April 2017 die Richtlinien zur Krebsfrüherkennung geändert und damit den Weg dafür geebnet, dass die Krankenkassen die Kosten für die neuen immunologischen Tests übernehmen. Ab 50 Jahren gibt es den immunologischen Test auf Rezept beim Hausarzt und bei Ärzten, die Krebsvorsorgeuntersuchungen durchführen. Wer Fälle von Darmkrebs in der Familie hat, sollte sich beraten lassen und bereits deutlich früher mit den Früherkennungsuntersuchungen beginnen.

Stuhlprobe wird im Labor untersucht

Beim immunologischen Test wird vor dem Stuhlgang eine Auffanghilfe in die Toilette gelegt. Mit der Spitze des Teststabs wird an verschiedenen Stellen über die Stuhlprobe gestrichen. Die Rillen der Spitze müssen danach vollständig mit Stuhl gefüllt sein. Der Teststab wird im Probenröhrchen dem Arzt gegeben, der die Probe in ein Speziallabor schickt. Anders als beim Guajak-Test gibt es keine Indikatorflüssigkeit, die auf die Probe geträufelt wird und verstecktes Blut anfärbt. Die neuen Tests erfordern zur Auswertung Spezialgeräte.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Univ.-Prof. Dr. Michael P. Manns
Direktor Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Internet: www.mh-hannover.de/gastro.html
 
Dr. Jens-Peter Bruhn, Internist und Gastroenterologe
Gastroenterologie Fontenay
Fontenay 1d, 20354 Hamburg
Tel. (040) 450 377 44, Fax (040) 450 377 46
Internet: www.gastroenterologie-fontenay.de

Dr. Uwe Gerecke, Arbeitsmediziner
Ihmeplatz 6 F, 30449 Hannover

Ragna Ochwadt
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin; Ärztliche Leitung
amedes Medizinisches Versorgungszentrum für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Genetik Hamburg GmbH

Weitere Informationen:
LebensBlicke - Stiftung Früherkennung Darmkrebs
Schuckertstraße 37, 67063 Ludwigshafen
Tel. 0800-22 44 22 1
Internet: www.lebensblicke.de

Krebsinformationsdienst (KID)
Tel. 0800-420 30 40 (kostenlos, täglich 8-20 Uhr)
Internet: www.krebsinformation.de

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm, Leber und Stoffwechsel sowie von Störungen der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Tel. (0641) 9 74 81-0, Fax (0641) 9 74 81-18
Internet: www.gastro-liga.de

Felix Burda Stiftung
Internet: www.darmkrebs.de

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Visite | 04.04.2017 | 20:15 Uhr

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