Stand: 08.01.2018 22:42 Uhr  | Archiv

Chat zu Diabetes, Zöliakie und Nasenpolypen

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Internist und Diabetologe Dr. Matthias Riedl hat das Medicum Hamburg mit der Schwerpunkt-Praxis Ernährungsmedizin gegründet.

Essen als Medizin - zum Beispiel bei Diabetes Typ 2: Was kann ich tun, um von Insulin und anderen Medikamenten wieder loszukommen? Was muss ich bei Zöliakie beachten - und was hilft gegen Nasenpolypen? Um diese Themen ging es am Montag, den 8. Januar, um 21 Uhr bei den Ernährungs-Docs. Im Anschluss an die Sendung war Dr. Matthias Riedl im Chat. Der erfahrene Ernährungsmediziner und Diabetologe hat Ihre Fragen beantwortet.

Nikadola: Mein Blutzucker liegt in der letzten Zeit morgens bei 279, obwohl ich abends zu meinem Medformin noch 24 Einheiten Lantus spritze. Haben meine Schlafstörungen etwas damit zu tun?

Dr. Matthias Riedl: Ja, durchaus. Schlecht geschlafene Nächte erhöhen den Blutzucker um ca. 20 Prozent. Das Insulin muss sicher noch höher dosiert werden. So kann das nicht bleiben.

Melina: Verdacht auf Zöliakie, keine eindeutigen Ergebnisse. Gibt es in der Nähe von Hamburg irgendwo einen guten Facharzt? Oder sonst wo, den Sie empfehlen können?

Riedl: Suchen Sie im Internet bitte nach einem Facharzt Gastroenterologie in Ihrer Nähe. Die sind darauf spezialisiert.

Unbekannt: Eignet sich die Haferkur auch für Typ-1-Diabetiker?

Riedl: Nur wenn gleichzeitig auch Übergewicht mit einer Insulinresistenz besteht.

Unbekannt: Kann ein allergisches Asthma mit Ernährung behandelt werden? Allergie konnte bis jetzt nicht herausgefunden werden. Behandlung erfolgte mit sehr viel Kortison, aktuell gesenkt und durch Monatsspritze Nucale ersetzt. Aber das Kortison zog schon einiges mit sich: Achillessehnenriss, Thrombose, ... Auch ständige Übelkeit. Dies betrifft meinen Vater, 67 Jahre alt, Landwirt.

Riedl: Ja, zum Teil. Man kann die Entzündungsneigung des Körpers durch eine anti-entzündliche Ernährung mit bestimmten Gemüsen, Kräutern und guten Fetten lindern. Hinweise dazu im ersten großen Ernährungs-Docs-Buch.

Malle: Ich bin weiblich, 60 Jahre alt und seit sechs Jahren Typ-2-Diabetiker. In den ersten Jahren habe ich Metformin genommen, wodurch ich aber einen Vitamin-B12-Mangel erlitt. Nun nehme ich seit zwei Jahren Glimepirid. Seitdem habe ich das Gefühl, ständig Hunger zu haben, und habe stark zugenommen. Ich möchte eine Heilfastenwoche einlegen. Wie kann ich danach weitermachen?

Riedl: Wenn Glimepirid Hungerattacken macht, besteht der Verdacht auf wiederholte Unterzuckerungen. Achtung: Heilfasten geht mit Glimepirid nicht. Fragen Sie Ihren Diabetologen nach einem unterzuckerungsfreien Medikament wie Dapagliflozin.

Unbekannt: Können meine Nahrungsmittelintoleranzen (Fruktose, Laktose, Histamin) Gelenkentzündungen begünstigen? Ich bin Physiotherapeut und habe seit Sommer wohl akute Entzündungen in den Fingerendgelenken, die meine Arbeit zeitweise fast unmöglich gemacht haben. Es liegt wohl eine Arthrose vor und drei oder vier der Endgelenke sind bereits dauerhaft verdickt.

Riedl: Einen Zusammenhang mit Nahrungsmittelintoleranzen kann ich nicht erkennen. Arthroseneigung kann man mit antientzündlicher Ernährung günstig beeinflussen.

Tanja: Ich, 36, leide ständig unter starker Schleimbildung im Hals, Halsschmerzen und es kommt vor, dass ich auch Blut mit dem Speichel ausspucke. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt meint, dass es eher aufgrund meiner Allergien ist: Tierhaare, Heuschnupfen, Wespenallergie, Penicillin, Ibuprofen und Aspirin, dazu Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Ich muss mich ständig räuspern und habe oft eine Bronchitis. Kann man dabei auch mit der Ernährung irgendwas bewirken, worauf kann ich achten. Ich habe seit ca. zwei Jahren ständige Halsschmerzen.

Riedl: Das ist sehr komplex. Ich würde einen Ernährungsmediziner aufsuchen. Adressen unter www.bdem.de Lassen Sie auch eine Speisenröhrenentzündung ausschließen.

Katrine: Ich bin Diabetikerin Typ 2 und esse kein Fleisch. Gibt es besondere Tipps für mich?

Riedl: Hülsenfrüchte, Nüsse sind dann ein Muss und eine supergesunde Alternative zu Fleisch. Wer fleischlos isst, sollte alle ein bis zwei Jahre den Vitamin-B-Spiegel messen lassen.

Franco: Leider wird immer die Ernährung von Diabetes-Typ-2-Personen behandelt. Ich selbst (49 Jahre) bin seit acht Jahren Typ-1-Diabetiker, der sich mehr Informationen zum Essen bezüglich Typ-1-Diabetiker wünschen würde. Gibt es hier auch Ratschläge? Selbst versuche ich auf so viele Kohlenhydrate zu verzichten wie möglich. Die meisten Probleme habe ich über Nacht.

Riedl: Da machen Sie schon viel richtig. Die Empfehlungen für Typ-2-Diabetiker sollten ähnlich auch bei Typ 1 eingesetzt werden: wenig Kohlenhydrate, viel Gemüse und die richtige Portion Eiweiß. Und besonders wichtig: Das Zwei- bis Drei-Mahlzeiten-Prinzip. Wenn Sie nachts Probleme haben, versuchen Sie, vier Stunden vor dem zu Bettgehen nichts zu essen und korrigieren Sie den Ausgangswert. Wenn Sie mehr Ratschläge wollen, suchen Sie einen Diabetologen auf, der auch Ernährungsmediziner ist. Adressen unter www. bdem.de.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 08.01.2018 | 21:00 Uhr

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