Stand: 24.10.2017 22:32 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Schulterschmerzen

Dr. Matthias Wellmann zu Gast bei Visite.
Prof. Dr. Mathias Wellmann hat im Chat Fragen zum Thema Schulterschmerzen beantwortet.

Wer auf die Schulter fällt, bekommt oftmals die Diagnose "Schulterprellung" gestellt, sofern auf dem Röntgenbild kein Bruch zu sehen ist. Bei einer Vielzahl von Patienten wird dann eine konservative Therapie veranlasst: Krankengymnastik über Monate hinweg, da man der Schulter eine langsame Genesung nachsagt. Dieser Zeitverlust führt jedoch manchmal zu einem irreparablen Sehnenschaden, falls ein Sehnenriss übersehen wurde, der eigentlich hätte operiert werden müssen. Nach einem Riss ziehen sich die Sehnen der Rotatorenmanschette durch den Muskelzug vom Knochen zurück und der Muskel verkümmert aufgrund der Inaktivität. Ist dieser Prozess schon zu weit fortgeschritten, bleibt dann im schlimmsten Fall nur noch ein künstliches Schultergelenk.

Ihre Fragen zum Thema Schulterschmerzen hat Orthopäde Prof. Dr. Mathias Wellmann vom Diakovere Annastift in Hannover beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Richard: Ich hatte vor circa acht Wochen einen Sehnenriss in der rechten Schulter. Die MRT-Aufnahme zeigt nur eine angerissene Sehne nach Beurteilung der Mitarbeiterin des MRT. Ich kann meinen rechten Arm nicht mehr richtig bewegen (ständige Schmerzen in der Schulter und im Arm beim Anheben). Liegt hier ein Sehnenriss vor und muss ich mich nun operieren lassen oder kann ich die Schulter mit der angerissenen Sehne wieder durch Krankengymnastik verbessern?

Prof. Dr. Mathias Wellmann: Aufgrund der ständigen und nicht nachlassenden Schmerzen sowie der Diagnose Sehnenriss im MRT ist eine OP mit hoher Wahrscheinlichkeit anzuraten.

Unbekannt: Kann es durch Kalkschulter - ich leide seit Jahren immer wieder daran - zu einem Sehnenriss kommen? Nach hinten zu greifen (Gurt im Auto) fällt mir schwer. Wie kann man eine Kalkschulter - beidseitig - therapieren?

Wellmann: Eine Kalkschulter geht nicht mit einem erhöhten Risiko für einen Sehnenriss einher. Wenn die Kalkschulter über Jahre hinweg besteht und weiterhin zu Problemen führt, kann der Kalk per Gelenkspiegelung entfernt werden. Dies ist auch gleichzeitig an beiden Schultern möglich.

Unbekannt: Nach einer fehlgeschlagenen Operation eines Tossy 3 habe ich einen noch deutlicheren Hochstand des Schlüsselbeins, aber weder Schmerzen oder eine Einschränkung der Funktion sind gegeben. Raten Sie dennoch zu einer weiteren Operation?

Wellmann: Sofern es sich nur um ein kosmetisches Problem handelt und keine wesentlichen Funktionsstörungen bestehen, muss nicht operiert werden.

Rosemarie: Im Jahr 2003 wurde ich nach einem Unfall an meiner linken Schulter operiert. Dort waren die Kapsel, der Bizeps und diverse Sehnen gerissen. Alles verheilte optimal und ich war bis vor ein paar Monaten völlig schmerzfrei. Jetzt meldet sich dieses Schultergelenk immer wieder ganz sachte. Ist das Arthrose, mit der man sich abfinden muss oder kann ich etwas dagegen tun?

Wellmann: Nach Verletzungen, bei denen es zu einer Verletzung der Gelenkkapsel und der Rotatorenmanschette gekommen ist, besteht auch nach erfolgreicher Therapie ein erhöhtes Risiko für einen Gelenkverschleiß (Arthrose). Diese ist nicht zwingend therapiebedürftig, sollte aber abgeklärt werden.

uta: OP bei Inpingement-Syndrom? Seit Februar 2016, mehrmals Krankengymnastik gehabt und im April 2017 zur Reha gewesen. Ist es schon chronisch? Was kann ich noch machen? Sympathikustherapie?

Wellmann: Wichtig für die Entscheidung für oder gegen eine Operation ist die Durchführung einer Kernspintomografie, um zu beurteilen, wie stark der Sehnenschaden durch das Impingement-Syndrom ist.

Unbekannt: Bei mir wurde eine Verengung des Schulterdaches mit feiner Ruptur der Supraspinatussehne mit MRT festgestellt. Kann das ohne OP behandelt werden?

Wellmann: Prinzipiell kann ohne Operation behandelt werden, wenn die Beschwerden sehr moderat sind. Allerdings ist die Vergrößerung des Sehnenschadens bei abwartender Behandlung nicht auszuschließen, sodass Kontrolluntersuchungen alle vier bis sechs Monate erfolgen sollten (mit Sonografie der Sehne).

Elisa57: Ich hatte vor einem Jahr schlimme Schulterschmerzen rechts. Das MRT sagte aus: Engesyndrom und kleiner Sehnenriss. Ich wollte keine OP, da linke Schulter auch schon operiert ist. Das war eine schlimme OP. Nun bin ich tatsächlich komplett schmerzfrei nach zehnmal Akupunktur, zweimal wöchentlich. Soll ich den Riss dennoch operieren lassen?

Wellmann: Ein asymptomatischer Sehnenriss muss nicht zwingend operiert werden. Allerdings sollte das MRT von einem Experten beurteilt werden, um auszuschließen, dass es sich um einen Sehnenriss handelt, der in der Zukunft dazu tendiert, sich zu vergrößern. Das Risiko, dass sich Sehnenrisse vergrößern, beträgt in etwa 60 Prozent.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.10.2017 | 20:15 Uhr

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