Stand: 23.05.2017 22:41 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Polyneuropathie

Dr. Wolfang Heide.
Der Neurologe Dr. Wolfgang Heide ist Chefarzt am Allgemeinen Krankenhaus in Celle.

Erst kribbeln die Füße, dann fühlen sie sich taub an, werden unempfindlich gegen Kälte und Wärme. Sie brennen und schmerzen. Dies sind Anzeichen einer Polyneuropathie, einer Erkrankung des peripheren Nervensystems. Häufig trifft es Diabetiker, aber auch Medikamente können das chronische Leiden auslösen. Da die Abgrenzung zu anderen Schmerzformen schwierig ist, quälen sich viele Patienten oft lange, bis sie eine Diagnose bekommen.

Dr. Wolfgang Heide ist Chefarzt der Neurologischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Celle. Er hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Heike: Ist es normal, dass bei einer alkoholbedingten PNP die Beschwerden, trotz absoluter Abstinenz, schleichend zunehmen? und haben Sie schon einmal etwas von der Wirkung einer Hochtontherapie bei PNP gehört? Wenn ja, ist sie zu empfehlen und wo wird sie in Norddeutschland angeboten?

Dr. Wolfang Heide: Wenn es trotzdem fortschreitet, müssen andere Ursachen abgeklärt werden. Hochtontherapie: schwache Wirkung in kleinen Studien gezeigt bei Diabetes- und Nierenpatienten. Länger andauernder Effekt nicht nachgewiesen.

Heike: Was gibt es bei starken Schmerzen in den Füßen für Alternativen, wenn zum Beispiel Gabapentin und Pregabalin nicht wirklich helfen?

Heide: Duloxetin oder Venlafaxin, Opioide, Lidocain-Pflaster und Capsaicin-Salbe oder -Pflaster. Und besonders Bewegungstherapie, Ergotherapie, Physiotherapie. Kombinierte multimodale Schmerztherapien werden stationär bei uns in Celle angeboten.

M.A.B.: Wie kann man Nervenschmerzen ohne Medikamente behandeln? Hängt es von der betroffenen Region ab, wie man Nervenschmerzen behandelt?

Heide: Da beim chronischen Nervenschmerz fast das ganze Nervensystem vom Schmerz dominiert wird, gilt es für die Therapie, andere Nervenfunktionen wieder in den Vordergrund zu rücken: Bewegung, Berührung, Druckempfinden, etc.

Andreas65: Ich bin 51 Jahre alt. Einziger Auslöser der Polyneuropathie könnte die Einnahme des Medikaments Pantoprazol sein, alle anderen Faktoren treffen nicht zu. Ist dieses Medikament als möglicher Auslöser bekannt? Ich nehme seit circa fünf Jahren 20 mg täglich ein.

Heide: Höchst ungewöhnlich. Man müsste andere Ursachen ermitteln. Falls es fortschreitet, auch mit invasiver Diagnostik, zum Beispiel mit einer Nervenwasseruntersuchung, einer Hautbiopsie oder einer Nervenbiopsie.

KHM49: Zehenkrümmung bei Neuropathie üblich?

Heide: Ja, wenn die kleinen Fußmuskeln durch die Neuropathie betroffen sind.

Lotte: Welche Möglichkeiten gibt es noch, wenn sich Polyneuropathien durch ein Miller-Fisher/Guillain-Barre-Syndrom nicht zurückentwickeln?

Heide: Medikamente helfen nicht mehr kausal, gegebenenfalls symptomorientiert bei Schmerzen. Am wichtigsten: konsequente Physio- und Ergotherapie über mehrere Jahre.

Karin: Ich leide seit zwei Jahren an PNP. Die Empfindungsstörungen sind stark schwankend. Kann es sein, dass es insgesamt auch mal wieder besser wird?

Heide: Das hängt von der Ursache ab.

odin: Ich habe Dialyse-bedingte Polyneuropathie. Wie kann man diese am besten behandeln?

Heide: Bitte mit dem Dialysearzt andere nervenschonendere Dialyseverfahren überlegen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.05.2017 | 20:15 Uhr

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