Stand: 15.11.2016 22:58 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Inkontinenz

Visite-Interview: Prof. Axel Merseburger
Prof. Axel Merseburger hat im Chat Zuschauerfragen beantwortet.

Den Urin nicht mehr halten zu können, ist für viele Menschen ein Problem. Vor allem Frauen haben mit zunehmendem Alter immer häufiger mit Blasenschwäche zu kämpfen. Doch in fast allen Fällen ist diese Inkontinenz gut behandelbar - dabei reicht das Spektrum vom Beckenbodentraining über verschiedenste Pessare und Medikamente bis hin zu kleineren und größeren Operationen, die das Problem dauerhaft beseitigen. Oft leiden die Betroffenen aber lange unnötig, weil sie aus falscher Scham nicht zum Arzt gehen und stattdessen lieber jahrelang Vorlagen in der Drogerie kaufen.

Der Urologe Prof. Axel Merseburger hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Logo: Ich bin Anfang 40 und muss beim Husten feststellen, dass ich manchmal starken Harndrang habe. Woran kann das liegen? (Keine Kinder)

Prof. Axel Merseburger: Das kann ein schwacher Beckenboden sein oder aber auch medikamentös bedingt sein. Eine Vorstellung beim Urologen oder bei einer Urologin ist zu empfehlen.

Unbekannt: Habe eine hyperaktive Blase. Ab 230 ml imperativer Harndrang. Medikamente helfen nicht. Beckenboden ok. Vorschlag des Arztes: Botox. Gibt es eine Alternative? Bin 48 Jahre und männlich.

Merseburger: Vor einer Botox-Therapie sollte eine Blasen-Druck-Messung (UD) erfolgen. Je nach Befund ergibt sich die weitere Therapieplanung. Sollte sich der Befund bestätigen, gibt es als Therapieoption noch die sakrale Neurostimulation.

Heidi: Ich habe untertags keine Probleme mit dem Halten von Urin, aber wenn ich nachts oder am frühen Morgen rausmuss, schaffe ich den Weg zur Toilette nicht. Es läuft ab dem Moment, wo ich aus dem Bett steige. Das ist wirklich sehr schlimm für mich, was kann ich dagegen tun? Mein Urologe weiß außer Tabletten, die ich nicht vertrage, keinen Rat.

Merseburger: Hier sollte weitere Diagnostik (Blasen-Druck-Messung) erfolgen.

Judy: Kann es bei einem gesunden Menschen schädlich sein, z. B. bei einem zehnstündigen Flug, auf eine Blasenentleerung zu verzichten?

Merseburger: Ja, weil das meist beweist, dass nichts getrunken wurde und das wiederum schlecht für den Kreislauf ist. Also beim Fliegen bewegen, trinken und auf die Toilette gehen.

Diana: Ich bin 45 Jahre alt und weiblich. Seit mindestens 20 Jahren schon muss ich jede Nacht mindestens 2-mal auf die Toilette. Verschiedene Medikamente wie z. B. Spasmolyth helfen nicht. Ansonsten bin ich kerngesund. Was kann die Ursache sein?

Merseburger: Weitere Diagnostik notwendig. Stichwort: Blasen-Druck-Messung. Hormonstatus ggf. überprüfen.

Christa: Wo kann ich Beckenbodengymnastik erlernen, evtl. auch im Selbststudium?

Merseburger: Auf der Homepage der Kontinenz-Gesellschaft gibt es hierzu Unterstützung. Oder Anleitung über Selbsthilfegruppen und Therapeuten.

Unbekannt: Komplette Inkontinenz nach Prostatakrebs-OP – kann man da noch was tun?

Merseburger: Ja, ganz sicher! Hier hilft die Bandeinlage oder künstlicher Schließmuskel.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.11.2016 | 20:15 Uhr

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